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Stillen oder nicht stillen - das ist für viele Mütter mehr als nur eine Gewissensfrage

Debatte um Muttermilch Stillen oder nicht?

Wer sein Kind liebt, der stillt! – Frauen, die nicht die Brust geben, müssen sich häufig rechtfertigen. Dabei können Kinder auch mit der Flasche optimal aufwachsen.

Je höher die Belastung für die Mutter ist, desto schwerer tut sich häufig mit dem Stillen, weiß der Gynäkologe Markus Valter, leitender Oberarzt der Geburtshilfe am Uniklinikum Köln. Gerade für Eltern, die alles perfekt machen wollen, entsteht ein unglaublicher Druck.

Diese Nervosität überträgt sich auf das Kind und es wird schwerer mit dem Anlegen. Wird die Mutter gelassener, spielt sich alles wieder ein. Meistens jedenfalls - doch nicht immer. Neben der Psyche gibt es viele andere Gründe, warum es mit dem Stillen nicht klappt. Klassiker sind Anlegefehler, entzündete Brustwarzen oder zu wenig Milch.

Nicht stillen wollen

Andere Frauen möchten einfach aus persönlichen Gründen nicht stillen, zum Beispiel, weil sie Stillen nicht mit ihrer Sexualität oder ihrem Körpergefühl identifizieren.

Das Fläschchen fürs Baby ist unter Umständen weniger belastet als Muttermilch

Das Fläschchen fürs Baby ist unter Umständen weniger belastet als Muttermilch

Manche Frauen dürfen nicht stillen, weil sie bestimmte Medikamente nehmen. Nach der Geburt beginnen in Deutschland etwa 90 Prozent aller Mütter zu stillen. Nach sechs Monaten stillen noch etwa 40 bis 50 Prozent. Ohne Zweifel ist Muttermilch die wertvollste Nahrung fürs Kind. So legen etliche Studien nahe, dass gestillte Kinder später einen besseren Allergieschutz haben.

Kein Grund für Druck

Ganz sicher ist dagegen, dass sie später ein geringeres Risiko haben an Adipositas, also Fettleibigkeit, zu erkranken und an Diabetes. Allerdings sollte man den Stilleffekt auch nicht überschätzen, so der Mediziner Markus Valter, denn die unterschiedliche Häufigkeit der Erkrankungen rechtfertigt keinen Druck auf die Eltern – wie es so oft in unserer Gesellschaft passiert.

Stillende Mütter haben seltener Wochenbettdepressionen

Stillende Mütter haben seltener Wochenbettdepressionen. Mütter, die nicht stillen können, fühlen sich dagegen oft gesellschaftlich unter Druck gesetzt.

Auf der anderen Seite profitieren auch die Mütter vom Stillen. Sie bekommen seltener eine Wochenbettdepression und erkranken später seltener an Brust- und Eierstockkrebs. Doch wenn sie nicht stillen können oder wollen, kann das Kind trotzdem optimal groß werden.

Zeit für Rituale

Denn die so genannten Pre- oder 1-Nahrung nähert sich der Muttermilch stark an und wird sorgsam kontrolliert, sagt die Stillberaterin Anna Hofer. Auch bei Flaschennahrung könnten Mutter und Kind genauso eine intensive Beziehung aufbauen wie beim Brustgeben.

Fläschchen geben  als Ritual

Fläschchen geben als Ritual. Es ist besser für das Kind, wenn es die Milch immer von der Mama oder dem Papa serviert bekommt.

Der Rat der Stillberaterin: Nur die Mama und der Papa sollten das Fläschchen geben und nicht die gesamte Verwandtschaft, die zu Besuch kommt.

Und man nimmt sich dann Zeit. Es ist ein Ritual genauso wie eine Stillmahlzeit.

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