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Tiernamenforschung Benno, Hasso und Rex haben ausgedient

Wer sich heutzutage ein Haustier anschafft, möchte zumindest in der Namensgebung originell sein. Auffällig dabei ist: die Grenze zwischen Tier und Mensch verschwindet zunehmend - Haustiere werden immer häufiger genannt wie Menschen. Linguisten der Uni Mainz haben die Tiernamen genauer erforscht und dabei Überraschendes herausgefunden.

Hunde werden zum Familienmitglied - und haben immer häufiger auch typisch menschliche Namen

Hunde werden zum Familienmitglied

Linguistik, also die Sprachforschung, ist ein weites Feld. Im Fachbereich Historische Sprachwissenschaft des Deutschen am deutschen Institut der Mainzer Universität befasst man sich speziell mit der Onomastik, also der Namensforschung. Und seit einigen Jahren speziell mit den Tiernamen. Weltweit liegen die Mainzer Linguisten da ganz vorne. Und, was auch kürzlich wieder bei einer Tagung in Mainz herausgefunden wurde: Haustiere tragen immer häufiger Menschennamen.


Benny und Lilly statt Hasso oder Rex

TV-Star Kommisar Rex (links im Bild)

TV-Star Kommisar Rex (links im Bild)

Hasso oder Rex, so heißt kaum noch ein Hund. Wer sich heutzutage ein Haustier anschafft, der will zumindest in der Namensgebung originell sein, witzig, vielleicht auch intellektuell. Oder einfach nur individuell. Auffällig dabei: die Tier-Mensch-Grenze verschwimmt, Haustiere werden immer häufiger so genannt wie Menschen. Die Mainzer Linguistin Prof. Damaris Nübling:

Heutzutage kriegen die Hunde eigentlich Kindernamen, das ist sehr auffällig oder moderne Kindernamen wie Max, Benny, Gina oder Lilly.

Vom Hofhund zum Schoßhund

Und daran zeigt sich, dass sich die Bedeutung des Haustieres für den Menschen geändert hat:

Bello musste früher einfach nur bellen

Bello musste früher einfach nur bellen

Früher wurden Hunde als Hund benannt; sie wurden ganz klar als der Hofhund, der Wachhund, der Hirtenhund - also in ihrer Funktion benannt. Die haben nicht das Bett geteilt , nicht die Wohnung. Die kamen oft auch nicht ins Haus. Die Hunde lagen an der Kette und haben in ihrer Hundehütte geschlafen. Das gibt es ja kaum noch. Und sie wurden als solche auch benannt. Deswegen gab es ein spezifisches Inventar an Hundenamen, wie eben Bello, Hasso, Rex und so weiter. Das Geschlecht war egal, der Hunde musste bellen.

Hund als Partner oder Kind

Heute ist der Hund ganz klar unter den Tieren der engste Sozialpartner des Menschen. Er ist sogar fast schon Partner und nicht nur Kind, weil bei den Hunden ja auch das Geschlecht so eine große Rolle spielt. Und das können wir auch ganz klar ablesen, dass die Hunde heute dreimal so viel menschliche Namen bekommen wie vor hundert Jahren.

Die Tiere werden den Menschen damit immer ähnlicher. Haustiere sind inzwischen Teil der Familie und Ausdruck des sozialen Status´:

Baileys auf vier Beinen

Freunde fürs Leben

Freunde fürs Leben

Der Besitzer orientiert sich bei der Namensgebung für den Hund an seiner eigenen sozialen Umwelt. Also: was konsumiert er, welche Alkoholika, welche Reisen macht er, wohin geht er. Und da ist ganz interessant, dass wir relativ viele Warennamen haben wie Baileys, Barolo haben für Hunde. Das hat uns überrascht. Also die Konsumwelt wird gerne am Hund markiert. Der Hund wird sehr viel stärker individualisiert als früher. Er wird als Partner, als Kind, als Individuum bezeichnet, während die früheren Hundenamen sehr viel stereotyper waren. Früher mussten die Hundenamen nicht unbedingt das Geschlecht des Hundes offenbaren. Heute gibt es praktisch keine Hundenamen, die von beiden Hundegeschlechtern verwendet werden. Wie in der Menschwelt wird auch bei den Hunden mittlerweile scharf nach Männlein und Weiblein getrennt.

Welpen mit Adelstitel

Ganz anders ist die Namensgebung bei den Zuchthunden. Für den Züchter selbst ist der Name eigentlich unwichtig, will er das Tier doch gar nicht behalten. Der Hund ist für ihn eine Ware:

Er soll aber einen gut klingenden Namen haben, der dem Verkauf förderlich ist und den Preis rechtfertigt. Wir haben Untersuchungen gemacht mit Schäferhundwelpen.
Ein Welpe kostet immerhin ca. 1000 Euro; das ist ja nicht ganz wenig. Und natürlich bekommen diesen Hunde als Zuchtname, der praktisch vom Status her ein Waren-, ein Produktname ist, ganz andere Namen als der Hund dann in der Familie bekommt, von der er gekauft wird. Es werden wohlklingende Fantasienamen genommen. Der Zwinger muss immer benannt werden, wird mit von oder aus oder zu angeschlossen. Und dann kommen solche Namen zustande wie: Bärbel vom Sonnenhof, Girona von der Herzogsquelle und solche Namen, die sehr adlig klingen, die sehr wertvoll klingen.

Hundewelpen

Hundewelpen mit Adelstitel

Ist der Hund dann gekauft und in seiner Familie angekommen, erhält er einen vollkommen anderen Namen. Meist eben einen sehr menschlichen. Katzennamen haben übrigens ähnliche Kriterien wie Hundenamen. Mit feinen Unterschieden:

Tiger mit Kuschelfaktor

Kuschelkätzchen

Kuschelkätzchen mit Kosenamen

Die Katzen werden auch ganz stark menschlich und vor allem auch ganz stark kindlich benannt – also wirklich mit aktuellen Kindernamen. Aber bei der Katze ist das Geschlecht nicht ganz so wichtig wie beim Hund. Das heißt, da haben wir so genannte geschlechtsambigue Namen, also Namen, die für beide Geschlechter passen, wie z.B. Tiger oder Moppel. Das gibt es für den Hund nicht. Bei den Katzen ist auch der Kuschelfaktor ein bisschen höher. Es gibt mehr Namen, die wie Spitznamen klingen, die wie Kosenamen klingen. Das ist bei Katzen auffälliger als bei Hundenamen.

Hundeparadies Schweden

Wohin die Annäherung zwischen Mensch und Haustier nicht nur im Namen führen kann, so die Mainzer Linguistin Prof. Damaris Nübling, zeigen die skandinavischen Länder:

In Skandinavien sind Vierbeiner voll akzeptierte Familienmitglieder.

Familie in Skandinavien

In Schweden ist es so, dass bei Familienanzeigen in Zeitungen, wo man beispielsweise gratuliert, sehr oft Hund und Katze namentlich mit genannt werden. Manchmal kommt das Haustier sogar schon vor den Kindern. Also haben Haustiere in skandinavischen Ländern einen richtig wichtigen Status und gehören definitiv zur Familie. Manche definieren auch ihre Familie als "Ich und mein Hund". Also wenn sie jetzt keine Kinder haben, dann kann es tatsächlich sein, dass sie sich und Ihren Hund oder Ihre Katze nennen. Der Hund ist schon sehr viel dichter an der Familie dran, als es bei uns in Deutschland noch der Fall ist.

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