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Bunte Süßigkeiten

"Voll verzuckert" von Damon Gameau Ein Filmemacher auf dem Zuckertrip

Was passiert, wenn man sechzig Tage lang täglich vierzig Teelöffel Zucker zu sich nimmt? Der australische Filmemacher Damon Gameau hat das Experiment gewagt und den Zucker in Form von eigentlich gesunden Lebensmitteln konsumiert. Am Ende ist er fett, krank und süchtig, wie der Dokumentarfilm "Voll verzuckert" zeigt.

Zucker-Experiment mit strengen Regeln

Nach dem Vorbild der amerikanischen Fressorgie "Supersize Me", in dem sich Dokumentarfilmer Morgan Spurlock einen Monat lang nur von Fastfood ernährt, begibt sich Filmemacher Damon Gameau auf den Zuckertrip. Unter ärztlicher Aufsicht will er herausfinden, was mit seinem Körper passiert, wenn er ungefähr so viel Zucker isst wie der durchschnittliche australische Teenager. Für den Selbstversuch stellt Gameau sich strenge Regeln auf:

"Ich muss vierzig Teelöffel Zucker am Tag essen, aber nur versteckten Zucker – in vermeintlich gesunden Essen und Getränken. Also keine Softdrinks, Schokolade, Süßigkeiten oder Eis. Für die vierzig Teelöffel gelten nur Kristallzucker und spezielle Fruchtzucker. Sie dürfen zugefügt sein wie in Marmelade oder natürlich sein wie in Sultaninen. Ich muss immer fettarme Dinge kaufen und mein gewöhnliches Fitnessprogramm beibehalten."

Umgerechnet vierzig Teelöffel Zucker am Tag, das klingt nach viel, ist aber erschreckend leicht zu erreichen. Schon beim Frühstück geht’s los: mit gesüßten Müsliflocken und fettarmem, aber süßem Joghurt.

Ein Männchen sitzt auf einem Teelöffel mit einem Zuckerwürfel

Für seinen Selbstversuch hat der Filmemacher Damon Gameau sich bestimmte Regeln auferlegt: Täglich will er eine bestimmte Menge an Zucker zu sich nehmen, nur fettarme Produkte kaufen und sein bisheriges Fitnessprogramm beibehalten.

Wie wirkt sich hoher Zuckerkonsum auf die Gesundheit aus?

Innerhalb von zwei Monaten nimmt Gameau achteinhalb Kilo zu. Sein Arzt bescheinigt ihm eine Fettleber, Gameau hat Diabetes im Frühstadium und ist Herzinfarkt-gefährdet. Sein Experiment hätte er vermutlich auch in Deutschland machen können. Auch hier betreibt die Lebensmittelindustrie ein Versteckspiel mit Zucker. Nicht nur im Müsli, auch im Krautsalat, im Fleischsalat und in Hähnchen mit Currysauce haben Verbraucherschützer Zucker entdeckt, berichtet Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sie weiß, warum die Branche so viel Zucker verwendet.

Versteckter Zucker zur Geschmacksabrundung

Sabine Holzäpfel erklärt, dass Zucker als Zutat zum einen zu einem geschmeidigeren Gefühl im Mund führt und zum anderen den Geschmack pikanter Gerichte abrundet. Zucker wirkt auch geschmacksverstärkend, so dass andere Zutaten eingespart werden können. Bestes Beispiel ist Ketchup: Der Zucker fördert den Geschmack - so braucht man eventuell weniger Tomaten. Ausgerechnet bei fettarmen Produkten, wie zum Beispiel Joghurt oder auch fettreduzierter Leberwurst, setzen die Hersteller gern Zucker zu, meint Holzäpfel.

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Kinostart 29.10. | Voll verzuckert

Kinostart 29.10. | Voll verzuckert

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Sechzig Tage lang täglich vierzig Teelöffel Zucker zu sich zu nehmen - das hat sich Filmemacher Damon Gameau für seinen Dokumentarfilm "Voll verzuckert" vorgenommen.

Sechzig Tage lang täglich vierzig Teelöffel Zucker zu sich zu nehmen - das hat sich Filmemacher Damon Gameau für seinen Dokumentarfilm "Voll verzuckert" vorgenommen.

Damon Gameau will den Zucker jedoch nur in Form von Lebensmitteln konsumieren, die auf den ersten Blick gesund wirken. Hier startet er mit einem 'gesunden' Müsli in den Tag.

Auf seinem Weg begegnet der Filmemacher auch diesem Schild, das Kalorien pur verspricht.

Täglich gilt es, die vorgeschriebene Menge an Zucker aufzunehmen.

Während Damon Gameau vor seinem Selbstversuch jeden Tag 2300 Kalorien über eine ausgewogene Ernährung zu sich genommen hat...

... nimmt er während des Experiments genau dieselbe Menge an Kalorien zu sich - zum großen Teil aber über Zucker. Trotz derselben Kalorienmenge ist eine deutliche Gewichtsveränderung zu erkennen.

Natürlich darf bei solch einem anstrengenden Experiment das passende T-Shirt auch nicht fehlen.

Hat der Selbstversuch auch Auswirkungen aufs Gehirn?

Ab dem 29.10.15 ist der Dokumentarfilm "Voll verzuckert" von Damon Gameau im Kino zu sehen.

Fruchtsäfte sind nicht unbedingt gesund

Im Film schlagen außerdem Fruchtsäfte und Smoothies auf dem Zuckerkonto des Regisseurs zu Buche – schließlich enthalten sie jede Menge Fructose, also Fruchtzucker. Auch der deutsche Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer sieht Fruchtsäfte kritisch:

"Fruchtsäfte empfehle ich nicht. Das Bessere von der Frucht ist meistens entweder in der Schale oder im Fruchtfleisch, während im Saft fast nur die Fructose enthalten ist. Vitamine sind für uns in Wirklichkeit kein großes Thema, in unserer Kultur hier. Für Vitamine ist Fruchtsaft auch nicht die beste Quelle. Gemüse hat zum Beispiel viel mehr Vitamine als Früchte. Saft sättigt nicht und hat relativ viel Energie. Wer also mit dem Gewicht kämpft, der sollte die Finger von Fruchtsaft lassen."

Kaputte Zähne durch Softdrinks

Softdrinks sollte man natürlich auch möglichst vermeiden. Wie schädlich die sein können, erlebt Filmemacher Gameau unter anderem bei einem Besuch im US-amerikanischen Kentucky, wo die Leute gern Mountain Dew trinken, eine koffeinhaltige Limonade mit viel süßem Fructose-Glucose-Sirup. Er begegnet hier dem siebzehnjährigen Larry. Dessen Zähne sehen aus wie ein einziger Steinbruch. Die Erklärung dafür ist: Karies durch zuviel Mountain Dew.

Unter anderem wegen des Karies-Risikos empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, möglichst nicht mehr als zwölf Teelöffel Zucker am Tag zu essen – besser wären sechs.

Kaputte Zähne

Die Zähne des siebzehnjährigen Larry aus Kentucky sehen aus wie ein Steinbruch. Grund dafür ist eine Limonade namens Mountain Dew mit viel süßem Fructose-Glucose-Sirup.

Wie dick macht Zucker wirklich?

Gameau behauptet in seinem Film, dass Zucker selbst dann dick macht, wenn man nicht mehr Kalorien zu sich nimmt als vorher. Diese Behauptung ist allerdings wissenschaftlich umstritten. Die Ernährungswissenschaftlerin Ina Bergheim erklärt, welche Bedeutung dem Zucker zukommt:

"Es ist nicht so einfach, dass man sagt: Das liegt nur daran, dass ich so viel Zucker esse, dass ich so dick bin. Wenn man zuviel isst, dann wird man dick. Es ist dann eigentlich relativ egal, was man isst. Wenn man zuviel von etwas isst, was eben Energieträger ist, dann wird man davon dick."

Vergleich des Bauchumfangs eines Mannes mit zeitlichem Abstand

Der erhöhte Zuckerkonsum spiegelt sich auch deutlich in der Veränderung des Bauchumfangs wieder.

Natürlich wird man auch von zu viel Zucker dick – egal, ob er als Haushaltszucker, Traubenzucker, Fruchtzucker oder Honig daherkommt. Und mit dem Übergewicht drohen Folgeerkrankungen wie die Fettleber, Diabetes oder Krebs. Für Filmemacher Gameau ist die wichtigste Botschaft:

"Du kannst dir am Abend ruhig noch was Leckeres gönnen, ein Eis oder ein Glas Wein, aber dann verzichte an dem Tag lieber auf süßen fettarmen Joghurt und Apfelsaft – sonst kommt sehr viel Zucker zusammen."

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