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Touchscreen mit Fingerabdruckerkennung Datenschloss für Tablets

Gerade haben Sie ihr Smartphone eingeschaltet und gehen nochmal schnell aus dem Raum, etwas zu trinken holen, das Smartphone bleibt auf dem Tisch liegen. Jetzt könnte jeder problemlos ihre Emails lesen oder über ihr Konto Bestellungen bei Amazon aufgeben. Mit einem Touchscreen, das während der Benutzung Fingerabdrücke erkennt, würde diese Sicherheitslücke elegant geschlossen.

Für die Entwicklung eines solchen Prototyps haben Christian Holz und Sven Köhler Anfang März den Cebit-Award erhalten. Das Szenario: Bankangestellte mit unterschiedlichen Zugangs- und Bedienrechten arbeiten gemeinsam an einem großen Tablet-Computer. Das ist nur einer von zahlreichen Anwendungsfällen, die der Prototyp "Fiberio" ermöglichen soll.


Fremde Hände

Sven Köhler bei der Präsentation

Sven Köhler bei der Präsentation

Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Christian Holz hat Sven Köhler den weltweit ersten Touchscreen entwickelt, der Fingerabdrücke während der Nutzung in Sekundenbruchteilen identifiziert. Die Bildschirmfläche erkennt ohne Registrierung oder Login, ob die Anwender zu der jeweiligen Aktion berechtigt sind und ermöglicht es ihnen, simultan zusammenzuarbeiten.

Nahansicht der Fiberplatte

Nahansicht der Fiberplatte

Sven Köhler beschreibt die wichtigste Frage zu Beginn des Projektes: Es musste ein optisches Material gefunden werden, mit dem es möglich wird, Fingerabdrucke eindeutig erkennen zu können. Das Problem: In der Physik gibt es zwei unterschiedliche Arten, wie sich Oberflächen gegenüber Licht verhalten können. Entweder eine Oberfläche ist matt, so wie eine Wand - dann kann man sehr einfach ein Bild darauf projizieren.


Ortung der Berührung

Aufbau des Tisches

Aufbau des Tisches

Oder aber sie ist transparent, dann kann man sehr gut hindurch gucken und zum Beispiel einen Fingerabdruck auf der anderen Seite erkennen. Normalerweise schließt das eine das andere aus. Das Material, das Christian Holz gefunden hat, macht es möglich, beide Effekte zu kombinieren. Es handelt sich dabei um eine Platte aus 40 Millionen Glasfasern, jede ist sechs Mikrometer groß. Dieses Material wird in der Medizintechnik bereits verwendet, um Röntgengeräte mit Licht zu steuern.

Mehr Datensicherheit dank Fingerabdruckerkennung

Mehr Datensicherheit dank Fingerabdruckerkennung

Hierbei ist etwa 40 Zentimeter unterhalb einer Glasfaserplatte ein Beamer installiert, der das Computerbild nach oben projiziert. Ebenfalls von unten scheint das Licht von zwei Infrarotlampen gegen die drei Millimeter starke Glasfaserplatte und wird von den Fingern reflektiert. Die einfache Kamera einer Playstation ortet so jede Berührung auf der Glasoberseite.


Tisch zum Identifizieren

Eine weitere, hochauflösende Kamera ist schließlich in der Lage, ein so sauberes Bild jedes Fingerabdrucks zu erkennen, dass dieser eindeutig identifiziert werden kann.
Noch besteht "Fiberio" aus einer Art Tischgestell, damit die Ingenieure die verschiedenen Komponenten einfach austauschen können. Ziel der Forscher ist es, das System kompakter zu bauen. Sven Köhler:

Touchscreen entdeckt Fingerabdrücke

Touchscreen entdeckt Fingerabdrücke

Ob es um Smartphones, Tablet-Anwendungen oder intelligente Räume geht: am Fachbereich Human Computer Interaction des Hasso-Plattner-Instituts erforschen schlaue Köpfe die sogenannte Mensch-Maschine-Interaktion. Wie werden wir in Zukunft unsere Geräte bedienen? Und wie werden diese Geräte in unsere Alltagsumgebung integriert? Sven Köhlers Fingerabdruckerkennung könnte Smartphones in Zukunft noch anwenderfreundlicher machen, indem jeder Applikation die entsprechenden Rechte zugewiesen werden.

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