Mann kratzt sich am Rücken (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Ständiger Juckreiz Wenn Kratzen nicht hilft

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Mal juckt es hier, dann wieder dort, man kratzt und alles ist gut. Was aber, wenn der Juckreiz ein ständiger Begleiter wird? Der Juckreiz kann viele Ursachen haben. Spezielle Fachzentren helfen, wie die "Juckambulanz" der Universitätsklinik Münster, oder wie sie offiziell heißt: "Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus".

Juckreiz am ganzen Körper von früh bis spät - zum Wahnsinnigwerden

Bei Hermann Meier* juckt es und das vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen, auch in der Nacht - und das seit fast sechs Jahren. Herr Meier schildert sein Leiden:

Homöopathie, Akupunktur, Cremes, Hausmittel - nichts hat Hermann Meier geholfen. Ganz im Gegenteil: Die Verschreibung einer cortisonhaltigen Creme führt bei ihm sogar zu einer Austrocknung der Haut und letztendlich zu einer Verstärkung des Juckreizes. Seine Hautärztin weiß nach Jahren der Behandlung weder ein, noch aus. Mittlerweile bringt der Juckreiz den 56-jährigen Lehrer um den Schlaf: Durch den Schlafmangel ist Meier tagsüber vollkommen erschöpft und unkonzentriert. Der Juckreiz gibt ihm das Gefühl, wahnsinnig zu werden.

Stechmücke sitzt auf Haut (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Jeder kennt den unangenehmen Juckreiz nach einem Mückenstich - doch es gibt auch Menschen, die es tagtäglich juckt und die verzweifelt nach der passenden medizinischen Hilfe suchen. Foto: Colourbox.de -

Hilfe bei der Juckambulanz in Münster

Zufällig erfährt Meier von der Juckambulanz an der Universitätsklinik Münster. Im Team von Professor Sonja Ständer fühlt der 56-jährige sich zum ersten Mal ernst genommen. Laut Sonja Ständer haben die Patienten einen hohen Leidensdruck:

Kratzen und Juckreiz als Alarmsignal

Bis zu 20 Prozent der Allgemeinbevölkerung leidet an chronischem Juckreiz, in einer Hautarztpraxis ist es jeder dritte Patient. Juckreiz ist ein Alarmsignal. Die Haut zeigt, dass irgendetwas nicht stimmt, sagt die Dermatologin. Doch Juckreiz ist nicht gleich Juckreiz. Folgende Fragen müssen laut Professorin Sonja Ständer geklärt werden:

Doch was ist die Ursache des Juckreizes?

Bei manchen Patienten sieht man nichts auf der Haut. Wenn sie kratzen, lindert das nicht ihren Juckreiz. Andere wiederum können nicht aufhören und kratzen bis die Haut blutet. Um der Ursache des Juckreizes auf die Spur zu kommen, der vielleicht schon Verletzungen, Läsionen auf der Haut zeigt, wird der Leidgeplagte ausführlich befragt: nach Krankheiten, Medikamenten und vieles andere mehr. Laut Sonja Ständer ist vor allem die Krankengeschichte und die genaue Untersuchung des Patienten sehr wichtig. Wo notwendig, werden Laboruntersuchungen durchgeführt oder es wird bildgebende Diagnostik angewendet.

In 90 Prozent der Fälle werden die Ärzte fündig. Bei Hautekzemen, Allergien, Neurodermitis und Schuppenflechten ist die Sache eindeutig. Die jucken eben - und müssen behandelt werden. Aber Juckreiz kann noch viele andere Ursachen haben, erklärt Sonja Ständer: Es gebe viele systemische Ursachen, also Leber- und Nierenerkrankungen, Bluterkrankungen - ganz harmlose wie Eisenmangel oder Vermehrung von roten Blutzellen bis hin zu Morbus Hodgkin. Dann gebe es noch neurologische Ursachen wie Multiple Sklerose oder auch Kompressionsphänomene. Überprüft wird auch, ob der Patient an bestimmten Darmerkrankungen leidet, da das Malabsorption-Syndrome auch zu Juckreiz führen kann.

Hautarzt untersucht Patient (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ein Juckreiz kann nicht nach einem fixen Schema behandelt werden - je nach Diagnose und Krankheitsgeschichte variieren die Therapieformen. picture-alliance / dpa -

Welche Therapiemöglichkeiten helfen gegen Juckreiz?

Hautärzte, Internisten, Radiologen, Neurologen, aber auch Psychologen und Psychosomatiker arbeiten interdisziplinär zusammen, suchen gemeinsam nach der richtigen Therapie. Juckreiz kann man nicht nach Schema F behandeln. Was dem einen Patienten hilft, muss für den nächsten noch lange nicht gut sein. Neben speziellen Cremes, Lotionen, Salben, kann auch eine Psychotherapie hilfreich sein. Auch Medikamente wie zum Beispiel Schmerzmittel, Antidepressiva, Antihistaminika und Antibiotika kommen zum Einsatz. Finden die Ärzte den richtigen Ansatz, kann sogar dann noch etwas getan werden, wenn das Jucken einen schon jahrelang quält. Wie bei Hermann Meier:


*(Name des Patienten auf Wunsch anonymisiert)

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