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Es kursieren viele Neuromythen darüber, wie man sein Gehirn täglich fit machen kann. Doch was ist dran an diesen Mythen? Wie lernt das Gehirn nun wirklich? Antworten des Hirnforschers Martin Korte von der TU Braunschweig.

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Drei Tipps für effektives Lernen

Lernen mit Dopamindusche

Biochemisch ist in unserem Gehirn eine Triebfeder eingebaut, das Dopamin. Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn, der immer dann ausgeschüttet wird, wenn das Erwartungssystem unseres Gehirns die Annahme hat, dass wir eine schwierige Aufgabe erfolgreich bewältigen können.

Darum sind auch beim Lernen das Ermutigen des Lernenden und das Selbstvertrauen so wichtig. Denn dieser Turbolader im Gehirn wird nur zugeschaltet, wenn eine Situation als schwierig eingestuft wird und wir trotzdem glauben, dass wir die Aufgabe lösen können.

Das heißt, wir müssen an uns glauben oder, wenn es um andere Menschen geht, denen auch sagen: „Ich traue Dir das zu. Und solltest Du scheitern, traue ich Dir zu, dass Du wieder loslaufen kannst und Dein Ziel das nächste Mal erreichst.“

Oxytocin: Lernen mit Kuschelhormon

Auch für Erwachsene ist es wichtig, nicht nur allein im stillen Kämmerlein zu lernen. Denn man hat Substanzen gefunden, die an den Synapsen, also an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, ausgeschüttet werden. Hier machen sie das Abspeichern von neuen Informationen besonders gut möglich.

Es geht um das Oxytocin, etwas, was schon lange aus dem Blutsystem als Hormon bekannt ist, manchmal noch populär als „Kuschelhormon“ bezeichnet wird. Oxytocin wird auch im Gehirn ausgeschüttet und hat dort die Aufgabe, Synapsen flexibler zu machen. Wir sagen in der Wissenschaft: plastischer zu machen.

Denn die Speichervorgänge, die dazu führen, dass wir uns Neues merken, gehen damit einher, dass Synapsen ihre Stärke verändern. Das heißt: Wie gut Informationen weitergeleitet werden, hängt davon ab, wie groß diese synaptischen Kontakte sind. Und das wird durch Oxytocin positiv beeinflusst.

Lernen mithilfe von Assoziationen

Wenn wir neues Wissen mit altem Wissen verbinden können, fällt es uns leichter, dieses Wissen nicht nur abzuspeichern, sondern auch sicher wieder abzurufen. Das geschieht zum Beispiel über Bilder, indem wir das, was wir lesen, in die eigene Sprache übersetzen, in den eigenen Wissenshorizont einbauen.

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Das hängt damit zusammen, dass auf der elementarsten neuronalen Ebene des Lernens Assoziationen eine so herausragende Rolle spielen.

Denn an den Kontaktstellen von Nervenzellen, den Synapsen, verändern sich diese Synapsen besonders leicht, wenn die vor- und die nachgeschaltete Nervenzelle, die eine solche Synapse bilden, gleichzeitig aktiviert werden.

Wenn wir also die einfachste Form der zeitlichen Assoziation, die Koinzidenz, haben, dann verändern sich diese Synapsen besonders leicht.

Das bedeutet, wir haben assoziative Speicher, die sich mithilfe von Assoziationen besonders leicht Dinge merken können.

Martin Korte Wir sind Gedächtnis – Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind

Dass wir unseren Alltag meistern, ohne von der Informationsflut überwältigt zu werden, verdanken wir unserem Gedächtnis. Martin Korte, Neurobiologe an der TU Braunschweig, beschreibt, wie vielfältig das Gedächtnis unser Denken und Handeln bestimmt und wie wandelbar unsere Erinnerungen sind. Sie sind der Stoff, aus dem unsere Identität gemacht ist.  mehr...

Tele-Akademie SWR Fernsehen

Gehirnforschung Wie funktioniert Gedächtniskunst?

Man hat Menschen mit großartigen Gedächtnisleistungen im Hinblick darauf untersucht, ob sie eventuell eine genetisch bedingte, herausragende Begabung haben. Dabei kam heraus, dass das nicht der Fall ist. Vielmehr haben diese Menschen ihr Gedächtnis trainiert, und zwar mithilfe bestimmter Techniken. Die könnten wir auch alle erlernen, sofern wir uns die Zeit dafür nehmen würden.  mehr...

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Gehirnforschung Ist das Gedächtnis ein Muskel?

Das Gedächtnis ist eine Art Muskelapparat, also nicht ein Muskel, sondern ein gesamter Apparat an Muskulatur. Und der lässt sich tatsächlich trainieren: Das, was man viel verwendet und einsetzt, wird besser.  mehr...

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Gehirnforschung Wie funktioniert das Gedächtnis?

Wir haben verschiedene Strukturen im Gehirn, die wie eine Art Suchscheinwerfer in das Gehirn hineinschauen. Dazu gehören unser Stirnlappen und eine Struktur mit dem Namen Hippocampus, übersetzt Seepferdchen. Da ist eine daumengroße Struktur an der Innenseite des Schläfenlappens, also einer der großen Bereiche der Großhirnrinde.  mehr...

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Gehirnforschung Braucht das Gehirn Urlaub?

Ja, der Begriff Urlaub passt. Man kann auch ein anderes Wort für benutzen: Unser täglicher Schlaf. Der ist tatsächlich für das Gehirn sehr wichtig, denn er wirkt entstressend.  mehr...

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Gehirnforschung Kann man das Gehirn trainieren?

Wer Spaß hat an Kreuzworträtseln und Sudokus, kann das weiterhin tun. Wenn man sein Gehirn aber generell trainieren möchte, ist es viel wichtiger, sich sportlich zu betätigen.  mehr...

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Gehirnforschung Ist Konzentrationsfähigkeit angeboren?

Ja. Ähnlich wie die Körpergröße hat auch unser Konzentrationsvermögen eine genetische Komponente. Sie hat Einfluss darauf, wie viel Rechenkapazität das Gehirn unserem Konzentrationsvermögen zur Verfügung stellen kann. Dazu gehört vor allen Dingen: Wie groß ist der Zwischenspeicher? Und wie leicht sind wir ablenkbar?  mehr...

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Gehirnforschung Wie verändert sich das Gehirn?

Das Gehirn verändert sich, wie unser Körper, kontinuierlich. Wir haben hier verschiedene Entwicklungsphasen, die wir durchlaufen.  mehr...

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Gehirnforschung Wie erforscht man das Gehirn?

Als Forscher denkt man sich zunächst eine Teil-Fragestellung aus. Denn das Gehirn ist so kompliziert, dass man es in seiner Gesamtheit nicht untersuchen könnte.  mehr...

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Bildung

Bildung Neue Schularchitektur – Vom Klassenraum zum Lernatelier

Der Schulbau steht vor großen Herausforderungen. Als zukunftsweisend gelten Ansätze, die moderne Pädagogik mit moderner Architektur verbinden. Wie sieht das Schulhaus von morgen aus? Von Silvia Plahl. (SWR 2019)  mehr...

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Bildung Regelbetrieb seit Januar: Herausforderung für Förderschulen

Im Südwesten sind Grundschulen seit dieser Woche wieder geöffnet – im Wechselunterricht. Förderschulen sind schon seit Anfang des Jahres im Regelbetrieb. Das sei richtig, aber für alle Beteiligten eine Herausforderung, sagt Schulleiter Daniel Baerwind. Jochen Steiner im Gespräch Daniel Baerwind, Leiter der Haldenwang-Schule für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung in Singen (Kreis Konstanz).  mehr...

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Studie Studienleiter: Deutsche Sinti und Roma bei Bildung benachteiligt

Eine Studie des Verbands deutscher Sinti und Roma zeigt, dass etwa ein Drittel der jungen Erwachsenen keinen Schulabschluss hat. Mehr als die Hälfte hat keinen Berufsabschluss. Der Chef des Verbandes, Daniel Strauß, sieht verschiedene Ursachen. Wie lässt sich das Problem lösen?  mehr...

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Psychologie

Diskussion Lebe den Augenblick – Macht Achtsamkeit glücklich?

Ganz im Hier und Jetzt sein, nichts bewerten. Das ist die Philosophie der Achtsamkeit. Wer so lebt, reduziert Stress, ist gesünder und kann selbst die Wirtschaft besser machen. Aber wie erklärt sich die Wirksamkeit der Achtsamkeitsmethode? Und warum folgen ihr immer mehr Menschen? Doris Maull diskutiert mit Dr. Britta Hölzel - Psychologin und Neurowissenschaftlerin, Bodo Janssen - Unternehmer und Achtsamkeitslehrer, Dr. Anna Paul - Expertin für Mind-Body-Medizin  mehr...

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Gesellschaft Die Geschichte der Sozialpsychiatrie – Integrieren statt wegsperren

Psychisch kranke Menschen wurden bis zur Psychiatrie-Enquete 1975 in „Verwahranstalten“ mit Medikamenten ruhiggestellt. Die Sozialpsychiatrie ermöglicht eine andere Behandlung. Von Franziska Hochwald.  mehr...

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Gesundheit Schizophrenie – Besser verstehen und behandeln

Schizophrenie ist die klassische Wahnerkrankung, knapp ein Prozent der Menschen erkranken irgendwann an ihr. Mit Medikamenten lassen sich die Symptome heute gut therapieren. Von Jochen Paulus (SWR 2019)  mehr...

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