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Veränderungen sind Stress – egal, ob die neue Situation mit Absicht oder unfreiwillig auf einen zukommt. Wie gut wir damit zurecht kommen, wird schon sehr früh angelegt.

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Veränderungen können Stress auslösen

Es gibt Veränderungen im Leben, für die man sich selbst entscheidet. Und es gibt Veränderungen, mit denen man ungewollt konfrontiert wird. Bei vielen Menschen lösen beide Varianten Stress aus.

Man muss sich von Vertrautem lösen. Sich bei einem Umzug in einer neuen Wohnung, einem neuen Stadtteil oder auch in einem neuen Land zurechtfinden; bei einem Jobwechsel mit einem neuen Team und einer neuen Arbeit klarkommen.

Heilbronner Hütte (Foto: SWR, SWR -)
Wenn wir eine Veränderung vornehmen oder etwas Neues wagen, ist das anstrengend für das Gehirn. SWR -

Das Gehirn ist gerne faul

Die meisten Menschen verharren lieber im Gewohnten als Neues zu wagen. Das Gehirn spart nämlich gerne Energie. Wenn wir etwas tun, das wir gewohnt sind, etwas, worüber wir nicht nachdenken und wofür wir schon gar keine Entscheidung treffen müssen, dann belohnt es uns dafür, indem es körpereigene Opiate ausschüttet. Und das fühlt sich gut an.

Fordern wir das Gehirn jedoch, indem wir eine Veränderung vornehmen oder gar etwas Neues wagen, muss es sich anstrengen. Und produziert statt Wohlbefinden Stress.

Mehr noch: Bei schwerwiegenden Veränderungen – etwa, wenn eine langjährige Beziehung scheitert, der Partner stirbt oder man den Job verliert – werden im Gehirn dieselben Areale aktiviert wie bei körperlichem Schmerz.

Die Grundlagen werden schon sehr früh gelegt

Der englische Psychologe John Bowlby entwickelte die Bindungstheorie. Sie besagt: Wenn die emotionalen Bedürfnisse eines Babys von Geburt an erfüllt werden, kann es Zutrauen zu sich und der Welt entwickeln. Das heißt, es braucht eine verlässliche und liebevolle Bezugsperson, die es zärtlich in den Arm nimmt, streichelt und tröstet, wenn es weint. Dann kann es sich später auch zutrauen, Veränderungen zu wagen und zu bewältigen.

Anders gesagt: Ein Kind, das immer in einem sicheren Hafen Zuflucht findet, kann leichter in die Welt hinausziehen. Denn Bindung und Neugier sind gekoppelt.

Und so werden oft zurückgewiesene Kinder oft zu "Vermeidern". Ihr Hormonsystem reagiert dann auf Belastungen – und damit auch auf Veränderungen – indem es heftig ausschlägt. Es fällt ihnen schwer, den Stresspegel herunterzufahren.

Auch freiwillige Veränderungen sind anstrengend

Doch nicht nur unfreiwillige Veränderungen stressen uns, sondern oft auch selbst gewählte. Sie zwingen uns dazu, gut eingespielte Abläufe zu verändern. Für das Gehirn ist das hochanstrengend. Es verbraucht viel Sauerstoff und Zucker, wenn es Neues zu verarbeiten hat.

Verhaltensänderung selbst in extremen Fällen möglich

Selbst in extremen Fällen sind noch Veränderungen möglich. Das zeigen die Kinder, die am Moses-Programm der Münchener Universitäts-Kinderklinik teilnehmen. Sie haben schon im Säuglingsalter Misshandlung, Gewalt und Vernachlässigung in extremem Maße erfahren und gelten quasi als unheilbar.

Damit wollte sich Kinderpsychiater Karl-Heinz Brisch nicht abfinden. Er entwarf ein Programm, das den Kindern helfen soll, sich und ihr Verhalten zu verändern. Die Kinder kommen in die Klinik, weil sie auch starke psychosomatische Symptome haben. Im Moses-Therapie-Programm bleiben sie für acht bis zwölf Monate, manche auch länger.

Die Kinder bekommen zehn Stunden Psychotherapie in der Woche, werden liebevoll betreut und lernen zum Beispiel, Körperkontakt zu ertragen. Den hatten sie bislang nur als schmerzhaft erlebt. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Karl-Heinz Brisch hat in einem großen Forschungsprojekt zeigen können, dass sich nicht nur die Symptome der Kinder – zum Beispiel Gewalt, Depression, Angst – verändern, sondern dass diese Kinder sich auf der Verhaltensebene positiver entwickeln und zum Schluss in die Schule gehen können und mit anderen in einer Gruppe zurechtkommen.

Kernspintomographie-Aufnahme von menschlichem Kopf (Foto: SWR, picture-alliance / dpa -)
Zu Beginn des Moses-Programms waren bei den Kindern die neuronalen Netzwerke zwischen den Gehirnbereichen für Alarm und Beruhigung nicht ausgebildet picture-alliance / dpa -

Veränderungen im Leben – Veränderungen im Gehirn

Auch in den Kernspin-Untersuchungen der Gehirne zeigten sich Veränderungen. Zu Beginn des Programms waren bei den Kindern zum Beispiel die neuronalen Netzwerke zwischen zwei Gehirnbereichen nicht ausgebildet: Zwischen dem Bereich, der für Alarm zuständig sind und dem, der für die Beruhigung des Alarms zuständig ist. Doch in den Untersuchungen am Ende des Programms hatte sich bei diesen Kindern die Dichte der neuronalen Netzwerke an die von gesunden Kindern angeglichen.

Veränderungen, die ein Mensch erlebt oder bewusst herbeiführt, können nicht nur seine Hirnstruktur verändern, sondern auch seine Persönlichkeit. Das gilt auch für Erwachsene.

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