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ExoMars-Mission

Auf zum Mars Europa und Russland schicken Raumsonde zum Roten Planeten

Am 14. März 2016 hat das Projekt ExoMars begonnen, Europa und Russland haben erstmals gemeinsam eine Raumsonde zum Roten Planeten geschickt. Mehr als 40 Raumschiffe sind schon zum Roten Planeten geflogen – diesmal scheint die Hoffnung, Spuren von Leben zu finden, besonders groß. Ist der Wirbel um ExoMars berechtigt? Uwe Gradwohl kommentiert.

Mars ist ein echt interessanter Planet. Ich finde den toll. Das sage ich vorneweg, denn in den kommenden zwei Minuten könnte ein anderer Eindruck entstehen.

Mit ExoMars hat die ESA ein Marsprogramm gestartet, das aus zwei Missionen besteht. Die erste ist jetzt unterwegs, die zweite ab 2018. Und diese zweite Mission soll dann auch einen Rover auf dem Mars landen.

Einen Rover. Schon wieder. Da sind doch schon welche. Die NASA hat zur Zeit zwei aktive Rover auf dem Mars. Einer klettert einen Berg hoch, der andere untersucht einen Riesenkrater. Braucht es da auch noch einen europäischen Rover?

Ich habe mich das lange gefragt, denn ich hätte da noch einen anderen Lieblingsort im Sonnensystem. Immer wenn ich zu dem etwas in Sozialen Netzwerken poste, bekomme ich große Zustimmung wenn ich schreibe: Da müsste man mal wieder hinfliegen. 

Ich meine den Saturnmond Titan. Auf dem ist die ESA vor einigen Jahren gelandet und hat unter einer dichten Wolkenhülle Gebirge aus Eis entdeckt, mit Tälern, in die sich Methanbäche eingegraben haben, die sich zu Methanflüssen vereinigen und in Methanseen münden. Es gibt dort Riesenregentropfen, zäh schwappende Seewellen, einen orangefarbenen Himmel mit grünlichen Wolken. Die Mission ist bis heute die am weitesten von der Erde gelungene Landung auf einem anderen Objekt im Sonnensystem. Und Titan hat bei der Gelegenheit nur einen Teil seiner aufregenden Besonderheiten preisgegeben.

Dorthin sollte man zurück. Vielleicht ließen sich dort sogar Lebensformen auf Siliziumbasis bei minus 170 Grad Kälte finden. Aufregend. Also: Sollte die ESA nicht dorthin zurück und weitermachen, genauer nachschauen, bevor sie  zum Mars fliegt und genau das macht, was die NASA dort schon seit Jahren mit ihren sehr weit entwickelten Rovern erledigt?

Nun, wenn man genauer hinschaut, kann man sich mit dieser europäischen Marsmission durchaus auch anfreunden. Denn ExoMars soll zwei Dinge anpacken, die bislang auf dem Mars unerledigt sind: 

Erstens: Der Satellit, der jetzt mit der ersten Mission bereits zum Mars unterwegs ist, kann die Methanvorkommen in der Marsatmosphäre genauer untersuchen als das bislang möglich war. Spannend daran: Das Mars-Methan kann schlicht durch Prozesse im Gestein entstehen. Es könnte aber auch Abfallprodukt des Stoffwechsels von Marsbakterien im Marsuntergrund sein.

Titan

Saturnmond Titan ist der erdähnlichste Fleck im Sonnensystem

Über diesen Marsuntergrund weiß man kaum etwas und deshalb setzt da der zweite Missionsteil an: Der Rover, der 2018 auf dem Mars landet, soll bis in zwei Meter Tiefe bohren. Das ist neu und macht Sinn: Bei der harten Strahlung an der Mars-Oberfläche gilt es als ausgemacht, dass die Antwort auf die Frage nach Leben auf dem Mars in der Tiefe zu finden ist. Wäre sensationell, wenn den Europäern der Fund von Spuren von vergangenem oder noch vorhandenem  Leben auf dem Mars noch vor der NASA glücken würde – pikanterweise im Rahmen eines Programms, aus dem die Amerikaner aus Finanzgründen vor Jahren ausgestiegen und die Russen daraufhin eingestiegen sind.

Kurz und gut: Wer jetzt Satelliten und Rover zum Mars fliegt, der macht nicht der NASA einfach alles nach, sondern bringt eben jene Werkzeuge dahin, die es braucht, um die Antworten auf spannende Fragen zu finden. Und wer weiß, vielleicht lässt sich all die Technik dann etwas später auch noch weiter draußen im All einsetzen. Auf meinem Lieblingsmond. Auf Titan. Der wartet solange noch auf einen ersten Rover, der bei minus 170 Grad an einem nett plätschernden Methanbächlein entlangfährt.

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