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In der neuseeländischen Ortschaft Tekapo gibt es null Prozent Lichtverschmutzung. Das heißt: Absolut freier Blick auf die Sterne! Und den genießen nicht nur die 830 Bewohner des Ortes, sondern mittlerweile auch Touristen.

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Tekapo: 0 Prozent Lichtverschmutzung

Nachts ist es dunkel – meinen wir! Aber es geht noch viel dunkler. Denn hier ist es so dunkel, dass man glaubt, beim Blick in den Himmel nach den Sternen greifen zu können: In der neuseeländischen Ortschaft Tekapo gibt es null Prozent Lichtverschmutzung. Das heißt: Absolut freier Blick auf die Sterne! Den genießen nicht nur die 830 Bewohner des Ortes, sondern mittlerweile auch Touristen. Die können in wolkenloser Nacht sogar mit bloßem Auge den Jupiter erkennen. In fast allen Teilen unserer industrialisierten Welt ist das nicht mehr möglich.

Neuseeländischer Ort bewahrt die Dunkelheit durch Schummerlicht

Im neuseeländischen Tekapo bewahrt man die Dunkelheit mit einem Minimum an Schummerlicht und strikten Auflagen: Ab 23 Uhr dürfen an Häusern keine Außenlichter mehr leuchten. Ein abends betriebener Eissportplatz verwendet Scheinwerfer, deren UV-Licht nicht von der Eisdecke reflektiert wird. Und die Straßenbeleuchtung gibt dank Natriumdampf-Niederdrucklampen ein gedämpftes orangefarbenes Licht ab und scheint ausschließlich nach unten. Also toll ist das schon, aber alles nur für ein paar romantische Sterngucker?

Nicht nur: Die Romantiker werden in Kleinbussen von der dunklen Ortschaft aus auf das 1.000 Meter hoch gelegene Mount-John-Observatorium gekarrt – und das in absoluter Dunkelheit. Wie gesagt: keine Straßenbeleuchtung, und keine Scheinwerfer am Bus. Die Fahrer orientieren sich ausschließlich an den weißen Begrenzungslinien am Straßenrand.

Astronomie: Exoplanet von Tekapo aus entdeckt

Jetzt ist klar: Vor allem für die nicht ohne Grund dort ansässigen Astronomen ist der freie Blick auf die Sterne von Bedeutung. Im Observatorium erspäht man nämlich mit Mikro-Gravitationslinsen Planeten in anderen Sternensystemen und Schwarze Löcher.

Schon 1965 begann man der Astronomen zuliebe mit der Verdunklung von Tekapo – mit Erfolg: 2008 entdeckten die Forscher den bis dahin kleinsten Exoplaneten.

UNESCO: Tekapo ist astonomisches Schutzgebiet

Entdeckt wurde allerdings noch etwas anderes, und zwar vom dortigen Tourismusverband: nämlich ein kommerzieller Vorteil: Nachttouristen und Hobbyastronomen auf diesen Ort aufmerksam zu machen. Das hat auch geklappt. Und es kamen noch mehr: Unter anderem die UNESCO-Welterbe-Kommission. Die hat nach 878 historisch, kulturell und ökologisch bemerkenswerten Stätten am Boden endlich mal nach oben geschaut und den null Prozent lichtverschmutzten Himmel entdeckt. Wegen des klaren Himmels und der strikten Lichtregulierung wurde das Dorf als Pilotprojekt vorgeschlagen und ist das erste astronomische Schutzgebiet der Erde geworden. Vielleicht gibt´s auch einfach nur viele Romantiker in der UNESCO.

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