fichte (Foto: pixabay - pixabay/stux)

Wald-Forschung Förster züchten klimaangepasste Bäume

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Der Deutsche Wald leidet unter dem Klimawandel. Viele Bäume vertragen die zunehmende Trockenheit nicht gut. Nun setzen Forstwirtschaftler auf besonders widerstandsfähige Arten - mit Züchtungsmethoden wie in der Landwirtschaft.

Um den Wald auf die Wetterextreme der Zukunft vorzubereiten, wird in Ländern wie Schweden oder Polen bereits mit Gentechnik experimentiert. Dort wird versucht Bäume im Labor zu kreieren, die dem Klimawandel trotzen.

Es geht nicht um das Aussehen oder den Nutzen der Bäume

Auch in Deutschland ist man von der Notwendigkeit überzeugt, die Bäume fit zu machen für den Klimawandel. An der forstwissenschaftlichen Versuchsanstalt in Freiburg beschäftigt sich eine ganze Abteilung mit der Genetik von Waldbäumen und wie diese sinnvoll im Kampf gegen den Klimawandel genutzt werden kann. Der baden-württembergische Landesforstpräsident Max Reger versichert, es gehe dabei nicht um optische oder nutzbringende Anforderungen, sondern um den Baum als Ganzes. Den genetisch "astreinen" Baum werde es nicht geben. Schließlich sind in Deutschland gentechnische Eingriffe ins Erbgut von Bäumen nicht erlaubt.

Das Erbgut von Bäumen ist noch eine Blackbox

Bäume sind bisher gentechnisch kaum untersucht, erklärt Waldpflanzengenetiker Jörg Kleinschmitt. Deshalb wüssten die Forscher noch gar nicht genau, welche Gene bei Bäumen für was verantwortlich sind. Bäume hätten ein Riesenerbgut, das viel größer sei als bei Tieren und bei krautigen Pflanzen. Die genetische Variation unter verschiedenen Bäumen einer Art kann man gerade im Herbst gut erkennen. Im Wald verfärben sich die Bäume einer Population ganz unterschiedlich. Manche reagieren schnell auf Temperaturveränderungen und andere viel später.

bunte Blätter hängen an Bäumen an einem sonnigen Herbsttag (Foto: SWR, SWR - Antje Neufing)
SWR - Antje Neufing

Klimaangepasste Bäume werden heute durch Auslese gezüchtet

Jede Fichte im Wald reagiert anders auf Stress wie Trockenheit oder erhöhte Temperaturen. Um die Bäume fit für den Klimawandel zu machen, ziehen die Forscher gezielt diejenigen Fichten heraus, die besser mit Wassermangel oder höheren Temperaturen zurechtkommen und produzieren aus ihnen Saatgut. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter: sie schauen sich nicht nur einen Standort an, sondern das ganze Verbreitungsgebiet einer Fichte.

Fichten kommen vom Südrand der Alpen, im mediterranen Bereich, bis hoch nach Skandinavien vor. Im gesamten Verbreitungsgebiet wird nach Fichtenvarianten gesucht, die mit den künftigen Klimabedingungen viel besser zurecht kommen als ihre Artgenossen. So verändert sich langsam die genetische Information in der Population. Klassische Auslesezüchtung also, wie man sie aus der Landwirtschaft seit jeher kennt. Beim Wald wird allerdings noch ein neuer Ansatz verfolgt:

Die Gene können verraten, was wo gepflanzt werden sollte

Waldpflanzengenetiker Kleinschmitt und seine Kollegen arbeiten auch daran, zu identifizieren, welche spezifischen Gene für eine bessere Angepasstheit verantwortlich sind. Dann könnte man in Zukunft schon vor der Baumpflanzung wissen, ob seine Gene zum Standort passen. So könnten die richtigen Bäume für die Zukunft viel leichter ausgesucht werden.

Ein Problem dabei aber bleibt bestehen: Keiner weiß, wie stark der Klimawandel wird und was die Bäume genau aushalten müssen. Deshalb ist das Allerwichtigste für die Waldspezialisten derzeit: Bäume mit verschiedenen Genen, also mit unterschiedlichen Bedürfnissen an einem Standort zu haben, um am Ende für alles gewappnet zu sein.

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