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Unerfüllter Kinderwunsch – Was Paare tun können

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Christine Werner
Christine Werner (Foto: SWR, Foto: Susanne Fern, Köln)
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Ulrike Barwanietz / Candy Sauer

Gut jedes zehnte Paar in Deutschland ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappen will, muss geklärt werden, an wem und an was es liegt. Allein diese Diagnose kann ein langer, schmerzhafter Prozess sein.

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Ausgeglichenes Verhältnis bei den Ursachen der Kinderlosigkeit

Generell ist das Verursacherprinzip für Kinderlosigkeit bei Mann und Frau relativ ausgeglichen. Die genaue Aufteilung lautet: Zu 30 Prozent liegt es an der Frau, zu 30 Prozent am Mann, bei 20 Prozent der betroffenen Paare liegt eine gemeinsame Ursache vor. Und in 20 Prozent der Fälle finden die Ärztinnen und Ärzte keine Ursache.

Ramona Das ist Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin an der Universitäts-Frauenklinik in Köln. Seit fast zwanzig Jahren arbeitet sie in diesem Bereich und erlebt immer wieder, dass viele Paare sehr spät Spezialistinnen aufsuchen.

Es kommen auch immer mehr lesbische Paare oder alleinstehende Frauen in die Kinderwunschpraxen. Da ist klar, dass eine künstliche Befruchtung mit Samenspende meist der einzige Weg zum eigenen Kind ist. Lesbische Paare gehen deshalb oft entspannter in die Behandlung, sagt Ramona Das.

Künstliche Befruchtung: nur für heterosexuelle Ehepaare

Lesbische Frauen werden nicht überall behandelt. Denn eine Richtlinie der Bundesärztekammer erlaubt die „assistierte Reproduktion“, die künstliche Befruchtung, lediglich bei heterosexuellen, verheirateten Paaren. Ist bei diesen die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch gefunden, geht es um die weiteren Behandlungsschritte. Und da gibt das Embryonenschutzgesetz die Möglichkeiten vor.

Bei dem Eingriff der künstlichen Befruchtung sind die Partner oft anwesend (Foto: IMAGO, imago/Medicimage)
Bei dem Eingriff der künstlichen Befruchtung sind die Partner oft anwesend imago/Medicimage

Ende eines Mythos: „Psychogene Infertilität“ ist wissenschaftlich klar widerlegt

Tewes Wischmann kennt sich aus mit den Gefühlen, die Paare mit unerfülltem Kinderwunsch durchleben. Der Psychologe leitet die Abteilung „Gynäkologische Psychologie“ und die Kinderwunsch-Sprechstunde an der Universität Heidelberg.

Typische Fragen der betroffenen Paare:

  • Macht man sich zu viel Druck?
  • Liegt es am Stress?
  • Gibt es eine "psychische Blockade?

Tewes Wischmann hat im Auftrag des Bundesforschungsministeriums erforscht, ob Paare, die Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen, psychisch auffällig sind. Das Ergebnis: Nicht eine Studie konnte einen Zusammenhang nachweisen zwischen Psyche, Stress und unerfülltem Kinderwunsch. Wissenschaftlich ist die sogenannte „psychogene Infertilität“ klar widerlegt.

Von Paaren kommt manchmal die Nachfrage: „Ja, aber ich habe doch beruflich so viel Stress.“ Dann sagt Wischmann:

"Solange wir nicht in Kriegszeiten leben, spielt der Stress keine Rolle."

Was jedoch negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat:

  • exzessiver Sport
  • Untergewicht
  • Übergewicht

Psychische Probleme: mögliche Folge von Kinderlosigkeit, nicht deren Ursache

Die Diagnose Unfruchtbarkeit trifft viele Paare völlig unvorbereitet, sagt Tewes Wischmann. Männer leiden oft mehr darunter als Frauen, weil sie den Befund mit ihrer Sexualität, ihrer Männlichkeit verbinden. Mit der Zeit werden Paare auch mutloser, das Warten zermürbt, dazu kommt immer noch Scham, ein Stigma – denn über ungewollte Kinderlosigkeit wird nicht gesprochen. Psychische Probleme können also eine Folge von Kinderlosigkeit sein, sie sind keine Ursache.

Die wenigsten sagen, wie beschwerlich der Weg der Kinderwunschbehandlung wirklich war. Die Sängerin Céline Dion ist jedoch offen damit umgegangen. Sie hat ihr erstes Kind mithilfe von künstlicher Befruchtung bekommen und hat dann – nach mehreren Fehlgeburten und mit der sechsten künstlichen Befruchtung – noch einmal Zwillinge zur Welt gebracht. Michelle Obama hat ihre Töchter ebenfalls mithilfe von In-Vitro-Fertilisation bekommen. In ihrer Autobiografie berichtet auch sie von einer Fehlgeburt.

Künstliche Befruchtung im Labor (Foto: IMAGO, Monkey Business 2 via www.imago-images.de)
Künstliche Befruchtung im Labor Monkey Business 2 via www.imago-images.de

Geburtenrate bei künstlicher Befruchtung liegt bei knapp 20 Prozent

Für die Reproduktionsmedizinerin Ramona Das ist es selbstverständlich, Paare ehrlich über Hindernisse und Chancen aufzuklären. Abhängig vom Alter der Frau und den vorliegenden Befunden liegen die Chancen bei 30 bis 40 Prozent, innerhalb eines Behandlungszeitraums schwanger zu werden. Diese Rate beschreibt nicht, dass eine Frau auch tatsächlich ein Kind auf die Welt bringt. Die Geburtenrate liegt laut deutschem In-Vitro-Fertilisations-Register pro Behandlung bei knapp 20 Prozent, der Rest sind Fehlgeburten.

Paare mit Kinderwunsch sollten sich mit Alternativen auseinandersetzen

Die Krankenkassen bezahlen verheirateten Paaren drei künstliche Befruchtungen. Danach müssen die Kosten selbst getragen werden. Die Erfolgsaussichten: Nach drei Versuchen bekommen 50 Prozent der Paare ein Kind, nach vier Versuchen 60 Prozent und nach sechs Versuchen ein Drittel der Paare. Über alle Altersstufen hinweg und international vergleichbar.

In Stickstoff tiefgefrorene Eizellen im Labor des Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche in Berlin (Foto: IMAGO, imago/epd)
In Stickstoff tiefgefrorene Eizellen im Labor des Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche in Berlin imago/epd

Für viele Paare ist nach drei Versuchen eine Grenze erreicht, sagt Tewes Wischmann. Er rät den Betroffenen aber auch zu einer Art „emotionaler Grenze“, einem persönlichen Fahrplan für das jeweilige Paar. In diesem Fahrplan sollte es von Anfang an auch einen Plan B, C oder D geben, rät der Psychologe. Paare sollten besprechen:

  • Wäre eine Adoption eine Alternative?
  • Könnten Kinder über Co-Parenting eingebunden werden?
  • Wie könnte ein erfülltes Leben ohne Kinder aussehen?

Kritik am Verbot von Eizellspende in Deutschland mehrt sich

Im Gegensatz zu einer Samenspende ist eine Eizellspende hierzulande verboten. Das regelt das Embryonenschutzgesetz, erklärt der Medizinrechtler Jochen Taupitz. Er ist Direktor des Instituts für Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik an den Universitäten Heidelberg und Mannheim und war viele Jahre Mitglied des Deutschen Ethikrats. Da das Gesetz aber schon 30 Jahre alt ist, es medizinische Weiterentwicklungen und neue Erkenntnisse gibt, fordern Expertinnen und Experten ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz.

In diesem Zusammenhang mehren sich die Stimmen, die in Deutschland die Eizellspende legalisieren wollen. Die Befürworter argumentieren unter anderem mit Gleichberechtigung. Wenn ein Mann Samen spenden darf, sollte eine Frau auch Eizellen spenden dürfen. Weitere Argumente sind weniger Reproduktions-Tourismus ins Ausland und mehr Rechte für die geborenen Kinder. Auch Jochen Taupitz ist aus diesen Gründen für eine Legalisierung.

Zwei Paar Frauenschuhe und dazwischen ein Paar Kinderschuhe (Foto: IMAGO, Thomas Trutschel/photothek.net)
Richtlinie erlaubt fortpflanzungsmedizinische Möglichkeiten nur für heterosexuelle Paare Thomas Trutschel/photothek.net

Leihmutterschaft und Co-Parenting

Die Leihmutterschaft ist die umstrittenste Methode im Bereich der Reproduktionsmedizin – und in Deutschland ebenfalls verboten. Es gibt vereinzelt Berichte von schwulen Paaren, die eine Leihmutter im Ausland in Anspruch genommen haben, vor allem in den USA. Denn für schwule Paare ist die Familiengründung kompliziert. Sie können inzwischen Kinder adoptieren oder über Familien-Modelle wie Co-Parenting ihren Kinderwunsch erfüllen. Dabei bilden zum Beispiel ein schwules und ein lesbisches Paar eine Zweckbeziehung, um eine Familie zu gründen.

Für Medizinrechtler Jochen Taupitz ist jedoch klar, dass alle in Deutschland erlaubten Methoden nicht nur heterosexuellen, sondern auch gleichgeschlechtlichen Paaren offenstehen müssen. Da es die Ehe für alle und Adoptionen für sie gibt, wäre es völlig abwegig zu sagen, diese Paare dürften keine Kinder haben und ihnen damit fortpflanzungsmedizinische Möglichkeiten zu versagen.

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