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Tablets für Senioren Digital gegen Demenz?

Gerade alte Menschen haben manchmal großen Respekt vor den neueren Technologien und fühlen sich oft von den zahlreichen Funktionen moderner Geräte überfordert. In einem Seniorenheim in Köln können die Heim-Bewohner neuerdings tragbare Tablet-Computer benutzen, um ins Internet zu gehen oder zu spielen. Welche Erfahrungen das Seniorenheim bisher mit den Tablet-Computern gemacht hat und inwieweit eine Ausweitung des Angebots auf ältere Menschen mit Demenz Sinn macht, hat unsere Autorin Daniela Knoll vor Ort recherchiert.

Tablet im Seniorenheim

Tablet im Seniorenheim

Tablets haben einen eingebauten Monitor und sind so klein, dass man diese Geräte fast überall mit hinnehmen kann. Die Bedienung ist intuitiv und viel einfacher in der Handhabung als ein Computer mit Maus und Tastatur. Man tippt einfach mit dem Finger auf den Monitor und startet so die installierten Spiele. Auch Senioren spielen gerne. Das Spielen auf Tablet-Computern ist für die meisten jedoch eine grundlegend neue Erfahrung. Im Senioren-Heim der "Sozial-Betriebe-Köln" wurden vor einigen Wochen einige Tablet-PCs für die Senioren angeschafft. Die Bewohner können die Tablets auch mit auf ihr Zimmer nehmen.

Digitaler Spiele-Nachmittag

Zwischen Skepsis und verhaltener Begeisterung

Zwischen Skepsis und verhaltener Begeisterung

Die "Soziale Betreuung" der Einrichtung hat einen spielerischen Weg gefunden, alte Menschen an solche Tablet-Computer zu gewöhnen. Die regelmäßigen Spiele-Nachmittage in der Einrichtung sind lebendiger und abwechslungsreicher für alle Beteiligten geworden. Eine Mitarbeiterin der "Sozialen Betreuung", Frau Pitzler, erklärt gerade einigen Heim-Bewohnern, wie so ein Tablet funktioniert:
Hier an der Seite, da ist oben so ein kleines Knöpfchen. Und da müssen wir ungefähr 30 Sekunden draufdrücken und dann startet das Gerät. Und dann müssen wir einen Moment warten, bis wir auf alle Spiele, die darauf sind, zugreifen können. Da müssen wir jetzt einen Moment Geduld haben. Das zeigt er uns aber gleich an, wenn er fertig ist, wann wir dann mit dem Spiel starten können.

Berührungsängste

Etwas kaputt zu machen oder nicht zu verstehen – davor haben die meisten Heim-Bewohner anfangs die größte Angst. Aber das legt sich auch wieder, meint Frau Pitzler.
Dann nehmen wir meistens so einfache Spiele. Da kann man das gut erklären. Sie können selber aktiv werden und selber was machen. Und dann werden die auch immer neugieriger und dann probieren wir unterschiedliche Spiele aus. Und wenn man ein bisschen damit umgehen kann und weiß, wie man das benutzt, dann erklären wir auch Spiele, die sie alleine machen können und nehmen uns halt immer mehr raus, dass sie dann nachher auch ganz alleine mit dem Gerät umgehen können.

So ein Tablet-Computer kommt gut an. Bereits am ersten Tag haben die Heim-Bewohner ein kleines Erfolgserlebnis. Und aus diesem Grund hat die Heimleitung einfach noch ein paar Tablet-Computer mehr besorgt - für ein Haus, in dem Menschen mit einer Demenz leben.

Frustrationen vermeiden

Bei einer Demenz geht das Kurzzeit-Gedächtnis zuerst verloren. Daher sind auch nicht alle Spiele für Demenz-Erkrankte auf dem Tablet sinnvoll, wie sie Heim-Bewohner gerne spielen.
Zum Beispiel Memory würde eine Frustration hervorrufen, weil eben das Kurzzeit-Gedächtnis nicht mehr funktioniert. Das heißt, diese Spiele können bei fortgeschrittener Demenz auf keinen Fall mehr angewendet werden. Auf jeden Fall nicht, wenn man ein positives Erlebnis schaffen will. Dann bietet sich das halt nicht an.
sagt Susanne Bokelmann – Leiterin der "Sozialen Betreuung" im Städtischen Senioren-Zentrum Köln-Riehl. Sie ist Diplom-Heilpädagogin und Fachkraft für Geronto-Psychiatrie.

Seniorenspiele sind Mangelware

Hand hält Tablet

Tablets nur für junge Nutzer?

Die Mitarbeiterinnen der "Sozialen Betreuung" suchen oft im Internet nach Spielen für die Heim-Bewohner, die sie auf den Tablets installieren können. Aber leider finden sie dabei meist nur Spiele für Kinder.

Das könnte anders sein, meint Susanne Bokelmann:
Für Menschen mit Demenz, denke ich, sind sind die Apps sinnvoll oder hilfreich, die die Sinne betreffen. Also bekannte Musik, bekannte Geräusche, so was zum Erraten zum Beispiel. Es gibt Apps, die dann auch die Bilder zeigen, sodass man es angucken kann. Man kann die Bilder leicht antippen, dann ertönt das Geräusch. Das ist eigentlich was, was sehr leicht umzusetzen ist.

Zocken fürs Seniorenhirn

Moderner Spielenachmittag im Seniorenheim

Moderner Spielenachmittag im Seniorenheim

Der Psychologe Hans-Werner Wahl von der Universität Heidelberg untersucht den Einfluss moderner Technologien auf die Lebens-Qualität im Alter. Seiner Meinung nach seien Tablet-Computer und Spiele-Apps für ältere Demenz-Erkrankte generell positiv. Diese Anwendungen könnten die Aufmerksamkeitsleistung fördern, kognitiv anregen - oder einfach nur Spaß machen. Aber Wahl glaubt nicht, dass der Einsatz von Tablet-Computern den Krankheitsverlauf bei älteren Menschen mit Demenz verändern könnte.

Große Mobilität, kleine Schrift

Tablet-Computer, wie man sie im Handel findet, seien für die Betreuung der Heim-Bewohner aber schon jetzt von Vorteil - findet Susanne Bokelmann:
Das ist halt das Schöne daran, dass wir auch Menschen, die in ihrer Mobilität sehr eingeschränkt sind, erreichen können. Weil wir ja den Tablet-PC durch das drahtlose Netzwerk mit bis ans Bett nehmen können. Das ist ein leichtes Gerät. Das ist einfach zu bedienen. Also in der Umsetzung ist das wirklich sehr praktisch.

Doch die Tablets haben auch ihre Nachteile: Die Schrift ist zu klein und die Anzeige reflektiert oder blendet. In der Spielgruppe beobachtet man dann auch ein paar Heim-Bewohner, die ihren Kopf zur Seite neigen, um auf dem Tablet überhaupt etwas erkennen zu können.

Quiz per Fingertipp

Zurück im Gruppen-Raum des Seniorenheims. Die soziale Betreuerin, Frau Gabriel, spielt mit den Heim-Bewohnern ein Quiz-Spiel und tippt mit ihrem Finger gezielt auf die Anzeige des Tablets: Was ist ein – das ist ein englisches Wort – Fläsch, nehme ich an, heißt das – Flush geschrieben. Ein Gemüse, eine Bekleidung oder Pokerhand?
Bewohner im Chor: "Pokerhand".

Etwas weiter entfernt sitzt Sophie Anhalt und sucht auf dem Tablet-Computer nach Orten in Europa. Auf die Frage, ob sie sich denn selber so was kaufen wolle, antwortet sie:
Ob ich mir so ein Spiel kaufen würde, das steht noch in den Sternen. Ich müsste da noch mehr Spiele kennenlernen. Aber ich mache es mit Freude. Ich war hinterher wirklich überrascht, dass mich das so erfreut hat.

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