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Gesunde Beine Was bringen Venenmittel?

In Apotheken gibt es längst nicht mehr nur verschreibungspflichtige Medizin. Die angebotenen Produkte reichen über Kosmetika und Pflegeprodukte bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln. Unter anderem werden auch Venenmittel angeboten, die gegen müde, geschwollene und schwere Beine helfen sollen. Abzocke oder wirkliche Hilfe?

Mit zunehmendem Alter erschlaffen die Gewebe des Menschen. Und das trifft natürlich auch für die Venen zu. Die Venen sind für den Rücktransport des Blutes zum Herzen zuständig. Das Blut muss von den Venen "bergauf" vom Fuß bis zum Herzen transportiert werden. Wenn die Venen schwach sind und da etwas verlangsamt ist, dann kann es passieren, dass ein Teil der Blutflüssigkeit aus den Venen heraus in die umliegenden Gewebe eindringt. Dann schwellen die Beine an, besonders in der Knöchelgegend und dann hat man "dicke Beine". Und die fühlen sich nicht nur schwer an, die sehen dann am Abend auch schwer aus.

Volkskrankheit dicke Beine

Mit dem Volksleiden müden oder geschwollenen Beinen haben viele Patienten zu kämpfen. Regalmeter voller Gesundheitsversprechen findet man in den Apotheken, die alle dagegen helfen sollen. Zum Beispiel Präparate aus Rosskastanie.

Waden

Wenn die Bein schmerzen, sind oft die Venen schuld

Hilfsmittel Rosskastanie

Präparate aus der Rosskastanie enthalten eine Reihe von Saponinen. Die wichtigste darin enthaltene Substanz ist das Aescin. Und Studien haben gezeigt, dass diesen Wirkstoffen tatsächlich symptomatisch lindernde Wirkungen zugeschrieben werden können, d.h. die Schwellung geht zurück, Schmerzen werden weniger, Schweregefühl und Juckreiz werden gemindert. Allerdings müssen dafür täglich mindestens 100 Milligramm eingenommen werden.

Weinreben lindern

Auch Extrakte aus der Weinrebe sollen gegen Venenschwäche helfen. Weinrebe enthalten so genannte Flavonoide. Das sind Pflanzenfarbstoffe, die antioxidativ wirken. Für die ist es in klinischen Studien ebenfalls gezeigt worden, dass sie symptomatisch lindern wirken. Eine antioxidative Wirkung bedeutet, dass freie Radikale abgefangen werden und Zellschäden dadurch gemindert werden. Dadurch können die Folgen von solchen Zellschäden wie zum Beispiel Schwellungen und Entzündungen weniger werden.

Trauben an der Rebe

Die Kraft der Weinreben

Nicht jeder Wirkstoff hilft

Medikamente mit dem Wirkstoff Troxerutin, einem chemisch veränderten und gepressten Pflanzenfarbstoff, wurden in den USA schon vor 20 Jahren wegen Unwirksamkeit vom Markt genommen. Für Troxerutin gibt es bislang allerdings keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise.

Sehr beliebt bei Venenleiden sind Einreibemittel, die von außen wirken sollen. Sie enthalten genau wie die Kapseln und Tabletten die Extrakte aus Rosskastanie und Weinrebe, aber auch den blutgerinnungshemmenden Wirkstoff Heparin. Die Wirkstoffe sollen durch die Haut an den Ort des Geschehens, an die Venen gelangen.

Cremen gegen den Schmerz

Es ist bekannt, dass viele Arzneimittel schon durch die Haut aufgenommen werden, sich dadurch dann auch im Kreislauf verteilen und an den Ort des Geschehens gelangen. Aber dann haben wir keine örtliche Therapie, sondern eben eine systemische Therapie. Wegen der Größe der Moleküle von Heparin ist es jedoch zweifelhaft, ob der Wirkstoff überhaupt direkt über die Haut aufgenommen werden kann. Mit Heparin- Salbe oder Gel erreicht man sicher eine Kühlung, einen kühlenden Effekt. Das wird man auch durch eine wirkstofffreie Zubereitung aber erreichen können.

Auch Arnika - als Salbe oder Creme - soll gegen geschwollene Beinen helfen. Der Wirksamkeitsnachweis steht allerdings bisher aus. Trotzdem schwören viele Patienten gerade auf solche äußerlich anwendbaren Mittel. Verwendet man Salben, setzt man sich zum eincremen üblicherweise hin, nimmt die Beine hoch und unterstützt so schon mal den Rückfluss des Blutes zum Herzen. Und das Zweite ist, die Salben werden einmassiert. Damit hat man einen Massageeffekt, wenn man das in die richtige Richtung macht. Wenn man die Creme nur lange genug richtig schön einmassiert, dann führt dies ebenfalls zu einer Entlastung des Venensystems.

Nichts als Kühlung

Alle Venensalben oder - Cremes haben einen örtlichen kühlenden Effekt. Sie dürfen allenfalls unterstützend eingesetzt werden und ersetzen nicht die eigentliche Therapie. Egal, ob Präparate aus Rosskastanie, Weinrebe, Mäusedornwurzelstock oder Arnika.

Damenbeine mit Schlappen

Verschnaufpause für müde Beine

Wichtigste Maßnahmen zur Therapie bei Venenpoblemen sind: Gewichtsabnahme, Bewegung, oder kalte Anwendungen. Wenn die Schmerzen und die Symptome ein bestimmtes Maß erreicht haben, dann kann man sich auch mit Kompressionsstrümpfen weiterhelfen. Kompressionsstrümpfe verhindern das Austreten von Wasser ins Gewebe und beugen damit der Bildung von Ödemen vor. Sie drücken die oberflächlichen Venen zusammen und beschleunigen damit den Blutstrom. Nicht zuletzt hilft regelmäßige Bewegung. Die so genannte Muskelpumpe fördert den Blutfluss aus den Beinen zurück zum Herzen.

Die Venen können sich nicht eng und weit stellen wie zum Beispiel die Arterien. Venen sind auf Hilfe von außen angewiesen. Und das bringt der Muskel, der die Vene umschließt. Und je mehr man diesen Muskel bewegt, je besser man ihn trainiert, desto besser entleeren sich die Venen und desto weniger Beschwerden machen die Venen. Also Sport ist in jeder Beziehung gut, weil man damit üblicherweise auch Gewicht loswird. Und jedes Übergewicht führt natürlich zu unnötigem Gewebe, was sich mit Gewebswasser füllen kann, die Venen belastet.

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