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Talentförderung im Jugendfußball – Die Suche nach dem neuen Messi

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6.000 Kinder machen jedes Jahr den DFB-Fußballtest. Neben Kraft, Talent und Ehrgeiz werden auch "weiche" Faktoren geprüft. Doch am Ende schaffen es nur wenige in die 1. Bundesliga.

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Fußballvereine nehmen die Förderung von jungen Talenten sehr ernst, schließlich wird im Fußball viel Geld verdient. So werden beim SC Freiburg die Jugendspieler nach der Schule vom Fahrdienst des Vereins mit den Kleinbussen an verschiedenen Treffpunkten eingesammelt und auf die Anlage gebracht.

Dreimal die Woche ist Training, am Wochenende sind Spiele oder Turniere. Bereits Sieben- und Achtjährige werden zum Probetraining eingeladen. Viele dieser Kinder trainieren bei ihrem Heimatverein und zusätzlich einmal pro Woche in einem der Stützpunkte des Deutschen Fußball-Bundes.

Günther Schäfer, Leiter der Fußballschule des VfB Stuttgart, inmitten von 7-14jährigen Nachwuchskickern. (Foto: SWR, SWR -)
Günther Schäfer, Leiter der Fußballschule des VfB Stuttgart, inmitten von 7 bis 14-jährigen Nachwuchskindern SWR -

Spätestens ab der U12 beginnt die intensive Sichtung und Ausbildung der dann Elfjährigen. Knapp 6.000 neue U12 Spieler, Mädchen und Jungen, werden pro Jahr für die DFB Talentförderung ausgesucht. Auch dabei machen sie unter anderem diesen Sprinttest, danach müssen sie im Slalom rennen. Dann geht es mit dem Ball weiter. Zunächst müssen die Spieler dribbeln und das Leder jonglieren. Schließlich kommen Spielsituationen hinzu.

Daten sammeln bei Nachwuchsfußballern

Die Jugendlichen sollen kontrolliert passen, den Ball geschickt annehmen oder aufs Tor schießen. Alles wird bewertet. Und das zwei Mal im Jahr. 14.000 Nachwuchsspieler trainieren an den DFB Stützpunkten. Auch dort stehen regelmäßig Tests an. So kommt eine riesige Menge von Daten zusammen, die der Sportwissenschaftler Prof. Oliver Höner von der Universität Tübingen auswertet.

Seit 2001 werden Talente verstärkt gesucht und gefördert. Die Deutsche Nationalmannschaft hatte bei der WM 98 und der EM 2000 so schlecht abgeschnitten, dass DFB und die Deutsche Fußball Liga beschlossen, gemeinsam Nachwuchsleistungszentren zu gründen. Mittlerweile gibt es 54.

Flüchtlingskinder während eines Fußball-Trainingslagers in Mainz. (Foto: SWR, SWR -)
Flüchtlingskinder während eines Fußball-Trainingslagers in Mainz SWR -

Die Trainer dieser Zentren interessieren sich nicht nur fürs fußballerische Talent der Jugendlichen. Schnelligkeit, Geschicklichkeit oder die Power von Schüssen lassen sich schließlich trainieren. Für einen Fußballer auf höchstem Niveau sind auch mentale Eigenschaften wichtig.

Gute Fußballer sind motiviert, willensstark und angstfrei

Schon den jüngsten Nachwuchskickern unter 12 wird einiges abverlangt. Neben den drei Trainingsnachmittagen und Spielen oder Turnieren am Wochenende sollen die jungen Spieler auch die Schule gut hinbekommen. Ein riesiger Aufwand für die Nachwuchskicker.

Und für die Vereine, die viel Geld investieren. Daher wollen sie früh erkennen, ob die jungen Spieler das Talent und die Persönlichkeit für den Profifußball haben. Jeder Bundesligaverein beschäftigt deshalb auch einen Psychologen. Wer hat die besten Voraussetzungen dafür, um später in der Bundesliga oder gar in der Nationalmannschaft zu spielen?

Wer hoch motiviert, willensstark und angstfrei ist, wird später eher in der Bundesliga spielen. Das ist das Ergebnis der Studie der Uni Tübingen mit mehr als 1000 Nachwuchsspielern ab der U12.

Vorbild Lionel Messi

Die Vereine treiben großen Aufwand, um die besten Spieler zu suchen. Der SC Freiburg veranstaltet jedes Jahr die Füchsletage. Im März zeigen 100 Mädchen ihr Können. Ende August kommen 300 Jungen zwischen 7 und 11 Jahren und trainieren zwei Tage lang wie die Profis.

Lionel Messi: Der Argentinier ist einmalig, ein gutes Vorbild, aber wahrscheinlich unerreichbar. Schon in seiner Jugend war Messi ein herausragender Spieler - aber er litt unter einer Hormonstörung und war mit 13 kaum 1 Meter 40 groß. Daher kam er für viele argentinische Vereine nicht infrage. Die Eltern wanderten nach Spanien aus.

Der FC Barcelona nahm Messi sofort unter Vertrag und bezahlte auch die Arzt- und Therapiekosten. Heute ist Messi einer der besten Fußballer der Welt.

Auch Enzo will möglichst gut werden und weit nach oben kommen. Demnächst wird es eng. Denn es gibt im Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg keine U18 Mannschaft, sondern nur eine U19. Zwei Jahrgänge werden sich um die Plätze in der U19 streiten müssen, die Hälfte der jungen Männer wird also nicht in Freiburg bleiben können.

Starker Konkurrenzkampf bei den Nachwuchssportlern

Für die Auswahl der Spieler sind nicht nur körperliche Aspekte wichtig. Sondern auch: Wie gut ist jemand auf seiner Position? Wie viele Konkurrenten gibt es für diese Position? Auf dem Platz macht Trainer Malinowski Übungen, die ihm bei der Beurteilung helfen.

Es geht blitzschnell. Kaum hat ein Spieler den Ball angenommen, muss er sich entscheiden, welchen Mitspieler er anspielt, denn der Ballführende wird sofort angegriffen. In Bruchteilen einer Sekunde muss er sich entscheiden. Diese Kunst, in kürzester Zeit die richtige Entscheidung zu treffen, nennt man Entscheidungsverhalten. Die beste Option unter Druck in kürzester Zeit herausfinden zu können - das zeichnet einen hervorragenden Spieler aus.

Kann man das trainieren? Die Psychologin Lisa Musculus von der Deutschen Sporthochschule in Köln hat ihr Büro im zehnten Stock. Die Doktorandin untersucht das Entscheidungsverhalten junger Fußballer, im Alter zwischen 8 und 14 Jahren. Die Testperson sitzt vor einem Touchpad und sieht eine Szene aus einem Fußballspiel.

Auch Fußballer treffen Entscheidungen

Das Bild stoppt in dem Moment, wo der ballführende Spieler eine Entscheidung treffen muss. Passe ich nach links, nach vorne, zurück zum Tormann oder dribbel ich um den Angreifer herum? Die Testperson zeichnet dann mit dem Finger auf dem Bildschirm ein, welche Möglichkeiten zum Weiterspielen sie sieht. Danach wählt sie die beste Option aus. Und das für 18 verschiedene Szenen.

Lisa Musculus untersucht, wie viele und welche Möglichkeiten die Kinder überhaupt erkennen und für welche sie sich entscheiden. Könnte diese Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, sogar ein Hinweis darauf sein, wer später mal ein guter Spieler oder gar Profi wird?

Ende des Jahres 2000 begann der Freiburger Sportclub das Möslestadion am Stadtrand Freiburgs zur Fußballschule auszubauen. Der Verein konnte das Stadion damals vom Stadtrivalen Freiburger FC nach dessen Niedergang übernehmen. Das Nachwuchsleistungszentrum funktioniert seitdem sehr gut, sagt Leiter Andreas Steiert. Zahlreiche Nachwuchskicker haben den Weg von hier in die erste Bundesliga geschafft.

Insgesamt gibt es 366 DFB-Stützpunkte. Auf der Deutschlandkarte sind außerdem die 54 Leistungszentren markiert. Alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga, einige Vereine der dritten und der Regionalliga betreiben solche Ausbildungsstätten. Diese werden nach acht Kriterien zertifiziert. Andreas Steiert ist stolz darauf, dass die Fußballschule in Freiburg sehr gut abschneidet.

Produktion 2016

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