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Erste Hitzewelle

Folge des Klimawandels Mehr Lungenleiden befürchtet

SWR2 Impuls. Von Peter Kaiser

Hitzewellen, Trockenheit oder hohe Ozonwerte: Ärzte gehen davon aus, dass es bald mehr Lungenkranke geben wird. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Ältere und Menschen mit Vorbelastungen. Wie kann man sie dabei unterstützen, die Hitze zu überstehen?

Lungenfachärzte schlagen Alarm: Die immer intensiveren globalen Hitzewellen setzen der Lunge massiv zu. Vor allem in den europäischen Großstädten verschärfen sich bei einer Hitzewelle die Lebensbedingungen. Christian Witt, Pneumologe an der Berliner Charité geht davon aus, dass es wahrscheinlich vielen Patienten während den Hitzephasen schlechter gehen wird, dass es einen höheren Medikamentenverbrauch geben wird, mehr Arbeitsunfähigkeitsverschreibungen und mehr Aufwand für Patientenbetreuung.

Sommerhitze schadet Bronchien

Doch was passiert eigentlich in der Lunge, wenn es so heiß ist? Ärzte gehen davon aus, dass durch die warme und oft auch schadstoffbeladene Luft das Bronchialsystem besonders stark belastet wird. Luftschadstoffe und Allergene, die auf die Bronchialschleimhaut treffen, setzen den Patienten besonders zu. Und oft sind auch infektiöse Ursachen wie Viren und Bakterien im Spiel.

Röntgenbild einer Lunge mit weißem Schatten

Bei großer Hitze geht Lungengewebe unter, das kann über längere Zeit zu einem Lungenemphysem oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung führen.

Nicht nur für Klimaforscher ist es hinsichtlich des Klimawandels inzwischen fünf vor zwölf. Seit drei Jahrzehnten steigen die Temperaturen an. Bei tagelangen Hitzewellen wie im Sommer 2015 erhöht sich die Sterblichkeitsrate von besonders gefährdeten Personen wie Älteren, Säuglingen, Lungenkranken um bis zu 14 Prozent.

Kommen noch Feinstaubbelastungen und allergische Zusatzfaktoren wie die Pollenflugzeit oder neue Infektionserreger wie das FSME-Virus infolge der klimatischen Veränderungen hinzu, so erhöht sich das Mortalitätsrisiko um mehr als 43 Prozent gegenüber normalen Wetterlagen.

Wie kann die Lunge vor der Hitze geschützt werden?

Vor diesem Hintergrund forschen am Deutschen Zentrum für Lungenforschung, DZL, mehr als 230 Wissenschaftler an neuen Strategien zur Vermeidung der Lungentoten bei Hitzewellen.

DZL-Sprecher Werner Seeger erläutert: „Bei der Luftverschmutzung wissen wir, dass chronische Lungenerkrankungen provoziert werden. Man kann feststellen, dass die Selbstheilungstendenzen, gestört werden. Und wenn das über Jahre der Fall ist, dann landen wir beim Lungenemphysem oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Und da setzt die Forschung an zu fragen, wie erreichen wir es, dass die eigene Regenerationsfähigkeit erhalten bleibt. Im Idealfall, dass wir wieder neue Lungenstrukturen wachsen lassen können.“

Eine Frau trinkt aus einer Wasserflasche

Für Lungenkranke oder anfällige Personen reicht es nicht, mehr Wasser zu trinken und in kühlen Räumen zu bleiben, um ihre Lunge zu schützen.

In Berlin wurde für Hitzewellen wie jene in 2015 ein Frühwarnsystem eingeführt. So sollen Betroffene in der Lage sein, rechtzeitig besondere Vorsicht walten zu lassen und sich gegebenenfalls Hilfe beim Arzt zu suchen. Für Menschen, die außerhalb der Stadt leben, wird intensiv nach neuen Möglichkeiten bei Hitzewellen gesucht.

Berthold Jany, Chefarzt am Klinikum Würzburg und Präsident der Deutschem Gesellschaft für Pneumologie DGP sagt, generell könnte die Telemedizin in Zukunft hier ein Faktor werden. Durch Telemedizin können ärztliche Leitungen wie Diagnostik, Therapie und Rehabilitation über räumliche Entfernungen hinweg erbracht werden. So wäre es für Betroffene möglich, sich in kühlen Räumen zuhause vor der Hitze zu schützen und dennoch ärztlich überwacht zu werden.

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