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Radeln gegen Depressionen – Wie wirkt Sport bei psychischen Erkrankungen?

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Silvia Plahl
Silvia Plahl (Foto: SWR, privat)
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Julia Nestlen & Ralf Kölbel.

Wer regelmäßig Fahrrad fährt, schwimmt oder wandert, schützt sich vor Krankheiten - auch seelischen.

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Ein älterer Mann entwickelt auf dem Fahrrad-Ergometer einen besseren Umgang mit seiner Depression. Eine 12-jähriges Mädchen erkennt beim Klettern die Auslöser für seine Angst vor der Schule. Eine Psychiatrie-Patientin stabilisiert sich regelmäßig beim „Laufen für die Seele“: Sport und Bewegung als Zusatz-Therapeutikum bei der Behandlung psychischer Erkrankungen. Studien belegen vermehrt, dass Anstrengung und die Lust an der Bewegung gegen seelische Störungen helfen.

Körperliche und geistige Gesundheit hängen zusammen

Das Fahrrad-Fahren in der Klinik soll Patientinnen und Patienten mit Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen helfen. Deshalb gibt es in der Psychiatrie der Berliner Charité neben der Musik-, Ergo- und Kunsttherapie auch einen Raum für die Sporttherapie.

Wie Sport und Bewegung eine psychische Erkrankung beeinflussen, erforscht Professor Andreas Ströhle, Leiter der Psychiatrie, seit 15 Jahren. Dabei geht es um die enge Verbindung von Körper und Psyche. Deshalb wird Sport zunehmend zu einer Psychotherapie oder zu einer Behandlung mit Medikamenten angeboten oder auch verordnet.

Sport entlastet bei Angststörungen

Bewegung regt die Ausschüttung der Botenstoffe Serotonin und Dopamin im Gehirn an, Laufen steigert die Konzentration von Endorphinen im Blut – und diese Hormone können helfen, Stress und Ängste abzubauen.

In der Psychiatrie der Berliner Charité gibt es ständig neue Methoden, um psychisch erkrankte Menschen in Bewegung zu bringen: Die Programme heißen „Laufen für die Seele“ oder „Schritte aus der Depression“. In einer Erhebung begleiten die Mediziner Patienten, die unter einer allgemeinen, der so genannten Generalisierten Angststörung leiden, mit einem Ausdauertraining. Denn bei Angstpatienten äußert sich die Angst auch in dauernder körperlicher Anspannung - dagegen soll Sport helfen.

Dreimal die Woche zwanzig Minuten trainieren die Studienteilnehmer ihre Ausdauer. Anschließend wird gemessen, wie sich der Sport auf die Häufigkeit, aber auch auf die Ausprägung etwa von Sorgen und Befürchtungen und damit verbundenen Körpersymptomen auswirkt.

Angstpatientin Lara Mosch macht mit dem Training gute Erfahrungen „Es macht ein gutes Körpergefühl, dass man Sport gemacht hat. Dieser positive Aspekt des Tages hilft auch für den Rest des Tages. Man hat eigentlich immer ein Dauer-Anspannungslevel, wenn man Angst hat. In dem Moment, wo man sich so anstrengt und die Anspannung danach abfällt, fühlt man sich gelöst - Wie ein entspannter Muskel.“

Auch bei der Therapie von Kindern mit seelischen Störungen hilft Sport

Der Sportwissenschaftler Dr. Till Thimme arbeitet an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Lehrklinik der Universität Bonn. Er leitet eine Kletter-Therapie mit drei Jungen zwischen acht und 13 Jahren. Den Jungen hilft der Sport um besser mit Schulangst, Höhenangst, Selbstvertrauen und Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion umzugehen.

Klettern hat sich als unterstützender Therapiesport bereits gut bewährt, denn Klettern macht Spaß. Es fordert motorisch, kognitiv und emotional heraus. Das erzeugt oft Unsicherheit und Angst und die Kinder sind gezwungen, mit solchen Emotionen umzugehen. Sie lernen, um Hilfe oder einen Tipp zu bitten. Oder sie sichern einen Kletternden, übernehmen Verantwortung. Sie halten sich an Regeln und vertrauen einander.

Einer der Jungen fühlt sich dank der Therapie selbstbewusster: "Das macht Spaß, sich auszupowern, Ziele zu erreichen, sich Ziele zu setzen. Ich habe sonst nicht so viel Ehrgeiz in anderen Sachen, bemerke, dass ich den jetzt selbst schaffe und ich glaube, dass ich den auch woanders besser zeigen kann als sonst und auch ein bisschen mehr Selbstvertrauen habe. Das bringt und verändert schon was."

Sport ist nicht immer die beste Hilfe

Der Leiter der Psychiatrie an der Berliner Charité Professor Andreas Ströhle warnt jedoch vor der allgemeinen Annahme, dass Sport und Bewegung immer gut tun: „Wenn ich einen schweren Bluthochdruck oder eine Essstörung habe – kann Sport auch negative Folgen haben.“ Damit Sport positiv wirkt, muss für jeden einzelnen Patienten herausgefunden werden, welche Bewegung in welcher Häufigkeit mit welcher Intensität ihm gut tut.

Studienergebnisse und individuelle Erfahrungen belegen die therapeutischen Effekte durch Sport bei psychischen Erkrankungen. Einiges davon lässt sich bislang nicht verallgemeinern, das mag daran liegen, dass eine Bewegung immer sehr persönlich innerlich erlebt wird. Die Wissenschaftler untersuchen weiter, warum und auf welche Weise eine körperliche Aktivität bestimmte biochemische Vorgänge auslöst und wie diese wiederum auf spezielle Krankheitsbilder wirken. Psychisch erkrankte Patientinnen und Patienten können profitieren und sich durch die Lust am Sport oft neu erleben. Für sie bedeutet dieser Neuanfang oft einen entscheidenden Schritt aus ihrer Erkrankung heraus. 

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