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Au Backe! Weisheitszähne- ziehen oder nicht?

60- 80 Prozent der jungen Erwachsenen haben Probleme mit ihren Weisheitszähnen. Daher werden Weisheitszähne oft operativ entfernt. Ist das immer sinnvoll? Und was kann man tun, um hinterher nicht wie ein Hamster auszusehen? Dorothea Brummerloh klärt auf.

Woher der im zahnmedizinischen Fachjargon auch "Achter" genannte Weisheitszahn seinen schlauen Namen hat, ist nicht ausreichend geklärt. Fest steht hingegen: Weisheitszähne machen heute – anders als früher- oft Ärger.

Weisheitszähne brauchen Platz

Entwicklungsgeschichtlich ist es so, dass unsere Vorfahren sehr viel größere Kiefer hatten. Und da hatten die Weisheitszähne auch richtig viel Platz. Aber im Laufe der Jahrhunderte ist es eben so gekommen, dass der Kiefer immer kleiner wurde und deshalb kein Platz mehr ist für diese Weisheitszähne. Mögliche Ursache: Unsere Zähne haben immer weniger zu tun. Wir essen immer mehr zerkleinerte und gekochte Nahrung.

Weisheitszähne machen oft Probleme

Gebiss

Platzmangel oder falsche Stellung.

Manche Menschen glauben, es sei Zeitverschwendung, sich die Weisheitszähne entfernen zu lassen, wenn sie gesund sind. Andere behaupten, Weisheitszähne würden nur Probleme verursachen und würden ohnehin nicht benötigt. Wann ein Weisheitszahn raus muss, ist für Zahnmediziner eigentlich keine Frage des Glaubens. Da gibt es eine Leitlinie, die sagt, dass der Weisheitszahn immer dann entfernt werden muss, wenn er die Kauebenen nicht erreicht, also kein Gegenüber findet. Es kann zum Beispiel sein, dass er nicht in die richtige Richtung durchbricht oder an einer Stelle steht, wo der Kiefer keinen Platz mehr für ihn lässt. Auch wenn ein Weisheitszahn gedreht steht und auf dem Röntgenbild erkennbar ist, dass eine Wurzel eines Zahnes gegen den Weisheitszahn drückt, so dass dieser eine Delle bekommt, dann ist es ein Grund, einen Weisheitszahn zu entfernen.

Röntgen zur Abklärung

röntgen

Vorsorge

Auch bei einer so genannten Zystenbildung sollte der Weisheitszahn entfernt werden. In diesem Fall bildet sich um die Zahnkrone des noch im Knochen liegenden Zahns eine Art Hohlraum. Dort können sich leicht Entzündungen festsetzen. Ob ein Weisheitszahn raus muss, der keine Probleme macht, darüber sollte man sich von seinem Zahnarzt beraten lassen. Der wird ein Röntgenbild anfertigen, um genau zu sehen, wie der Weisheitszahn liegt: Rückt er seinen Nachbarn zu sehr auf die Pelle oder drückt er in Richtung Kiefergelenk? In solchen Fällen hilft oft nur noch die operative Entfernung des Zahnes.

Patientin beim Zahnarzt

Operiert wird meist unter Vollnarkose

Bei einer solchen Operation muss zunächst die Schleimhaut über dem Zahn geöffnet werden. Entweder "schaut" der Zahn dann schon raus. Oder man muss etwas Knochen abtragen, um an diesen Zahn heranzukommen. Und dann hängt es von der Lage es Zahnes ab, ob er uns sozusagen "entgegen springt" oder ob man ihn zerteilen muss, um ihn durch eine relativ kleine Öffnung herauszubekommen. Anschließend wird die Stelle wieder vernäht.

Hamsterbacke vermeiden

Backe

Heilungsprozess

Doch das dicke Ende folgt sogleich: Manche Patienten sehen nach der Entfernung eines Weisheitszahnes ein wenig aus wie ein Hamster. Die dicke Backe entsteht dadurch, dass das Gewebe geöffnet werden muss. Es kommt zu einer Schwellung, zu einem Hämatom, also einem Bluterguss. Der Druck, der durch das Hämatom entsteht, der sorgt letztendlich auch dafür, dass es zu Schmerzen kommt. Abhilfe schafft da in oft schon die richtige Kühlung der betroffenen Stelle. Dann geht die Schwellung oft schon in 2-3 Tagen zurück.

Also das Kühlen ist die Kardinalmaßnahme überhaupt. Jeder Patient tut sich den größten Gefallen damit, die nächsten 2- 3 Tag den Bereich intensiv zu kühlen. Die physikalische Maßnahme Kälte ist in jeden Fall etwas, was mit keinem Medikament vergleichbar einen Schwellungsrückgang bringt.

Eis

Kühlen ist das A und O

Gegen den Schmerz helfen unter Umständen Schmerzmittel aus der Apotheke. Vor einer Kortisongabe gegen die Schwellung raten die Zahnärzte ab. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann das etwas bringen. Das Gleiche gilt für Antibiotika, die nur bei entzündeten Weisheitszähnen eingesetzt werden sollen. Wichtig ist, dass der Patient nach dem Eingriff nicht raucht, keinen Alkohol trinkt, für ein paar Tage keinen Sport treibt und – vor allem- das Ganze kühlt.

Nicht ohne Risiken

böser Zahnarzt

Mögliche Nebenwirkungen

Die Entfernung der Weisheitszähne ist die am häufigsten durchgeführten Zahn -OP. Auch wenn der Eingriff routiniert durchgeführt wird - es ist eine Operation mit Risiken und Nebenwirkungen. In der der Region der Weisheitszähne im Unterkiefer gibt es einen sehr wichtigen Nerv, der dort entlangläuft. Teilweise sind die Weisheitszähne sehr nah an diesem Nerv. Wird dieser Nerv verletzt, kann es zu einer Sensibilitätsstörung kommen auf der Hälfte der Unterlippe, das heißt, die Unterlippe fühlt sich dann unter Umständen taub an.

Patienten werden in der Regel von ihrem Zahnarzt im Vorfeld über die Risiken aufgeklärt. Es gibt aber niemanden, der mit dem Zauberstab diesen Weisheitszahn entfernen kann und deswegen sagen kann, so ein Risiko kann ich ausschließen.

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