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Viele Steine, wenig Leben – Schottergärten liegen im Trend – sehr zum Ärger vieler Naturschützer. Sie nennen die Flächen „Gärten des Grauens“. Nun soll das Naturschutzgesetz in Baden-Württemberg geändert werden – Schottergärten sollen demnach tabu sein. Am 25. Juni 2020 war die erste Lesung im Landtag. Allerdings gibt es Verwirrung in der Frage, was eigentlich mit bestehenden Schottergärten ist. Ein Zwischenruf von Stefanie Peyk.

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Glosse

Ach, wie schön, dass wir in einem Land leben, in dem Rechtsnormen für jeden Bürger leicht verständlich sind – und die Behörden bei trotzdem bestehenden Fragen gerne und jederzeit weiterhelfen!

In der Landesbauordnung steht schon seit einem Vierteljahrhundert:

"Die nichtüberbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein."

Aha, denkt man sich, Schottergärten sind also tabu, schließlich sind sie grau und nicht grün. Allerdings gibt es in der Landesbauordnung auch eine Einschränkung:

"… soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden."

Hm … ist das vielleicht ein Schlupfloch für alle Steinwüsten-Fans? Ein neuer Passus im Naturschutzgesetz soll Klarheit schaffen. Im Entwurf heißt es:

"Schotterungen zur Gestaltung von privaten Gärten sind grundsätzlich keine andere zulässige Verwendung (im Sinne des §9 Absatz 1 Satz 1 Landesbauordnung.)"

Wirtschaftsministerium: bestehende Schottergärten bleiben zulässig

Okay. Ansage für alle, die gerade aktuell darüber nachdenken, Blumen durch Steine zu ersetzen. Und was ist mit Herrn Meier im Neubaugebiet, der schon seit ein paar Jahren einen Schottergarten hat? Da sind die Landesministerien gerne zur Auskunft bereit. Das Wirtschaftsministerium schreibt: "Schottergärten sind aktuell baurechtlich nicht verboten, sie fallen unter „zulässige Verwendung“ (…) Bereits bestehende Schottergärten bleiben (…) zulässig, wenn sie es vorher schon waren – Eigentümer brauchen hier nichts zu machen, insbesondere nicht zurückbauen. Schottergärten haben demnach Bestandsschutz."

Umweltministerium: nur ganz alte Schottergärten bleiben zulässig

Puh, wird Herr Meier erleichtert seufzen. Aber beim Umweltministerium klingt die Sache ganz anders:

"Illegale Zustände genießen keinen Vertrauensschutz. (…) Der Hauseigentümer muss daher – sofern er nicht ganz alte Schottergärten hat – diese, da illegal, von sich aus beseitigen. Sonst muss er damit rechnen, dass Kontrollen stattfinden und Anordnungen getroffen werden können."

Uneinigkeit in den Ministerien? Aber nein!

Sind sich die Ministerien da etwa uneinig in der Auslegung? Nein! Das Umweltministerium beruhigt: Es gibt diesbezüglich keine unterschiedlichen Auffassungen.

Gut! Dann bin ich zuversichtlich, dass all die Besitzer von Schottergärten ihre Steinwüsten – vielleicht, möglicherweise, eventuell – schon bald renaturieren – und dass die Behörden vor Ort das auch kontrollieren werden – oder auch nicht!

Schottergarten bei Papenburg (Foto: Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Janson)
Eigentlich sind Schottergärten in Baden-Württemberg bereits seit den 1990er Jahren durch die Landesbauordnung untersagt. — Im Bild: Ein wenig Alibi-Grün um den Schottergarten soll zum Verweilen einladen (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Janson Bild in Detailansicht öffnen
Da jedoch kaum Kontrollen stattfinden und sich die Mode der Schottergärten erst vor einiger Zeit wieder stärker ausgebreitet hat, sind sie aktuell noch sehr weit verbreitet. — Im Bild: Schottergarten bei Vechta (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Freiwald/ Gärten des Grauens Bild in Detailansicht öffnen
Wenn die Novelle des Naturschutzgesetzes wie geplant von der grün-schwarzen Landesregierung vorangeht, werden lediglich die Schottergärten Bestandsschutz genießen, die bereits vor den 1990er Jahren angelegt wurden. — Im Bild: Gartenbank im Shabby-Look auf Lavagestein vor lila Hauswand mit Herzchendeko im Fenster (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Maerker Bild in Detailansicht öffnen
Neuere Schottergärten müssten dann wieder renaturiert werden, beziehungsweise in Grünflächen umgewandelt — sonst drohen den Besitzer*innen Kontrollen und Anordnungen. — Im Bild: 30 Jahre sollst du halten? Kreativ angelegter Kiesgarten mit Tierwelt aus Kunststoff bei Winnweiler (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / P. Sie Bild in Detailansicht öffnen
Der Landwirtschafts- und Umweltausschuss tagen Mitte Juli, dort wird die Gesetzesnovelle besprochen. geplant ist, dass die Änderungen im Naturschutzgesetz noch vor der Sommerpause beschlossen werden können. — Im Bild: Schön symmetrisch verlängert der Gabionenzaun den Schottergarten in die Vertikale (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Tillkorn Bild in Detailansicht öffnen

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