Junge Leute mit Sonnenfinsternis-Brillen (Foto: SWR, SWR -)

Ein Land im Schatten Totale Sonnenfinsternis in den USA

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Uwe Gradwohl schreibt an Trump

Am 21. August 2017 wird es gegen Mittag amerikanischer Zeit für ein paar Minuten ziemlich finster werden am Himmel. Auf Twitter wird dies bereits groß angekündigt als "The Great American Eclipse". Doch eigentlich ist diese Sonnenfinsternis eine europäische. Ein Kommentar von Uwe Gradwohl.

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe US-Bürgerinnen und Bürger,

Eine totale Sonnenfinsternis trifft die Vereinigten Staaten. Es wird bestimmt ein tolles Ereignis – großartig! – wie Sie gerne zu sagen pflegen, Herr Präsident. Großartig, einzigartig, und in dem Fall, in dem Fall trifft es sogar zu. Sonnenfinsternisse sind schlicht großartig. Sie wird so großartig, dass sie auf Twitter auch schon jetzt „The Great American Eclipse“, die große amerikanische Sonnenfinsternis, genannt wird.

Strahlender Rand während einer Sonnenfinsternis (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de - Royalty-free)
Strahlender Rand während einer Sonnenfinsternis Foto: Colourbox.de - Royalty-free

Das wird Ihnen gefallen, Mister Präsident, denn Sie sind auch viel auf Twitter unterwegs. Die große amerikanische SoFi, das dürfte bei Ihnen genau den Nerv treffen. „America is so great again“, dass es jetzt sogar eine Sonnenfinsternis erlebt, die nur von US-Gebiet aus zu beobachten ist.

Aber da muss ich jetzt doch reingrätschen: Sehr geehrter Herr Präsident, liebe US-Bürgerinnen und Bürger, die Wahrheit ist: Eure große amerikanische Sonnenfinsternis, das ist unsere. Ja, das ist unsere europäische Finsternis von 1999.

Wir erinnern uns hier gut, der nachtdunkle Mondschatten raste damals, von Großbritannien kommend, über Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn und die Türkei hinweg . So sagte man vor 18 Jahren. Heute würde man die Strecke mit "Von Brexitland kommend, der Balkanroute entgegen bis in das Reich des Recep Tayyip Erdogan bezeichnen.

Die Neugierigen stehen in Laichingen um das Teleskop herum (Foto: SWR, SWR - Torsten Blümke)
Auch hierzulande war die totale Sonnenfinsternis 1999 ein großes Ereignis. SWR - Torsten Blümke

Tja, entlang der Sonnenfinsternisroute von 1999 hat sich seitdem politisch viel verändert. Das ist doch lecker Futter für Mystiker und Verschwörungstheoretiker. Kaum kommt der Mondschatten, vorbei, schon kippt die Politik. Und jetzt zieht der Schatten also über die USA – oh oh.

Aber zurück zu meinem Punkt, den ich machen will. Ich wollte sagen: Es ist unsere Sonnenfinsternis von 1999, die jetzt nach Amerika kommt. Sonnenfinsternisse wiederholen sich nämlich. Und zwar alle 18 Jahre, elf Tage und acht Stunden. Und die acht Stunden – die machen es aus.

Wenn sich Sonnenfinsternisse genau alle 18 Jahre und elf Tage auf die Minute genau wiederholen würden, dann hätten wir dieses Jahr wieder einen ähnlichen Finsternisverlauf wie 1999.

Aber weil sich unsere Sonnenfinsternis eben nicht auf die Minute genau wiederholt, sondern mit acht Stunden Verspätung, hat sich die Erde schon ein wenig weiter gedreht und der Mondschatten fällt nicht auf Europa, sondern auf die USA.

Sonnenfinsternis (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa)
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So geht das übrigens schon seit dem Jahr 1639. Seitdem existiert dieser Finsterniszyklus. Und er dauert noch bis ins Jahr 3009. 77 Mal wird sich diese Sonnenfinsternis im Laufe von 1370 Jahren dann wiederholt haben. Unsere europäische war die einundzwanzigste Wiederholung. Ihre amerikanische Finsternis, Mister Präsident, ist die zweiundzwanzigste.

Und auch Ihre „Great American Eclipse“ wird sich in 18 Jahren, elf Tagen und acht Stunden wiederholen. Auch Sie werden also den SoFi-Staffelstab wieder ein Stück Richtung Westen weitergeben. Und wohin, Herr Präsident? Bei der nächsten Wiederholung, der dreiundzwanzigsten, zieht der Schatten über Asien – und dann genau über Nordkorea.

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