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In den Zeiten der Digital-Pioniere galt das Internet einmal als Ermöglichung weltweiter Transparenz, einer Welt ohne Grenzen. Und heute: Das sind nur noch Utopien, das Internet zeigt sein anderes Gesicht: Fakes, Datenklau, Manipulation, Cybergrooming. Meint Dr. Marco Wehr, Physiker, Philosoph, Autor und Gründer
des Philosophischen Labors in Tübingen.

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Gefahren der Digitalisierung – drei Beispiele

1) Pädophilie und Cybergrooming

Ein 38-jähriger Lastwagenfahrer diente sich einer 13-Jährigen zuerst als gleichaltrige Freundin an, dann schmierte er ihr in einer anderen Rolle als 17-jähriger Casanova Honig ums Maul und gab sich zum Schluss als russischer Mafiakiller aus, der mit Mord und Totschlag drohte.

Das maliziös inszenierte Ränkespiel überforderte das Mädchen, sodass es sich in seiner Verzweiflung tatsächlich mit ihm traf, worauf sie vom digitalen Puppenspieler vergewaltigt wurde.

Der Täter wurde 2013 zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt. Solche Extremereignisse sind zum Glück Ausnahmen. Nichtsdestotrotz hat sich das Prinzip des hinterlistigen Betrugs im Internet etabliert.

2) Manipulation und Missbrauch

Es reichen bereits 20 Minuten Sprachmaterial, das viele Menschen nichtsahnend im Netz verfügbar machen, damit ein Computer in der Lage ist, eine Stimme recht echt nachzuahmen.

Sprachmanipulation (Foto: Colourbox, Royalty free)
Sprachmanipulation ist eine der Gefahren der Digitalisierung Royalty free

Mithilfe eines Programms, wie VoCo von Adobe, wird jeder Satz, den man per Tastatur eingibt, mit der Stimme wiedergegeben, die vorher gesampelt, also aufgenommen wurde.

Damit kann man jemanden Dinge sagen lassen, die er selbst nie sagen würde. Das kann unangenehme Konsequenzen haben.

Was würde zum Beispiel passieren, wenn sich Pädophile diese Imitationsfähigkeiten des Computers zunutze machten und vermeintlich mit der Stimme der Eltern auf die Mailbox der Kinder sprächen?

3) Datenklau und Erpressung

Ein Krimineller fotografiert einen unbescholtenen Bürger, der aus reiner Neugier das politische Programm einer radikalen Partei an einem Wahlstand durchblättert.

Durch Abgleich mit Bildern im Internet ermittelt er dessen Identität. Da es dort auch Sprach- und Filmmaterial von ihm zu finden gibt, prüft er mittels beschriebener Analyseverfahren, ob sein Opfer ängstlich ist und sich deshalb mit einiger Wahrscheinlichkeit erpressen ließe.

Datenklaus und Erpressung (Foto: Colourbox, Royalty free)
Weitere Gefahren sind Datenklau und Erpressung Royalty free

Wenn dem so wäre, erstellt er ein Video mit Originalstimme und persönlicher Mimik, in dem der Fotografierte extremistische, menschenverachtende Parolen von sich gibt.

Er stellt seinem Opfer nun Foto und Video zu, verbunden mit der Aufforderung 50.000 Euro auf ein anonymes Bitcoinkonto zu überweisen. Ansonsten droht er, das Machwerk viral zu verbreiten – mit unabsehbaren Folgen für den persönlichen Ruf des Adressaten.

Wollen wir eine solche Entwicklung?

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