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SWR2 Impuls Sachbuchtipps: November Universen, Aha-Erlebnisse, Umwelt

Gábor Paál, Ulrike Till, Rainer Hannes

Wissenschaftsredakteure stellen jeden Monat ihre aktuellen Lieblingstitel vor und navigieren Sie sicher durch den Dschungel der Neuerscheinungen.

Zum Nachlesen:

Max Tegmark

Unser mathematisches Universum

Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit

Tipp von Gábor Paál

Seit Kopernikus leben wir im Bewusstsein, dass wir nicht der Mittelpunkt der Welt sind und unsere Position im Weltraum: nichts besonderes. Im 20. Jahrhundert wurde dieses Nicht-besonders-Sein weiter strapaziert. Wir leben nicht nur in einem Sonnensystem von vielen, sondern auch in einer Galaxie von unzähligen weiteren. Und es kann sogar sein – was früher als Irrwitz abgetan wurde – dass wir in einem Universum leben, neben dem es unendlich viele weitere gibt. Also eben in keinem Uni-, sondern einem Multiversum.

Es gibt verschiedene Ideen von Paralleluniversen – solche, die einfach zu weit weg sind, als dass jemals ein Lichtstrahl, geschweige denn etwas anderes von ihnen zu uns gelangen könnte. Paralleluniversen, in denen andere physikalische Gesetze gelten. Und es ist auch denkbar, dass sich unsere Welt in jedem Moment in unendlich viele weitere aufspaltet, in denen die Geschichte einfach nur anders weiterläuft.

Das Schöne am Buch von Max Tegmark ist, dass er all diese parallelen Vorstellungen systematisch darstellt, und wie sie zusammenhängen. Wer vor der Lektüre Paralleluniversen als Science-Fiction abgetan hat, gerät ins Grübeln, denn Tegmark macht deutlich, dass sie eigentlich die logische Konsequenz sowohl aus der Urknalltheorie, als auch aus der Quantenmechanik sind. Das gelingt ihm durch viele eingängige und z.T. lustige Illustrationen und Beispiele.

In der zweiten Hälfte behauptet der Naturphilosoph und Wissenschaftler, dass unser Universum im Kern nicht mehr aus physikalischen Bausteinen besteht, aus Atomen, Elektronen oder Quarks, sondern aus reiner Mathematik. Diese Argumentation setzt allerdings ein paar relativ abstrakte Definitionen voraus und wirkt am Ende wie das verspielte Gedankenexperiment eines Mathe-Nerds. Interessant aber, wie Tegmark, der uns erst damit konfrontiert, dass die Zeit und der Lauf der Geschichte eine große Illusion ist, noch die Kurve kriegt und erklärt, dass wir wahrscheinlich zumindest innerhalb unseres Universums doch ziemlich einmalig sind. Und dass, auch wenn das Universum dem Leben keinen Sinn geben kann, das Leben dem Universum sehr wohl einen Sinn gibt.

Unser mathematisches Universum. Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit. Ullstein Verlag 2015. 24 Euro.


John Kounios und Mark Beeman

Das Aha-Erlebnis

Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen

Tipp von Ulrike Till

Wollten Sie immer schon mal wissen, was bei einem Geistesblitz im Gehirn passiert – und Strategien lernen, wie sich plötzliche Einsichten am besten hervorrufen lassen? Dann empfehle ich "Das Aha-Erlebnis" von John Kounios und Mark Beeman. Die beiden US-Psychologen schildern die wichtigsten Experimente der Einsichtsforschung und verknüpfen die Theorie mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis: Wir erfahren, wie berühmte Forscher, Schriftsteller und auch ganz normale Menschen auf zündende Ideen kommen – im Laufe der Lektüre bekommt man so ein Repertoire erprobter Verfahren an die Hand.

Die Autoren liefern Belege für die kreative Kraft des Nickerchens und erklären, warum manche Menschen ihre besten Einfälle unter der Dusche haben. Ganz nebenbei begreift man auch noch, warum wir unsere rechte Hirnhälfte brauchen, um Witze zu verstehen und auf ungewöhnliche Assoziationen zu kommen. Zum Glück verzichten die beiden Neurowissenschaftler auf simple Erfolgsrezepte; der Weg zum Aha-Erlebnis hängt von der eigenen Persönlichkeit ab.

Das Aha-Erlebnis. Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen. Deutsche Verlagsanstalt 2015. 19,99 Euro.


Sascha Mamczak und Martina Vogl

Es ist dein Planet

Ideen gegen den Irrsinn

Tipp von Rainer Hannes

"Warum müssen wir eigentlich was tun? Ihr Erwachsene habt es doch vermasselt. ... Ihr habt den Planeten kaputt gemacht. ... Die Erde ist eindeutig im Arsch. Die Böden sind vergiftet. Die Meere sind voller Müll. Das Klima ist außer Kontrolle. Und jetzt verlangt ihr von uns, die Erde zu retten. Jetzt wollt ihr, dass wir Energie sparen und mehr Bio essen! Das ist nicht fair." (aus: Mamczak / Vogel: Es ist dein Planet)

Paul, Schüler der 7C, ist sauer. In der Projektwoche "Umwelt" soll er sich mit dem Schlamassel befassen, den ja eigentlich die Erwachsenen angerichtet haben. Riesel, der Lehrer, kann ihn dazu überreden, zusammen mit fünf anderen aus der Klasse mal genau zu zeigen, wie es um den Planeten bestellt ist und herauszukriegen, was sie besser machen können. - Gegen den Irrsinn, dass wir so tun, als gäbe es eine zweite Erde. Gegen den Irrsinn, dass alle einfach immer so weitermachen. Dagegen, dass alles Schöne allmählich verschwindet (wie Marie meint). Das ist der Ausgangpunkt des Jugendbuches "Es ist dein Planet - Ideen gegen den Irrsinn" von Sascha Mamczak und Martina Vogl.

Es ist ein erzählendes Sachbuch. Es erzählt, wie und was die sechs entdecken, z.B. dass hinter dem mehr, mehr, mehr und immer mehr Produzieren ein exponentielles Wachstum steckt - beim Autobau, der Plastikproduktion oder dem Düngemittelverbrauch. Und das Buch erzählt von den unterschiedlichen Sichtweisen der Kinder, weil sie aus ganz verschiedenen Familien kommen, in denen auch das Umweltbewusstsein ganz unterschiedlich ausgeprägt ist.

Beeindruckend sind die sechs Ideen, die am Ende herauskommen, etwa die von Anton: Einmal im Monat einen Tag der Aliens einzulegen heißt, sich mit den Augen eines Außerirdischen die Erde anzuschauen, zu fragen, ob die Menschen überhaupt einen Plan haben, was sie mit ihrem Planeten anfangen wollen. Oder Emmas Idee, einen Baum der Entscheidungen für sich aufzustellen. Was ist mir wichtig? und warum?

Das Buch gibt keine fertigen Antworten oder gar Instruktionen. Es regt an, nachzufragen, mitzudenken. Vielleicht ist heute genau so ein Jugendsachbuch wichtiger als so mancher Literaturklassiker.

Es ist dein Planet. Ideen gegen den Irrsinn. Heyne Verlag 2015. 9,99 Euro.

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