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Ärztin hört Patienten ab

Unbegründete Angst Die Seuchen der Flüchtlinge...

sind gar keine.

An manchem Stammtisch wird die Frage gestellt, wie viele sogenannte „Asylanten“ das Land noch verkraften kann. Ein neues Vorurteil: Flüchtlinge bringen angeblich Seuchen ins Land. Masern, Hepatitis, Tuberkulose oder sogar Ebola. Im Internet lässt sich ziemlich genau die Spur solcher Vermutungen und geschürten Ängste nachvollziehen. Nur begründet sind sie nicht.
Peter Ochs sprach mit Ärzten über ihre täglichen Erfahrungen mit Patienten in Flüchtlingslagern...

Woran es krankt...
Für den Mainzer Arzt Dr. Gerhard Trabert sind Meldungen, dass von Flüchtlingen Seuchen nach Deutschland eingeschleppt werden, ein fatales Signal. Ebenso die Bilder von Helfern in weißen Schutzanzügen in Lampedusa. Trabert war selbst auf Lampedusa und ist sich sicher, dass dort keine Seuchen eingeschleppt werden. Nach seiner Meinung würde ein Mensch, der schwer erkrankt ist, die beschwerliche Reise ohnehin nicht überstehen.

Trabert hat jahrelange Erfahrungen als Arzt und Katastrophenhelfer. In seiner medizinischen Ambulanz behandelt er jetzt Flüchtlinge, die in Mainz angekommen sind. Offenbar leiden auch diese Patienten unter den Krankheiten, die es auch in Deutschland schon lange gibt: Zivilisationskrankheiten wie Zucker, Bluthochdruck, Koronare Herzerkrankungen, Bronchitis, Magenprobleme, Zahnbeschwerden und mitunter Krebs. Vor allem seien aber posttraumatische Belastungsstörungen ein Problem, sagt Trabert. Er verweist auf Expertisen, die belegen, dass etwa 40% aller Flüchtlinge an solchen psychischen Erkrankungen leiden. Deshalb kritisiert Trabert das „Asylbewerber Leistungsgesetz“ als nicht menschenrechtskonform. Nach seiner Ansicht schränke es die Behandlung auf akute Erkrankungen und Schmerzzustände ein.

Angehörige trauern um die ertrunkenen Flüchtlinge.

Angehörige trauern um ertrunkenen Flüchtlinge.

Das Asylbewerber Leistungsgesetz

Das Asylbewerber Leistungsgesetz aus dem Jahr 1993 regelt in 14 Paragraphen, welche Leistungen Asylbewerbern zustehen: 14 Paragraphen, die von Menschenrechtsorganisationen und Kirchen massiv kritisiert werden. Ein Kritikpunkt: In den letzten 20 Jahren sei keine notwendige Anpassung an die Preisentwicklung vorgenommen worden, obwohl das Verfassungsgericht dies bemängelt habe.

Inland

Wie erleben Ärzte die Flüchtlingssituation bei uns auf dem Lande? Ein Blick nach Büchenbeuren im Hunsrück, eine kleine Gemeinde mit rund 1700 Einwohnern. Sie ist konfrontiert mit der Tatsache, dass im Ort und in der näheren Umgebung rund 1000 Flüchtlinge untergebracht wurden.

Ulrike Alpers ist die Ärztin vor Ort, und neben ihrer Sprechstunde betreut sie Flüchtlinge, die zu einem großen Teil in Zeltlagern beim nahegelegenen Flugplatz Hahn untergebracht sind.

Arzt untersucht Flüchtling

Ein Flüchtling bei einer ärztlichen Untersuchung.

Natürlich gibt es auch in ihrem kleinen Hunsrückdorf Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit der großen Flüchtlingszahl. Da wird sie schon mal leise gefragt, ob man denn das Gemüse im Lebensmittelladen noch essen könne, wenn Flüchtlinge es in der Hand hatten.

Auch das von ihr und der örtlichen Pfarrerin ins Leben gerufene „Café International“ wird nicht vorbehaltlos angenommen. Es soll als Treffpunkt für Einheimische und Flüchtlinge dienen, den kulturellen Austausch fördern, und es wird von ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Aber Eltern hatten Bedenken ihre Kinder dorthin gehen zu lassen, weil sie sich um deren Gesundheit sorgten. Alpers betont, dass Flüchtlinge, die einer festen Unterkunft zugewiesen werden, vorher geröntgt wurden, um eine mögliche Tuberkulose frühzeitig zu erkennen bzw. auszuschließen. Auch Masern, Hepatitis und Aids würden durch Untersuchungen ausgeschlossen werden.

Dr. Alpers: Diese Durchuntersuchung hat noch keinen wirklich Krankheitsfall zu uns gebracht. Ich sehe jeden Tag ….30 bis 50 Menschen. … die kommen aus warmen Ländern, die holen sich hier einen Schnupfen, die holen sich einen Husten …. es  gibt natürlich auch etwas Ältere mit Hochdruckleiden, mit Herzschmerzen. Es gibt viele, die traumatisiert sind, die Angst haben und die das natürlich auch über ihren Körper ausleben.

"Und Ebola!?"

Wie steht es um die Angst vor Ebola, die von rechten Hütern der Volksgesundheit jetzt geschürt wird? Sie sei unberechtigt, denn ein an Ebola erkrankter Mensch würde die Reise bis Deutschland kaum überleben. Junge Männer aus Afrika seien mindestens ein Jahr unterwegs, bis sie den Weg zu uns finden, betont Alpers. Der einzige Ebola-Verdachtsfall im letzen Jahr war ein Einheimischer, der aus dem Urlaub zurückkam.

Ein liberianischer Friedhof für an Ebola gestorbene Menschen.

Ein Friedhof für die Opfer der Ebola-Epidemie in Liberia.

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