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Rötelmaus

Gefahr durch Rötelmäuse Vorsicht: Hanta-Viren!

Die Infektion mit Hanta-Viren gehört mittlerweile zu den fünf häufigsten meldepflichtigen Viruskrankheiten in Deutschland. Der Virusname leitet sich nicht von "Hunter", vom englischen Wort für "Jäger" ab, sondern hängt mit der Entdeckungsgeschichte des Virus zusammen: Es wurde Mitte der siebziger Jahre am Grenzfluss zwischen Nord-und Südkorea, dem Hanfluss, zum ersten Mal isoliert. Über die Infektion mit dem exotischen Namen und ihre Folgen berichtet Dorothea Brummerloh.

Sie ist kleiner als unsere Hausmaus, hat ein fuchsrotes Fell, einen grauen oder weißen Bauch und längere, schwarze Haare am Schwanz: die Rötelmaus. Der possierliche Nager sieht zwar ganz niedlich aus, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit. Aber er überträgt auch das hochinfektiöse Hanta-Virus. Schmidt-Chanasit erklärt, dass Viren per se keine Lebewesen sind, sondern sie brauchen Lebewesen, um sich dort zu replizieren. Die Hanta-Viren, die den Menschen krank machen, werden von Nagetieren übertragen.

Viren bleiben im Staub aktiv

Die Rötelmaus, aber auch die Brand- und Gelbhalsmaus, nutzt das Hanta-Virus um sich zu vermehren, sagt Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard- Nocht -Institut für Tropenmedizin. Die Mäuse selber erkranken nicht. Sie scheiden aber das Virus über ihren Speichel, Kot und Urin aus.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren

Die Viren bleiben auch im Staub oder getrockneten Mäusekot noch längere Zeit infektiös und harren ihrer Opfer.

Die Gefahr in Deutschland lauert hauptsächlich bei Arbeiten im Haushalt, wenn man zum Beispiel den Schuppen ausfegt, im Garten arbeitet oder im Wald tätig ist. Weil man aufgrund dieser Tätigkeit Staub aufwirbelt, der mit Ausscheidungen dieser Nagetiere kontaminiert sein könnte. So kann man Hanta-Viren einatmen und sich infizieren.

Zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch liegen zwei bis vier Wochen. In Ausnahmefällen können die ersten Symptome schon nach 5 Tagen, aber auch erst nach 60 Tagen auftreten. Nephrologe Christoph Jüttner beschreibt die Symptome wie folgt: Gliederschmerzen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Flankenschmerzen und Erschöpfung. Das betrifft somit ein sehr breites Spektrum von Symptomen.

Schweres Nierenversagen möglich

Patienten können sich andererseits infizieren und spüren gar nichts. Es gibt aber auch Patienten, die ein sehr schweres Krankheitsbild entwickeln. Der erkrankte Detlev Müller dachte zuerst an eine Grippe. Doch der Zustand des 51-Jährigen verschlechterte sich rapide. Erst im Krankenhaus konnte man feststellen, dass die Nierenwerte recht hoch waren und dass das Nierenversagen eingetreten war. Jedoch nicht jeder Patient mit einer Hanta-Vireninfektion entwickelt ein Nierenversagen.

Ein Loch in der Erde und ein Finger zeigt darauf.

In den Mastjahren steigt das Infektionsrisiko an, vor allen in den so genannten Endemie-Gebieten

Eine Therapie gegen diese Virusinfektion gibt es nicht. Betroffene werden symptomatisch behandelt: mit Medikamenten gegen Fieber, Schmerzen, Übelkeit. Bei schweren Verläufen versuchen die Ärzte vor allem mit Flüssigkeitszufuhr die Nierenfunktion wieder zu verbessern. Gelingt das nicht, muss im schlimmsten Fall eine Blutwäsche, eine Dialyse durchführt werden. Hier wird vor allem auf den Kaliumwert geachtet.

Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen in Deutschland schwankt stark: Nach hohen Fallzahlen zum Beispiel im Jahr 2012 von über 2800 Erkrankten und nur 162 im Jahr 2013, stieg die Zahl der übermittelten Hantavirus- Erkrankungen in der zweiten Jahreshälfte 2014 wieder an, auf 571 Fälle. Der warme Winter und das reichhaltige Nahrungsangebot an Bucheckern und Eicheln haben zu einer besonders starken Vermehrung der Rötelmäuse geführt. In diesen Mastjahren steigt das Infektionsrisiko an, vor allen in den so genannten Endemie-Gebieten.

Mausefallen

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Verhaltensregeln

Schmidt-Chanasit zählt dazu die Umgebung von Stuttgart, den bayerischen Wald, den Spessart, die schwäbische Alb, und nennt damit nur einige. Vor allem Jäger, Forstwirte, Waldarbeiter, Landwirte, Gärtner, aber auch Soldaten, Menschen also, die in der freien Natur Kontakt mit den Ausscheidungen der Mäuse haben können, sind gefährdet.

Da es gegen Hanta-Viren keine Impfung gibt, können nur bestimmte Verhaltensregeln das Risiko einer Infektion minimieren: Bevor man zum Beispiel das Großreinemachen des Schuppens, der Scheune oder des Dachbodens beginnt, sollte man 30 Minuten lüften und den Boden mit Wasser befeuchten. So wird das Aufwirbeln von Staub vermieden. Dann kann das Putzen beginnen, allerdings nur mit Atemmaske, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt. Und danach: gründlich Hände waschen. Aber das ist eigentlich Jedem klar.

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