SWR2 Wissen: Aula

Pocken, Pest und Vogelgrippe – Alte und neue Pandemien

STAND
AUTOR/IN
Wolfgang U. Eckart
ONLINEFASSUNG
Ralf Caspary

Was haben die Menschen aus den großen Pandemien Pest, Pocken und Cholera lernen können, was aus den Influenza-Pandemien der Moderne? Haben diese Katastrophen uns gewappnet für den Kampf gegen das Corona-Virus?
Ein Vortrag des Heidelberger Medizinhistorikers Prof. Wolfgang U. Eckart.

Audio herunterladen (26,1 MB | MP3)

Die göttliche Strafe

Vergangene Seuchen, besonders globale Pandemien, haben die Weltbevölkerung immer wieder wie ein apokalyptisches Ereignis getroffen: Sie haben oft abrupt und explosiv begonnen und Millionen von Menschen getötet, um schließlich ebenso schnell wieder zu verschwinden. Ihre Erfahrungen aber wirkten meist über viele Generationen hinaus und prägten die Angst vor ihrer existenzbedrohenden Wirkung.

Solche Pandemien werden oft als dämonische oder göttliche Strafen für gesellschaftliches Fehlverhalten empfunden. Immer brechen sie verändernd in die kleinsten gesellschaftlichen Gruppen, in die Familien oder in andere örtliche Lebensgemeinschaften ein.

Die Spanische Grippe – eine Katastrophe

Im Frühjahr und Herbst 1918 infizierten sich weltweit über 700 Millionen Menschen mit dem Erreger der Spanischen Grippe. Die Seuche kam, als die Welt des Kriegsführens müde wurde. Sie fegte in wenigen Monaten über den Globus und verschwand, als der Krieg aufhörte. Sie ging auf ebenso mysteriöse Weise, wie sie gekommen war.

Besonders fatal an dieser Pandemie, die in zwei Wellen verlief, war einerseits ihre extreme Aggressivität, andererseits die Schnelligkeit, mit der sie sich rund um den Globus verbreitete. So harmlos der erste Influenza-Virusstamm im März 1918 noch daherkam, so heftig wütete dessen wohl mutierte Variante im Herbst.

Am Ende waren es Millionen Menschen, die der Seuche weltweit und rasend schnell erlagen. Zweifellos gehörte die globale Grippe-Pandemie der Nachkriegsjahre 1918 bis 1920 zu den einschnei­dendsten Gesundheitskatastrophen des frühen, wenn nicht sogar des gesamten 20. Jahrhunderts.

Kommen die großen Seuchen wieder?

Die großen klassischen Seuchen, die großen Pandemien Pest, Pocken und Cholera, werden im weltumspannenden Maßstab wohl nicht mehr wiederkommen, wenn ihnen nicht andere globale Katastrophen, ökologische Desaster, ein weltumspannender Krieg oder eine unerwartete kosmische Katastrophe, wie etwa ein großer Meteoriteneinschlag, den Boden bereiten.

Sehr wohl aber besteht die immerwährende Gefahr, dass virale Pandemien wie die Influenza, die Grippe, weltweit dramatisch auftreten und erneut Millionen Opfer fordern.

Die moderne Medizin wird in der Lage sein, den dramatischsten Auswirkungen solcher Pandemien im Rahmen ihrer neuen Möglichkeiten entgegenzutreten, z. B. durch gute Impfstoffe. Deshalb kann die jährliche Impfung gegen Grippe auch nur empfohlen dringend werden. Verhindern können wird sie solche Weltkrankheiten allerdings auch heute nicht.

Produktion 2007

Die ursprünglich für diesen Tag geplante Sendung "Rechtspopulismus in Ostdeutschland – Die Mauer in den Köpfen" senden wir am 1. Juni 2020.

Opfer der Spanischen Grippe: Egon Schiele

Kunst Der Künstler Egon Schiele – "Enfant terrible“ der klassischen Moderne

Der österreichische Künstler Egon Schiele (1890 - 1918) gilt als „enfant terrible“ der klassischen Moderne. Die Gesellschaft verurteilte seinen Lebensstil als anstößig; wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf Minderjährige wurde er denunziert.  mehr...

SWR2 Archivradio: Grippe 1957 / 1958

16.10.1957 Asiatische Grippe in Deutschland

16.10.1957 | In den Jahren 1957 und 1958 sterben weltweit mehr als eine Million Menschen an der damals grassierenden Asiatischen Grippe. Es ist die zweitschlimmste Influenza-Pandemie des 20. Jahrhunderts, übertroffen nur durch die Spanische Grippe 1918 bis 1920. In Deutschland fallen der Asiatischen Grippe rund 30.000 Menschen zum Opfer. Trotz dieser schweren Epidemie findet sich in den Archiven des Südwestrundfunks zur Asiatischen Grippe nur ein einziger Bericht aus dieser Zeit, gesendet am 16. Oktober 1957. Es geht, auch damals, um die Folgen für die Wirtschaft und das öffentliche Leben – und natürlich auch um Vorbeugemaßnahmen. Händewaschen wird dabei noch nicht genannt, dafür das Gurgeln mit Wasserstoffsuperoxid sowie das Einnehmen formalinhaltiger Tabletten. Die Asiatische Grippe hat vor allem Kinder und Jugendliche getroffen. Insofern hätte es gute Gründe gegeben, die Schulen zu schließen, aber damit war man zurückhaltend. Der Unterricht fiel erst aus, wenn die Hälfte einer Klasse erkrankt war.  mehr...

Medizingeschichte

Aula Der Körper und seine Säfte – Eine andere Kulturgeschichte

Die vier Kardinalsäfte des Körpers – Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle – haben das medizinische Denken der westlichen Welt mehr als 2000 Jahre lang beherrscht. Aber eine Medizin- oder Kultur-Geschichte der Körpersäfte fehlt bisher.  mehr...

SWR2 Wissen: Aula SWR2

Medizingeschichte Paracelsus – Arzt, Alchemist, Philosoph

Paracelsus nannte seine Ärztekollegen „Pfuscher“ oder „Friedhofslieferanten“. Seine Ansätze zur Ganzheitlichkeit, Psychosomatik und Pflanzenheilkunde wirken jedoch bis heute.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Medizingeschichte 50 Jahre Herztransplantation – Der Traum des Christiaan Barnard

In der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 1967 gelang es zum ersten Mal. Heute sind Herztransplantationen Routine, doch Spenderherzen fehlen.  mehr...

Literatur

Buchkritik Volker Reinhardt – Die Macht der Seuche. Wie die Große Pest die Welt veränderte

Seit die Corona-Pandemie uns mit immer neuen Ungewissheiten konfrontiert, ist die Sehnsucht nach Schutz und Orientierung groß. Es liegt nah, auf andere Epidemien zu schauen. Auf die Große Pest zum Beispiel, die Europa im 14. Jahrhundert heimsuchte.  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Buchkritik | Corona-Bibliothek „Pest und Corona“ Sachbuch zur aktuellen Krise: Parforceritt zur Seuchengeschichte

Was ist „das Besondere“ am Corona-Virus? Mit Seuchen, die ganze Kontinente heimsuchen, plagt sich der Mensch seit Urzeiten. Die beiden Medizinhistoriker Alfons Labisch und Heiner Fangerau erklären in einem der ersten Bücher, das sich aus wissenschaftlicher Sicht mit der aktuellen Krise beschäftigt, die Hysterie angesichts der Bedrohung. Sie zeigen aber auch, wie wir uns künftig vor Pandemien besser schützen können – nämlich durch eine moderne Gesundheitsvorsorge, die wirklich „global“ ist.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Neues Coronavirus

Corona-Pandemie China: Covid-Impfung zum Inhalieren soll Impfquote erhöhen

China erlebt gerade die größte Corona-Welle seit Beginn der Pandemie und der Unmut in der Bevölkerung steigt wegen der strikten Null-Covid-Maßnahmen. Doch die Maßnahmen einfach lockern geht nicht. Die Behörden wollen deswegen die Impfquote erhöhen. Möglicherweise könnte eine Corona-Impfung zum Einatmen dabei helfen.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Psychologie Ethikrat fordert größeres Augenmerk auf Kinder in Krisen

Klimawandel, Krieg und Corona – wir leben in einer Zeit der Krisen. Es dürfe nicht mehr übersehen werden, was das mit Kindern und Jugendlichen macht, fordert der Deutsche Ethikrat – und fasst sich dabei auch an die eigene Nase.
Ralf Caspary im Gespräch mit Prof. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

China in der Corona Falle: Wie raus aus Non-Covid?

Chinas Covid-Zahlen steigen seit Wochen immer weiter. Das Land reagiert mit Lockdowns, Massentests, Reiseverboten. Einen klaren Weg aus der Null-Covid-Strategie gibt es aber nicht.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin und Gesundheit

Medizin Antikörper-Medikament kann Alzheimer im Frühstadium verlangsamen

Der neue Wirkstoff Lecanemab hat bei den Probanden mit Alzheimer im Frühstadium das Fortschreiten der Krankheit ein Stück weit gebremst. Ist das nun der lange erwartete Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer?  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Weltaidstag: Aidshilfe in Deutschland fordert weitere Hilfen

2021 haben sich in Deutschland 1800 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert, genauso viele wie 2020. Unter Drogenabhängigen haben sich seit 2010 immer mehr Personen infiziert; inzwischen stagnieren die Zahlen. Die Aidshilfe fordert mehr finanzielle Unterstützung von Projekten der Drogenhilfe.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Notfallmediziner warnen vor Folgen des Personalmangels an Kinderkliniken

Die Notfallmediziner*innen sehen die Kinderkliniken in Deutschland an den Grenzen der Belastbarkeit. Die Lage sei wegen einer Welle von Atemwegsinfekten katastrophal, so Dr. Michael Sasse von der
Medizinische Hochschule Hannover auf einer Tagung der Notfallmediziner*innen.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

STAND
AUTOR/IN
Wolfgang U. Eckart
ONLINEFASSUNG
Ralf Caspary