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Spinnen können fliegen Achtbeiner auf Reisen

Spinnen können fliegen: Auf einem so genannten "Seiden-Floß" segeln sie manchmal hunderte Kilometer weit und sogar tausende Meter hoch durch die Lüfte. Dabei hinterlassen sie feinste Spinnfäden in der Luft, so wie der Mensch Kondensstreifen am Himmel, wenn er reist. Aber wie machen die Spinnen das? Und wie kommen ihre Spinnfäden von dem einen zum anderen Baum?

Wenn Spinnen fliegen

Wenn Spinnen fliegen

In Mitteleuropa leben über 1200 Spinnenarten. Die meisten sind sehr klein, eineinhalb bis zweieinhalb Millimeter groß. Die Jungtiere sind noch kleiner. Diese kleinen Spinnen bauen keine Netze zwischen den Bäumen. Sie jagen vor allem am Boden. Im Gras oder im Laub spinnen sie wenige Zentimeter große Netze, die wir nur selten wahrnehmen. Trotzdem sind vor allem diese kleinen Spinnen schuld an diesen ganzen Spinnfäden, die gerade durch die Luft fliegen.

Mit dem Floß durch die Lüfte

Spinnfäden dienen nicht nur als Falle für Insekten

Spinnfäden dienen nicht nur als Falle für Insekten

Die Spinnfäden in der Luft sind ein typisches Zeichen für den Altweibersommer, sagt die Spinnenforscherin Dr. Birgit Balkenhol. Die zierliche Frau mit halblangem, braunen Haar und Brille hat im Görlitzer Senkenbergmuseum einige der Tierchen in Alkohol eingelegt und genauestens untersucht. Sie sagt: Spinnen lassen sich im Altweibersommer auf einem Seidenfloß "verdriften". Das heißt, sie fliegen auf der eigenen Spinnenseide!

Am seidenen Faden

Fliegen können nur kleinere Spinnen

Fliegen können nur kleinere Spinnen

Spinnen haben an ihrem Hinterleib kleine Spinnwarzen und auf diesen Spinnwarzen sitzen kleine Spinnspulen. Aus denen kommt die Spinnseide. Das sind immer mehrere hundert bis mehrere tausend oder 10 000 Spinnspulen, aus denen jeweils ein Faden entlassen wird und aus denen schießen die dann ein ganzes Bündel an Fäden und dieses Bündel wird erfasst, vom Wind hochgetragen und die leichte Spinne wird dann mitgetragen.

Vor allem Jungspinnen, oder ausgewachsene kleine Spinnen, würden es bevorzugen, auf diese Art zu reisen.


Reif für die Insel

Die steigen dann auf einen exponierten Stelle, zum Beispiel auf einem Baum oder auf einem Grashalm, und schießen dann ein ganzes Bündel an Fäden in die Luft und da sie selber so leicht sind und die Spinnseide auch sehr, sehr leicht ist, können die an diesem Faden-Floß transportiert werden. Da reichen ganz leichte Aufwinde und die können dann bis zu 3000 Meter hoch getragen werden, vom Wind, und da sind die schon von Flugzeugen erfasst wurden.

Die Spinnen würden nicht nur hoch fliegen, sondern auch sehr weit. Mehrere hundert Kilometer seien kein Problem. Eine neu entstandene Vulkaninsel im Meer zum Beispiel wird innerhalb kurzer Zeit von Spinnen besiedelt, berichtet die Forscherin. Ob die Spinne dann dort leben kann, ist eine andere Sache. Hin zukommen ist für sie jedenfalls kein Problem. Diese Art des Reisens praktizieren viele Spinnen, besonders Jungtiere.

Weite Netze

Spinnennetz im Wald

Spinnennetz im Wald

Spinnfäden die es nicht bis auf die Insel schaffen, fliegen dann bei uns herum und bleiben manchmal im Gesicht kleben. Wer in diesen Tagen im Wald unterwegs ist, kann sogar mal ein ganzes Spinnennetz im Gesicht haben, dass von einem zum nächsten Baum reicht. Vornehmlich stammt es von den Kreuzspinnen. Und diese dicke Spinnenart kann bestimmt nicht fliegen. Aber wie bekommt sie ihren Haltefaden von einem zum nächsten Baum? Spinnenforscherin Birgit Balkenhol kann auch dieses Rätsel lösen.

Diese Spinnen heben ihren Hinterleib hoch, strecken den in die Luft und schießen einen Faden in die Luft und weil der so sehr leicht ist, wird der vom leichtesten Windhauch weiter getragen und der verfängt sich dann am nächsten Baum zum Beispiel oder am nächsten Gras. Und wissen sie, wie dick diese Fäden sind, dass die durch einen feinsten Windhauch transportiert werden? So ein ganz normaler Faden ist ein 10 000tel Millimeter dick. Wir sehen den nur, weil die eben das Sonnenlicht abstrahlen.

Spinnenfäden als Kondensstreifen

Spinne auf Reisen

Spinne auf Reisen

Die Spinne lässt also ihre Spinnfäden von feinsten Luftbewegungen zum nächsten Baum wehen und baut dann ihr Netz. Und sie fliegt selbst auf einem Seiden-Floß viele hundert Kilometer und hinterlässt dabei feinste Spinnfäden in der Luft, so wie der Mensch Kondensstreifen am Himmel, wenn er reist. Zum Glück bleiben die uns nicht auch noch im Gesicht kleben.

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