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Zocker-Frauen Neue Studie über weibliche Spielsüchtige

Frauen werden seltener, dafür schneller spielsüchtig als Männer. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Spielsucht sind bislang noch wenig erforscht. Nun gibt es erste Hinweise, dass Frauen später als Männer mit dem Spielen anfangen, dafür aber rascher in süchtiges Verhalten abgleiten. Neuigkeiten dazu gab es auf einer Tagung in Hohenheim.

Frau am Spielautomaten

Oft ist Spielsucht eine Reaktion auf psychische Probleme.

Der typische Glückspieler ist männlich, um die 30 Jahre alt, trinkt und raucht. Das ist die Darstellung, die die Medien beherrscht - und sie scheint den größten Teil der Spieler durchaus realistisch zu erfassen. Es wird geschätzt, dass 80 Prozent der pathologischen Glücksspieler Männer sind. Mittlerweile haben sich Spielhöllen und Casinos aber auch für die Zielgruppe der Frauen geöffnet: Früher waren in "Spielhöllen" nur Männer. Mittlerweile sind die meisten Zockerparadiese so ausgerichtet, dass sich auch Frauen darin wohlfühlen.

Spielen gegen die innere Leere

Roulette

Roulette - Glücksspiel mit Suchtgefahr

Insgesamt nehmen Frauen aber immer noch deutlich seltener an Glücksspielen teil als Männer. Und sie beginnen in der Regel erst 10 Jahre später mit dem Spielen: Die meisten pathologischen Spielerinnen beginnen erst im Alter von 40 bis 49 Jahren zu spielen. Das ist die Zeit, wenn die Kinder aus dem Haus gehen und eine Leere zurückbleibt - das berichten viele der betroffenen Frauen. Problematisch ist, dass diese Frauen dann deutlich rascher in süchtiges Verhalten abrutschen als Männer, sagt Andrea Wöhr von der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim: Der Weg vom Freizeitspiel über das problematische Spiel bis hin zum pathologischen Spiel geht bei den Frauen sehr viel schneller.

Absturz ins finanzielle Disaster

Frauenhand am Spielautomat

Glücksspiele sind für Frauen meistens verlockender

Durch den rasanten Verlauf bei pathologischen Spielerinnen erreichen sie schneller als Männer das finanzielle und persönliche Desaster, manche kündigen sogar ihre Lebensversicherungen, um genügend Spielgeld zur Verfügung zu haben. Die Glücksspielsucht führt Frauen ziemlich rasch dazu, sich über Werte hinweg zu setzen- auch wenn sie versuchen, das zu vertuschen. So gehen Betroffene vielleicht auch mal, ohne das wirklich zu realisieren, an den Geldbeutel des Sohnes.


Glücksspiel bei Frauen wenig erforscht

Andrea Woehr hat die Tagung zum Thema geschlechtsspezifische Unterschiede der Spielsucht an der Universität Hohenheim organisiert; um Studien und Daten zu glücksspielsüchtigen Frauen in Deutschland zusammen zu tragen. Denn bisher wissen die Forscher erschreckend wenig über die Spezies der glücksspielsüchtigen Frauen.

Pathologische Spielerinnen gehen seltener zum Therapeuten oder zur Therapeutin als männliche Glücksspieler. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie sich auch mehr schämen. Und das macht es dann natürlich auch schwieriger, genügend Personen für eine wissenschaftliche Untersuchung zu finden.

Spielen gegen die Sorgen

Spielautomat

Ablenkung und Sorgen vergessen beim Glücksspiel

Männern wie Frauen gemein ist als Hauptmotiv für das Spielen die Gier nach dem Gewinn- nach dem Geld. Anders als Männer spielen Frauen aber keine Sportwetten - das ist eine reine Männerdomäne: Frauen spielen mehr reine Glücksspiele und Männer mehr Geschicklichkeitsspiele, bei denen auch Wissen und eigenes Können eine Rolle spielen.

Während bei Männern die Sehnsucht nach dem Adrenalinkick ein wichtiger Antrieb fürs Spiel ist, scheinen viele glücksspielsüchtige Frauen zu spielen, um unangenehme Gedanken zu verdrängen, die Sorgen hinter sich zu lassen.

Am Anfang war das Trauma

Eine Frau sitzt traurig im Dunkeln

Schatten der Vergangenheit

Die Psychotherapeutin und Glücksspielexpertin Dr. Monika Vogelgesang hat rund 100 weibliche mit 100 männlichen Glücksspielern verglichen und herausgefunden, dass die spielsüchtigen Frauen deutlich häufiger in ihrer Kindheit traumatisiert wurden. Ganze 70 Prozent der Frauen, die in Behandlung waren, berichteten von traumatischen Erlebnissen, zum Beispiel sexuellen Missbrauch in der Kindheit. Das kann dann natürlich zu psychischen Störungen führen. Glücksspiel ist dann ein Versuch, sich diesen unangenehmen Gedanken, diesen unangenehmen Problemen nicht mehr stellen zu müssen.

Geschlechtsspezifische Therapie

In der Therapie von glücksspielsüchtigen Frauen sollten deshalb verstärkt diese geschlechtsspezifischen Problematiken behandelt werden. Gerade bei Traumatisierungen kann es sinnvoll sein, wenn man in einem geschützten Umfeld darüber spricht. So öffnen sich Frauen eher vor anderen Frauen, ebenso wie sich Männer eher anderen Männern gegenüber öffnen würden. Hier macht es also sicherlich Sinn, geschlechtsspezifische Gruppen zu bilden.

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