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Nicht allein im All? Die Suche nach Außerirdischen

Sind wir allein im Kosmos oder sind wir es nicht? Seit die Menschen ins All fliegen, andere Planeten, Sterne und Sonnensysteme entdecken, reizt uns die Vorstellung, ob irgendwo anders im Weltraum Wesen ähnlich leben wie wir. Und ob wir Kontakt zu ihnen aufnehmen können. Eine Wahnsinnsvorstellung, aber wäre es technisch überhaupt machbar? Wo steht die Forschung um Außerirdische heute?

Hubble Teleskop findet einen echten blauen Planeten

Hubble Teleskop findet einen echten blauen Planeten

Gerade kam die Nachricht, dass Astronomen bei einem Nachbarstern unserer Sonne ein Planetensystem von mindestens 6 Planeten entdeckt haben, auf denen Leben möglich wäre. Kristina Hortenbach hat den Berliner Experten Dietmar Fürst von der Archenhold Sternwarte gefragt. Gibt es sie oder gibt es sie nicht? Außerirdische – Dietmar Fürst ist sich so ziemlich sicher:
Ja, wir wissen es nicht. Wir können es nur vermuten. Die Frage ist ja die, was wir als "Außerirdische" bezeichnen. Wir müssen dabei unterscheiden zwischen einfachen Lebensformen und intelligenten Lebensformen. Und bei einfachen Lebensformen ist man sich sehr sehr sicher; bei intelligenten Lebensformen haben wir noch keinerlei Informationen, dass es solche gibt. Nach derzeitigen Forschungsstand müssten auch solche vorhanden sein.

Leben auf anderen Planeten denkbar

Werden wir eines Tages Besuch von anderen Planeten bekommen?

Werden wir eines Tages Besuch von anderen Planeten bekommen?

Denn die Lebensbedingungen wie bei uns sind auch woanders vorhanden. Wir kennen heute über 1000 Exo-Planeten, also Planeten bei anderen Sternen und auch Planetensysteme mit 7-8 Planeten, die von der Größe her, vom Abstand zu den Sternen her flüssiges Wasser möglich machen. Eine Voraussetzung für Leben wie unseres, neben einer Temperatur von 20 bis 40 Grad Celsius und einer Atmosphäre. Und: Wir Menschen sind Kohlenstoffwesen, erklärt Dietmar Fürst.

Nach Wasser- und Sauerstoff ist Kohlenstoff das wichtigste Element im Körper. Denn der kann komplizierte Verbindungen eingehen, die auch stabil sind – nur so entstehen hohe Lebensformen, vielleicht auch auf anderen Planeten. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass die alle so aussehen wie wir. Das heißt, die können ganz andere Strukturen haben; das können Amöbenstrukturen sein, Wolkenformen oder auf Wasser schwebende Formen. Das hat damit nichts zu tun. Es ist nur, dass Kohlenstoff zentrales Element ist und dass damit automatisch auch bestimmte Bedingen erfüllt sein müssen. Wir suchen diese Bedingungen.

100.000 Jahre zum nächsten Stern

Weit entfernte Galaxie

Weit entfernte Galaxie

Theoretisch ist es also möglich, dass in einem anderen Planetensystem ähnliche Lebensformen wie auf der Erde gibt. Aber wir untersuchen zur Zeit nur unser Milchstraßensystem, sagt Experte Fürst. Dabei gibt es noch Milliarden von anderen Galaxien, der Kosmos ist groß.

Das heißt, der uns nächstliegende Stern, das Proxima Centauri, ist ein Stern auf der südlichen Halbkugel, mit 4,3 Lichtjahren Entfernung. Das heißt, das Licht braucht von diesem Stern bis zu uns 4,3 Jahre. Wenn Sie mit einer Rakete da hinfahren wollten, bräuchten Sie 100.000 Jahre dazu.

Lauschen ins All

Voyager Golden Disc

Voyager Golden Disc mit Bildern und Audios für "Außerirdische"

Schon seit den 60ern hören Radioteleskope das All nach künstlichen Radiosignalen ab, die uns jemand schicken könnte. Und wir senden selbst Signale. Pioneer-Sonden hatten Aluminiumplatten an Bord mit Informationen über die Menschheit, die Voyager-Sonden sogar Schallplatten mit Tönen, Musik und Informationen. Aber – diese Sonden fliegen durchs All, immer der Gefahr ausgesetzt, von einem Asteroiden getroffen zu werden.

Nach Hause telefonieren

Dazu kommt das Problem der Zeit und Entfernung. Ein flüssiges Telefongespräch mit Außerirdischen wird kaum möglich sein, wenn immer 26.000 oder 30.000 Jahre vergehen, bis eine Antwort kommt.


Invasion der Außerirdischen?

Außerirdische

Bekommen wir irgendwann Besuch von anderen Planeten?

Wissenschaftlich betrachtet ist Leben in unserer Nähe also so gut wie ausgeschlossen, sagt Sternenkundler Dietmar Fürst. Aber vielleicht gibt es ja doch ein Objekt, das statistisch nicht erfasst wurde und so nah an der Erde liegt, dass ein Menschenleben ausreicht, um auf ein Signal noch eine Antwort zu bekommen. Wunschdenken, aber könnte das nicht auch gefährlich werden? Dietmar Fürst bezweifelt das:

Wenn eine Intelligenz so weit ist, dass sie ihren eigenen Stern verlassen kann, also ihr eigenes System verlassen kann. Wenn ich das mal auf die Erde beziehe: Solange es auf der Erde Staaten gibt, gibt es keine interplanetare Raumfahrt. Erst wenn die Menschheit in sich eins ist und keine Konflikte mehr auf der Erde existieren, dann ist es so weit, dass die Menschheit in der Lage ist, finanziell in der Lage ist, solche Raumfahrtprojekte zu starten. Vorher nicht. Wenn eine Zivilisation auf der Stufe steht, dann gibt es keine Gewalt mehr.

Auswandern ins All

Radioteleskop in Arecibo

Radioteleskop in Arecibo

Nach 40 Jahren Forschung nach Außerirdischen ist die Euphorie verschwunden, die Wahrscheinlichkeit, welche zu finden, gering. Das mit einem Durchmesser von über 300 Metern zweitgrößte Radioteleskop der Welt, Arecibo, hat die Nasa verkauft, an eine private Stiftung. Was heute im Vordergrund steht, ist die Suche nach Planeten ähnlich der Erde – für uns.

Wir suchen natürlich heute auch nach Planeten, die so ähnlich sind wie die Erde, denn wir werden die Erde irgendwann verlassen müssen. Das hängt einfach mit der Entwicklung der Sonne zusammen. Das wird nicht heute und nicht morgen sein. Aber die Reise selbst wird ja auch einiges voraussetzen. Das heißt, wir legen heute die Voraussetzungen, indem wir erkunden, so wie es damals Kolumbus mit Amerika gemacht hat, der hat auch Indien nie erreicht. Aber er hat im Prinzip ein neues Land gefunden, und wir suchen einen anderen Planeten, auf dem wir dann entsprechend leben können. Ob wir dann mit der körperlichen Masse auch dahin gehen oder entsprechend nur noch unser Geist in Form von verschiedenen digitalen Systemen, das ist eine ganz andere Geschichte. Aber wir müssten erst mal Objekte finden, auf denen wir theoretisch existieren könnten.


Ist wer da draußen?

Weltall. Im Anschnitt der blaue Planet Erde.

Unser blauer Planet ist verletztlich

Hochinteressante Zukunftsforschung, die aber noch in den Anfängen steckt. Die Nasa wird 2017 eine Sonde namens Tess ins All schicken, die Exoplaneten in der Nähe der Erde aufspüren soll. Und ein Jahr später soll es das James Webb Space Telescope mit einem Spektrometer geben. So vergehen Jahre ohne bisher greifbare Ergebnisse. Woher nimmt Dietmar Fürst seine tägliche Motivation?

Für mich ist eigentlich die Faszination die Weite des Kosmos. Und in dieser Unendlichkeit dann noch fassbare Punkte zu haben, wo man sagt: „ja da wird entsprechend eine andere Intelligenz sein, vielleicht ähnliche Forschung anstellen in ihrem Bereich, wie wir heute auf der Erde sind." Denn wir sind immerhin heute mit der Sonne Generation 2. Das heißt: also viel viel ältere wird es nicht geben. Das heißt: so viel weiter werden die auch nicht sein – vielleicht. Vielleicht 10.000 Jahre oder 100.000 – aber mehr nicht – kosmisch gesprochen ist das gar nichts.

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