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Blick von Bord der Internationalen Raumstation auf Erde und Mond

Deutsche "Halbtags-Wissenschaftler" wollen zum Mond Wettrennen im Weltraum

2007 hat Google den Lunar X Prize ausgerufen. Das Ziel ist so klar wie schwierig: das Ingenieurteam, das es als erstes schafft einen privat finanzierten Mondrover zu bauen, ihn auf den Mond zu bringen, dort 500 Meter zu fahren und das Ganze live zu übertragen, gewinnt 30 Millionen Dollar.

Inzwischen sind nur noch fünf Teams im Rennen um den Google Lunar X Prize. Eines davon sind die "Part Time Scientists" aus Berlin. Das Team um Gründer Robert Böhme will mit seinem Rover das zurückgelassene Mondfahrzeug der Apollo 17 Mission im Tal von Taurus-Littrow besuchen. Nicht nur aus Prestigegründen, sondern aus wissenschaftlichem Interesse: "Dieses Fahrzeug besteht aus Dingen wie Plastik, da ist Leder dran, da ist Nylon dran, da ist ein Titan-Aluminium-Gemisch dran. Dieses Material steht da seit 43 Jahren auf dem Mond rum. Es ist ziemlich spannend herauszufinden, was die Zersetzung davon ist. Welches Material hat funktioniert? Diese Analyse ist das Hauptziel der Mission."

Apollo 17, Mondfahrzeug, Astronaut, Mond,

Mit diesem Fahrzeug war Harrison H. Schmitt vor 25 Jahren mit Apollo-17 der letzte Mann auf dem Mond. Er kam zurück – das Fahrzeug liegt noch immer im Tal von Taurus-Littrow.

Faszination Weltraum

Böhme ist eigentlich IT-Sicherheitsexperte und damit kein ausgebildeter Raumfahrt-Fachmann. Als er 2008 von Googles Lunar X Prize hört, ist er trotzdem sofort begeistert von der Idee des Wettbewerbs und gründet mit ein paar Freunden die "Part Time Scientists", also Halbtags-Wissenschaftler. Der Name ist damals Programm, denn keiner von ihnen hat praktische Erfahrung im Bereich Raumfahrt. Aber alle vereint die Faszination für den Weltraum: "Ich mag diese alte Sci-Fi wie 2001 und Star-Trek, denn sie konzentriert sich darauf, wie man die Probleme, die wir heute haben, durch Technologie und die Raumfahrt löst. Das ist etwas was ich schön finde und mich eigentlich auch immer am Weltall inspiriert hat."

Team der Part Time Scientists bei der Milestone-Prize Verleihung

Das Team der "Part Time Scientists" um Robert Böhme wurde mit dem Milestone-Prize für ihre Leistung belohnt. (vordere Reihe v. l.: Arne Reiners, Karsten Becker, Thomas Schachner, Robert Böhme; hintere Reihe: die Preisrichter des Lunar X Prize Milestone Award)

Inzwischen sind mehr als sieben Jahre vergangen und aus den Halbtags-Wissenschaftlern ist ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern und internationalen Kontakten geworden. Der ganze Stolz der "Part Time Scientists" ist natürlich ihr Mondrover, der am Ende den Weg ins All auf sich nehmen soll. Ein flaches Gefährt auf vier breiten Rädern, mit einem Kamerakopf an der Vorderseite und großen Solarpanels für die Energieversorgung.

Mond-Rover der Part Time Scientists im Google Lunar X Prize

So sieht das Gefährt mit dem Namen Asimov der "Part Time Scientists" aus.

Karsten Becker hat den Rover maßgeblich und erklärt: "Das besondere daran ist, dass man diese vier Räder 360 Grad drehen kann. Dadurch können wir seitwärts fahren und auch durch besonders enge Gesteinsformationen einfach durchfahren. Wenn man eine Kurve fährt, dann sind die inneren Räder langsamer und die äußeren schneller."

Teures Vergnügen

Ihre technischen Fortschritte machen die "Part Time Scientists" zu einem der vielversprechendsten Teams im Wettbewerb. Erst im letzten Jahr haben sie von Google einen mit 750.000 Dollar prämierten Milestone-Prize für ihre bisherige Arbeit überreicht bekommen. Eine ordentliche Summe, aber längst nicht genug, um ein Raumfahrtprojekt zu finanzieren. Dafür brauchen Böhme und sein Team Sponsoren, wobei sie mit Audi ihren wichtigsten Partner in finanzieller und technischer Hinsicht gefunden haben.

Trotz solcher Hilfe bleiben viele Herausforderungen. Zum Beispiel: wie kommt man an eine Rakete, um den Rover zum Mond zu schießen? Kommerzielle Dienstleistung macht es möglich: sowohl Indien und Russland als auch das Unternehmen Space-X schießen Objekte gegen Bezahlung in den Weltraum.

Space X, Raketenstart, Raumfahrt

Die "Part Time Scientists" sind auf private Unternehmen wie Space X angewiesen. Sie brauchen die Raketen um ihr Gefährt auf den Mond zu bringen – doch das hat seinen Preis.

Raumfahrt mit privaten Unternehmen

Und tatsächlich will Google mit seinem Wettbewerb vor allem diese kommerzielle Dienstleistung in der Raumfahrt befeuern. Einen Konflikt zwischen Konzernen und klassisch-staatlichen Raumfahrtagenturen sehen die "Part Time Scientists" deswegen nicht. Karsten Becker stellt sich eher eine langfristige Kooperation der beiden Sektoren vor. Zum Beispiel zwischen den "Part Time Scientists" und der europäischen Raumfahrtagentur ESA: "Die ESA hat ein Experiment, das sie auf dem Mond durchführen möchte. Dann würden wir hin gehen und sagen: okay, wir können euch das für ein Zehntel der Kosten, die ihr selbst hättet, dort hin bringen."

Ein Plan, der von den Raumfahrtagenturen geteilt wird. Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt begrüßt ein stärkeres privates Engagement in der Raumfahrt, um Kosten zu senken und den Zukunftsmarkt Weltraum auszubauen.

Trotz dieser großen Erwartungen herrscht kein Konkurrenzkampf zwischen den verbliebenen Teams. Im Gegenteil: man tauscht sich aus und sieht den Wettbewerb als gemeinsame Anstrengung, um die Raumfahrt nach vorne zu bringen. In so einem Szenario gibt es keine Niederlage, sagt Robert Böhme: "Ich glaube, es gibt kein Totalversagen, wo man dastehen würde und sagt 'Das war jetzt alles umsonst'. Wir haben einen ganzen Berg Technologie entwickelt, an dem viele Unternehmen Interesse haben."

Eine neue Ära

Für die Scientists ist der Lunar X Prize nur ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Ära der Raumfahrt. Um die zu befeuern braucht es zwei Dinge: neue Technologien und, wenn es nach Karsten Becker geht, eine neue Begeisterung für die Raumfahrt: "Als ich gesehen habe, wie die NASA den Pathfinder gelandet hat, das hat mich persönlich inspiriert und fand ich total geil. Und das ist etwas, was wir hoffentlich mit unserer Mission auch wieder erzeugen können. Mehr Leute dazu zu inspirieren Ingenieure zu werden."

Die offizielle Deadline für den Wettbewerb war der 31.12.2017. Bis dahin hatte es allerdings keines der Teams bis auf auf den Mond geschafft.
Jetzt sind nach Ablauf des Projekts wohl die Israelis die erste Nation, die eine private Raumsonde auf den Mond bringen.

Videos

Der letzte Härtetest für Asimov auf Teneriffa auf dem Weg zum Milestone-Prize, den die "Part Time Scientists" im Januar auch überreicht bekommen haben:


Über den ganzen Wettbewerb und die verschiedenen Teams erscheint eine Dokumentation – "Moon Shot". Hier der Trailer:

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