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Misshandlungs-Vorwürfe gegen Kindertagesstätte

Prinzessin oder Monstertruck Klischees auf Kinderkleidung

"Kleine Prinzessin" ist da vielleicht zu lesen, oder auch "Kleiner Superheld". T-Shirts mit Aufschrift sind immer noch gefragt. Egal, ob die Sprüche im Einzelfall besonders ausgefallen oder geistreich sind, sie sind jedenfalls beliebt und transportieren unter Umständen auch eine unterschwellige Botschaft. Darum geht es in einem Projekt am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin, betreut von der Professorin Petra Lucht.

Ich will das Ergebnis mal auf den Punkt bringen, Frau Lucht, Sie haben festgestellt: Die Aufschriften von T-Shirts für Kinder transportieren Geschlechter-Klischees. Würden Sie das so unterschreiben?

Ja, das würde ich so unterschreiben, zumindest für die T-Shirts, wo Sprüche oder Worte abgedruckt sind.

Wie sind Sie denn zu diesem Befund gekommen, was haben Sie genau untersucht?

Eine studentische Arbeitsgruppe in einem unserer Einführungskurse hat circa 500 T-Shirts untersucht, zur Hälfte T-Shirts jeweils für Jungen und Mädchen. Sie haben ausschließlich T-Shirts mit Worten oder Sprüchen untersucht und dann eine Textanalyse durchgeführt. Darin haben sie Häufigkeiten on Worten analysiert und auch Kontextanalysen durchgeführt, das heißt, sie haben Leitmotive dieser Sprüche herausgearbeitet.

Machen wir das doch mal konkret, was stand denn zum Beispiel auf diesen T-Shirts drauf?

Bei den Mädchen fanden sich sehr häufig Worte wie "sweet", "happy", "cute", "lovely" – bei den Jungs "crazy", "cool", "wild" oder "strong". Auch Worte wie "Liebe", "Mädchen", "Star" oder "Prinzessin" waren bei den Mädchen-T-Shirts zu finden, bei den Jungs waren das "Leben", "Team", "Kumpel", "Monstertruck" oder "Rebell".

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T-Shirts werden rigide in Jungen- und Mädchen-T-Shirts unterschieden und entsprechend produziert - warum eigentlich?

Haben Sie auch untersucht, inwiefern diese Sprüche auch die Mädchen und Jungs beeinflussen?

Wir haben lediglich die Sprüche selbst analysiert, aus der Forschung ist aber bekannt, dass solche Klischees und Geschlechterstereotypen sich durchaus sehr negativ auswirken können, zum Beispiel auf die Identitätsfindung in Kindes- und Jugendalter, oder auch auf Leistungen in der Schule und später im Beruf.
Wenn wir einen Menschen mit Stereotypen oder Vorurteilen konfrontieren und dann eine Leistung entsprechend abfragen, dann fallen statistisch gesehen die Leistungen schlechter aus.

Ist das die Schuld der Hersteller, die so etwas drucken, oder sind es die Eltern, die so etwas aussuchen und kaufen?

Ich sehe eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, ich suche nicht nach der Schuld einzelner Personen oder der Hersteller per se, ich appelliere allerdings schon an die Hersteller solche Stereotypen nicht abzudrucken. Einzelne Personen, die eine solche Kaufentscheidung treffen, treffen diese unter Umständen auch entgegen den sozialen Erwartungen oder Normen, was häufig nicht bewusst geschieht. Das kann unter Umständen zu Hänseleien in der Schule oder im Kindergarten führen, oder auch zum Ausschluss oder zur Diskriminierung. Hier ist es schwer, Empfehlungen auszusprechen, zumindest sollte im Kleiderschrank eine Auswahl zur Verfügung stehen.

Drilling Philipp Vogt schreiben seinen Namen auf ein T-Shirt

Was würden die Kinder auf ihre Shirts schreiben?

Wenn nun im praktischen Fall zwei Eltern mit ihrer Tochter einkaufen gehen und diese unbedingt das pinke T-Shirt haben möchte – was würden Sie hier empfehlen?

Ich würde das T-Shirt kaufen und trotzdem dem Mädchen auch noch weitere T-Shirts zur Auswahl anbieten und mitzukaufen, so dass jeden Tag spontan entschieden werden kann, was das Mädchen tragen möchte. Sonst gibt es möglicherweise nur rosa T-Shirts im Kleiderschrank.

Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass T-Shirts so rigide in Jungen- und Mädchen-T-Shirts unterschieden und entsprechend produziert werden, ebenso in Kleidungsgeschäften und Onlinegeschäften in verschiedenen räumlichen Bereichen oder Rubriken angeboten werden. Oft gibt es keinen gemeinsamen Bereich für Kinderkleidung, das heißt auch hier findet bereits eine Unterscheidung und Abgrenzung statt. Das halte ich durchaus für problematisch.

Mal angenommen, Sie dürften so ein T-Shirt beschriften, welchen Spruch würden Sie wählen?

Ich würde den Kindern anbieten, dass sie selbst Schriftzüge auf T-Shirts aufmalen können.