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Gewaltfreie Kommunikation – Gute Idee, wenig Wirkung?

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Konflikte lösen, ohne dass es Verlierer gibt – das ist das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Sein Modell wird seit 40 Jahren überall auf der Welt angewendet. Was wurde seitdem damit erreicht?

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GFK nach Marshall Rosenberg: ernsthaft zuhören, ehrlich mitteilen

Der amerikanische Psychologe Marshall Rosenberg entwickelte den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) in den 1980er Jahren. Mit diesem Modell lernen Menschen, einander ernsthaft zuzuhören und sich ehrlich mitzuteilen. Es hilft, Konflikte zu lösen, ohne dass es Gewinner und Verlierer gibt – egal ob es um Streit in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz geht. Oder sogar um kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Gruppen und Völkern.

Rosenbergs 4-Schritte-Modell: Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse, Bitte

In dem Modell von Marshall geht es zunächst darum zu beobachten, was wirklich passiert ist: Was habe ich gesehen? Was habe ich gehört? Dann zu forschen: Welche Gefühle sind damit verbunden? Worauf weisen sie hin? Welches Bedürfnis wird dadurch berührt? Und dann weiter zu suchen: Was würde mir jetzt gut tun? Um was kann ich mich oder andere bitten?

Das sind die vier Schritte, die jeder kennen lernt, der sich mit der Gewaltfreien Kommunikation beschäftigt. Mit ihrer Hilfe beschuldigen Sie nicht länger sich selbst oder andere: "Ich kann es einfach nicht." Oder "Es ist die Schuld meiner Eltern, meiner Chefs, der Regierung!" Vielmehr lernen Sie auszusprechen, was Sie tatsächlich bewegt und dadurch dem Gegenüber nah zu sein.

Mahatma Gandhi (1931). Mit Bezug auf Mahatma Gandhi und dessen Gewaltfreien Widerstand nannte Marshall Rosenberg seinen Ansatz "Gewaltfreie Kommunikation"  (Foto: imago images, imago images / Leemage)
Mahatma Gandhi (1931). Mit Bezug auf Mahatma Gandhi und dessen Gewaltfreien Widerstand nannte Marshall Rosenberg seinen Ansatz "Gewaltfreie Kommunikation" imago images / Leemage

Marshall Rosenberg war in den 1980er Jahren von dem brasilianischen Befreiungspädagogen Paulo Freire fasziniert. Freire alphabetisierte die Bauern seines Landes, indem er ihnen half, Protestbriefe an die Regierung zu schreiben. Das inspirierte Rosenberg, ein einfaches Modell zu entwickeln, um Menschen darin zu unterstützen, sich für ihr eigenes Leben und die Welt verantwortlich zu fühlen und entsprechend zu handeln.

In Referenz zu Mahatma Gandhi und dessen Gewaltfreien Widerstand nannte er seinen Ansatz "Gewaltfreie Kommunikation", eine Bezeichnung, die oft für Irritationen sorgt, denn: "Ich schlage andere nicht!" Damit wehren viele den Ansatz ab.

In den USA begleitete Rosenberg mit seinem Ansatz die Bürgerrechtsbewegung, arbeitete mit Jugendlichen und Streetgangs und war mit vielen Initiativen in Kontakt, die friedensstiftende Fertigkeiten erlernen wollten. Auch in Kriegs- und Krisengebieten, u.a. im Nahen Osten, Irland, Ex-Jugoslawien und Ruanda wurde er gebeten, zu vermitteln.

Seminare zur gewaltfreien Kommunikation in Deutschland sehr gefragt

1986 lud eine Münchner Friedensgruppe Marshall Rosenberg zum ersten Mal nach Deutschland ein. Bald gab er jedes Jahr Workshops in München, Berlin und Steyerberg. Dort gründeten sich auch die ersten Übungsgruppen und GFK-Zentren. Zunächst kursierten als Hilfsmittel nur Mitschriften von Seminaren. 2001 erschien Rosenbergs Buch "Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens". Inzwischen wurde es über 300.000 Mal verkauft und ist ein Bestseller. Heute bestehen GFK-Netzwerke in mehr als 15 Städten und Regionen in Deutschland.

Sprechblasen (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Viele Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation in Deutschland wünschen sich noch mehr politisches Engagement Foto: Colourbox.de -

Zwischen Kiel und Konstanz erproben sich in jeder größeren Stadt Menschen in Seminaren und Übungsgruppen in dieser Kommunikationsweise. Bis 2008 kam Marshall Rosenberg auch als weit über 70-Jähriger beinahe jedes Jahr zu Seminaren in den deutschsprachigen Raum. Im Gespräch mit seinen Trainer- Kolleginnen und Kollegen stutzte er allerdings: Wie in keiner andere Region der Welt gab es gerade in Deutschland eine riesige Nachfrage nach der Gewaltfreien Kommunikation.

Nirgendwo sonst wurden so viele Trainer ausgebildet, die seinen Ansatz kennenlernen und verbreiten wollten. Das freute ihn. Gleichzeitig wollte er von seinen Kollegen wissen: Wie engagiert Ihr Euch mithilfe der Gewaltfreie Kommunikation für Frieden in der Welt und dafür, den Menschen dienende Strukturen in der Gesellschaft zu schaffen?

Gewaltfreies Denken und Handeln: national und international wünschenswert

In diesem Sinne verweist die GFK-Szene in Deutschland auf ihre Aktivitäten: GFK-Tage in Bonn, am Niederrhein oder in Hamburg, mit denen die Aktiven für die Methode werben. GFK-Trainerinnen und Trainer engagieren sich auch in verschiedenen Flüchtlingsinitiativen, helfen Ehrenamtliche für das Gespräch zu schulen und bei Konflikten zu vermitteln.

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Es gibt Kitas und Schulen, die die Art der Kommunikation nutzen, um miteinander in freundlicher Atmosphäre zu lernen. Gemeinschaften gestalten ihr Zusammenleben auf der Basis der Gewaltfreien Kommunikation. Mithilfe der GFK lernen Gewalttäter Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Doch viele Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation in Deutschland wünschen sich noch mehr politisches Engagement. Denn das ist der Sinn der GFK: Gewaltfreies Denken und Handeln in einem größeren, ja globalen Maßstab einzuüben und durchzusetzen. Die Zeit ist reif dafür.

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