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Viel Wind um Xaver Vorbote des Klimawandels?

"Xaver" raste mit über 140 Stundenkilometer über Niedersachsen hinweg, umgeknickte Bäume, abgerissene Äste, herabstürzende Dachziegel - so lauten die ersten Schadensbilanzen. In den Medien stellen einige Journalisten und Klimaexperten einen Zusammenhang zwischen Xaver und dem Klimawandel her, ihre These lautet: Solche Extremwetterlagen werden in Zukunft häufiger vorkommen, es gebe einen Trend hin zu mehr Orkanen. Stimmt das wirklich?

Ursache für Wind ist immer ein Luftdruckgefälle. Orkane wiederum entstehen, wo dieses Gefälle besonders stark ist. Und es ist unter anderem dort besonders stark, wo kalte Luftmassen aus dem Norden und warme aus dem Süden aufeinandertreffen. Orkane entstehen meist im Winter, wenn die Luft aus dem Norden besonders kalt ist und somit der Temperaturunterschied zwischen den Luftmassen besonders stark.


Wenn kalt und warm aufeinandertreffen, wird es gefährlich

Sturmtief Xaver

Orkantief Xaver

Das geht meist über dem Atlantik los. Die warme und die kalte Luft treffen über dem Nordatlantik aufeinander, die Luftmassen verwirbeln sich zu einem Tiefdruckgebiet, das dann vom Atlantik Richtung Europa zieht. Es dreht sich dabei im Kreis, auf eine Weise, dass sich kalte Luft und warme Luft gegenseitig jagen. Sie bilden somit zwei Fronten aus. Eine Warmfront, an der sich die warme Luft über die kalte schiebt, doch diese Warmfront hat wiederum eine Kaltfront im Nacken, an der die kalte Luft die Warme nach oben drückt. Und genau dieser Bereich ist der neuralgische Punkt. Da sind die Luftdruckunterschiede besonders groß, und der Wind, der dann weht, nimmt dann manchmal Orkanstärke an.

Gibt es einen Trend zu mehr Orkanen?

Ilulissat, Eisfreies Fjord

Ilulissat, Eisfreies Fjord

Im Zuge des Klimawandels kann nun mehreres passieren. Zum einen erwärmt der Klimawandel vor allem die Polarregionen, das Arktiseis schmilzt. Das würde aber bedeuten, dass das Temperaturgefälle zwischen Nord und Süd eher schwächer wird und sich weniger Orkane bilden. Andererseits ist durch die Erwärmung insgesamt mehr Energie in der Atmosphäre – und diese Energie entlädt sich letztlich immer in Form von Wind. Soweit die Theorie. Aber es gibt natürlich auch Erfahrungswerte aus der Vergangenheit. Der kürzlich erschienene Weltklimabericht hat die verschiedenen Studien ausgewertet, kommt aber zu keinem klaren Ergebnis – einen klaren Trend zu mehr Orkanen gibt es jedenfalls nicht. Und was speziell die Nord- und ostseebetrifft, so gab es zwar immer wieder Phasen mit mehr oder weniger Stürmen, aber im Schnitt haben die die Orkane ebenfalls nicht so zugenommen, dass man den Klimawandel dafür verantwortlich machen könnte. Das jedenfalls konstatiert das Helmholtz-Zentrum für Küstenforschung in Geesthacht.

Keine endgültige Entwarnung

Genauso klar sagen die Forscher aber auch: Bei einer weiteren Erwärmung könnte sich das ändern. Der vom Institut herausgegebene norddeutsche Klimaatlas sagt für Ende des Jahrhunderts 10-20 Prozent mehr Stürme voraus. Also an sich eine eher leichte Zunahme. Brisant wird es aber dadurch, dass die Stürme auch stärker werden, die Windgeschwindigkeit würde um bis zu 13 Prozent zunehmen. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit für wirklich katastrophale Ereignisse. Und hinzu kommt, dass bis dahin auch der Meeresspiegel noch mal gestiegen sein wird. Und diese Kombination: Stärkere Stürme plus ohnehin höherer Meeresspiegel, so die Prognosen, würde dazu führen, dass die Sturmfluten viel höher auflaufen als heute, vielleicht 30 cm höher, vielleicht auch 1m. Für den Küstenschutz also eine große Herausforderung. Insofern kommen Klimaforscher bei den Orkanen letztlich zu einem ähnlichen Ergebnis wie bei den Tropischen Wirbelstürmen. In beiden Fällen werden die Stürme stärker und führen zusammen mit dem Meeresspiegelanstieg zu mehr Hochwasser.

Kein Menetekel für die Zukunft

Ein heftiges Gewitter mit Starkregen und Orkanboeen hat am Samstag den Suedwesten Deutschlands heimgesucht.

Unwetter und Orkane, Vorboten des Klimawandels?

Trotzdem bleibt es dabei: Einzelne Sturm-Ereignisse taugen nicht als Beweis oder Menetekel für den Klimawandel. So stand der Klimagipfel in Warschau unter dem Vorzeichen des verheerenden Taifuns in den Philippinen, so als sei der ein Beleg für die Erwärmung. Seltsamerweise hat kaum jemand darauf hingewiesen, dass es umgekehrt in Nord- und Mittelamerika dieses Jahr so wenige Hurricanes gab wie seit den 80er Jahren nicht mehr. Das heißt nicht, dass der Klimawandel ausfällt, sondern nur, dass die Sturmstatistik ein vergleichsweise schlechter Indikator ist, um ihn zu messen.

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