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Was tun gegen Kinderängste? Monster unterm Bett

Fremde sind unheimlich, unterm Bett lauern Monster und im Schlaf drohen Albträume. In Afrika fürchten Kinder traditionell Schlangen, in China Geister. In den USA haben sie Angst, einen schlechten Eindruck zu machen. Doch jedes zehnte Kind leidet heute auch an Ängsten, die so groß sind, dass sie individuell behandelt werden müssten.

Junge verkriecht sich unter Bettdecke

Ängste bei Kindern sind nicht immer harmlos

Ängste gehören seit jeher zur Kindheit. Seit ewigen Zeiten lieben Kinder grausame Märchen. In "Alice im Wunderland" lässt die Herzkönigin Anderen mit Vorliebe den Kopf abschlagen. In modernen Lieblingsbüchern wie denen von Maurice Sendak geraten Kinder unter furchterregende "Wilde Kerle" mit schrecklichen Klauen und Zähnen oder finden sich in einer "Nachtküche" mit unheimlichen Bäckern wieder. Und in "Harry Potter" macht der dunkle Lord Voldemort den jugendlichen Lesern Angst.

Harry, ich krieg’ Dich!

Fernsehen kann Angst machen

Fernsehen kann Angst machen

Auch YouTube, die ebenso riesige wie beim Nachwuchs beliebte Videosammlung im Internet, liefert reichlich Material zum Gruseln. Da gibt es etwa einen pseudodokumentarischen Bericht über den fürchterlichen Tod eines Mädchens in einer verschlossenen Sauna. Das witzig gemeinte Filmchen reicht bei empfindsamen Seelen für einige Wochen Angst. Das Fernsehen bietet Ängsten von Kindern ebenfalls reichlich Nahrung. Denn diese Ängste werden dann von ihnen in den Alltag übertragen.

Schlangen, Geister, Facebook

Die Monsterechse aus dem Film kann für Kinder zum Albtraum werden

Albtraum-Monsterechse

So hat jede Zeit und jede Kultur ihre Kinderängste. In Afrika fürchten Kinder traditionell Schlangen, in China Geister. In den USA haben sie Angst, einen schlechten Eindruck zu machen. Heute tragen Medien ihren Teil bei. Jeder sechste deutsche Viertklässler sieht wöchentlich mindestens einen Film, der erst ab 16 oder später freigegeben ist. Das hat sich bei einer Befragung des Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen im Jahr 2005 herausgestellt.

Elternängste

Junge versteckt sich hinter Teddy

Ängste der Eltern übertragen sich oft auf die Kinder

Auf der anderen Seite sind Eltern oft übervorsichtig und erzeugen bei ihren Kindern gerade dadurch Ängste. Eine Gratwanderung: Man sollte Kinder nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel behüten. Entwickeln Kinder allerdings Ängste vor harmlosen Dingen, sollten Eltern darauf bestehen, dass sie sich diesen Ängsten stellen.

Doch selbst wenn die Eltern alles richtig machen, kann ihr Kind starke Ängste entwickeln. Jedes zehnte Kind leidet an Ängsten, die so groß sind, dass sie individuell behandelt werden müssten, bilanziert die Bochumer Psychologie-Professorin Silvia Schneider. Sie erforscht seit Jahren krankhafte Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen.

angst

Angststörungen bei Kindern

Angst ist etwas Leises

Ängstliche Kinder fallen im Kindergarten und in der Schule längst nicht so auf wie hyperaktive. Und wenn Kinder größer werden, sehen sie sich ständig mit neuen Dingen, neuen Personen und neuen Aufgaben konfrontiert. Und das macht erst einmal Angst.

Bei manchen Kindern verliert sich diese Angst, welche zu jeder Entwicklungsstufe erst mal dazu gehört, nicht und sie hängen weiter am Rockzipfel der Mutter. Die meisten Kleinen dagegen gehen bald unbekümmert in den Kindergarten und erkunden auch sonst die Welt. Doch da begegnen sie wieder vielem, was ihnen zunächst Angst macht.

Schöne Phobien

Training gegen Spinnenphobie

Training gegen Spinnenphobie

Wenn ein Kind Respekt vor Hunden hat, ist das durchaus sinnvoll. Immerhin beißt der beste Freund des Menschen gelegentlich zu. Nimmt ein Kind allerdings panisch Reißaus, ist das nicht mehr normal und wird schnell zu einem echten Problem. Und wenn die Familie nirgendwo mehr hingehen kann, wo vielleicht eine Spinne sitzen könnte, mindert das die Lebensqualität ebenfalls. Experten sprechen dann von einer Phobie.

Das einzig Schöne an Phobien ist, dass sie sich sehr gut behandeln lassen. Lars-Göran Öst, Psychologieprofessor an der Universität von Stockholm, schafft dies oft in einer einzigen mehrstündigen Behandlung. Wie er dabei vorgeht, zeigt er mit einem Video. Er hat es mit einem amerikanischen Mädchen aufgenommen, der neunjährigen Megan. Sie hat Angst vor Spinnen.

Kleine Spinnenschritte

Öst erklärt, was er plant. Er will in kleinen Schritten vorgehen. Ganz allmählich wird Megan mit der Spinne Bekanntschaft machen, die Öst in einen Plastikbehälter setzt. Öst macht es vor und bald fängt auch Megan die Spinne mit einer Postkarte. Wenig später nimmt der Therapeut den Zeigefinger des Mädchens in seine Hand und stupst damit die Spinne. Megan ist überrascht, dass sie nichts spürt. Mit Östs Hilfe intensiviert sie den Kontakt zur Spinne immer mehr, bis die schließlich über ihre Hand läuft.

Öst lobt Megans Mut. Es gibt eine Sitzung zur Vor- und eine zur Nachbereitung, aber die eigentliche Behandlung dauert keine zwei Stunden. Am Schluss singen der Therapeut und die Patientin das Kinderlied von der klitzekleinen Spinne.

Schlaf, Kindchen, schlaf

Kind hält sich Hände vors Gesicht

Viele Kinder haben Albträume

Auch die Schrecken der Nacht tragen viel zum Ruf der Kindheit als "Alter der Angst" bei. Fast alle Kinder haben manchmal Albträume, nicht wenige möchten deswegen zeitweise gar nicht ins Bett. Die Grundthemen der Alpträume, wie Verfolgung, Fallen oder Angst um nahestehende Personen,
sind Urängste. Doch natürlich beeinflussen auch die Erfahrungen, die Kinder im Alltag machen, ihre Träume. Was die Kinder seltener in der Nacht umtreibt, ist negativer Schulstress.

Urängste statt Schulängste

In den meisten Untersuchungen geistern Lehrer und Mitschüler durch weniger als zehn Prozent der Albträume der Kinder. Statt realistischer Schreckensszenarien prägen eher mythische Motive die nächtlichen Ängste. Nur das Gesicht des Furchteinflößenden ändert sich im Lauf der Kinder-Generationen. Während es zum Beispiel in den sechziger Jahren Hexen oder Monster waren, sind seitdem modernere Figuren hinzugekommen. Heute ist schon einmal der Mord-Roboter "Terminator" hinter einem Kind her.

Vererbte Träume

Die Neigung zu Albträumen wird wie viele andere psychische Probleme ein Stück weit ererbt. Das ergab schon 1999 eine große finnische Zwillingsstudie von Christer Hublin. Aber auch eine schwierige Lebenssituation und traumatische Erfahrungen können zu Albträumen führen. Die Therapie, falls sie nötig ist, besteht dann vor allem darin, die Albtraumszenen systematisch zu verändern. Vielleicht fügt das Kind eine Schutzmauer hinzu, die es vor dem Monster schützt. Oder es erzählt seinen Albtraum neu, mit einem positiven Ende.

Schlaflose Nächte

trost

Kinder merken schnell, wenn in der Familie etwas nicht stimmt.

Von Albträumen zu unterscheiden ist eine andere Störung, die im Alter zwischen vier und sieben Jahren besonders häufig auftritt. Die Kinder schrecken in der Nacht auf, meistens schon bald nach dem Einschlafen. Sie schreien und laufen manchmal mit weit aufgerissenen Augen in der Wohnung herum. Das ist die sogenannte Nachtangst, der "Pavor nocturnus". Woher dieses Phänomen kommt, wissen die Fachleute nicht. Die Gene spielen eine Rolle, aber auch Stress. Daher ist es wichtig, dass das Kind in Ruhe schlafen geht. Auch wenn es nachts hochschreckt, ist Beruhigen das beste Rezept.

Die Angst des Tages

Eltern sollten die Ängste ihrer Kinder durchaus ernst nehmen

Eltern sollten die Ängste ihrer Kinder durchaus ernst nehmen

Während Albträume und der Pavor nocturnus die Nacht zur Hölle für Kinder und Eltern machen, kann tagsüber eine der anderen Kinderängste zum Problem werden: die Trennungsangst. An ihr leiden nach verschiedenen Studien etwa drei Prozent der Kinder. Sie fällt auf, wenn die Kinder in das Alter kommen, in dem die Altersgenossen bereits ein paar Stunden von zuhause weg sein können. Trennungsängstliche wollen das auf keinen Fall.

Außerdem klagen die Kinder über Kopfschmerzen und Bauchschmerzen oder erbrechen sich sogar, wenn sie morgens zur Schule sollen. Das macht es für die Eltern natürlich sehr schwer, sie trotzdem dorthin zu schicken.

Kinderängsten zuhören

Junge bei der Kinderpsychologin

Junge bei der Kinderpsychologin

Doch in der Regel werden Kinderängste nicht therapiert. Experten glaubten lange an eine "Diskontinuität der Ängste", denn Erwachsene haben selten die gleichen Angststörungen wie Kinder. So leiden Kinder praktisch nie unter einer Panikstörung, während etwa zwei Prozent der Erwachsenen irgendwann Panikattacken durchleben und dabei Todesängste ausstehen. Erwachsene scheinen also ganz neue Ängste zu entwickeln, während die Kinderängste scheinbar verschwinden. Aber oft verändern sie nur ihr Gesicht. Möglicherweise lässt sich das verhindern, wenn das Kind behandelt wird.