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Strom aus Fensterläden

Neue Solartechnik Strom aus Fensterläden

Immer öfter achten Bauherren und Vermieter beim Bauen oder Sanieren ihrer Immobilien auch auf die Energie-Effizienz. Sei es durch das Dämmen der Fassade, durch Solarthermie - oder Photovoltaik auf den Dächern, durch Wärmepumpen oder sonstige Energie einsparende Technologien oder Baustoffe. Doch was, wenn ein Haus beispielsweise unter Denkmalschutz steht? Alicia Rust hat mit Astrid Schneider über die Erfindung der "solaren Fensterläden" gesprochen.

Von der Ferne mutet das Schnitter-Haus im Uckermärkischen Dorf Nechlin wie ein frisch saniertes historisches Gebäude an. Ein kleines ovales Dachfenster lugt unter einem spitz zulaufenden Giebel hervor. Die Fassade ist pfirsichfarben getüncht, dazu weiße Holzfenster, eingerahmt von Fensterläden.

Strom aus dem Laden

Erst der zweite Blick verrät: Die Historische Fassade birgt auch einiges an Hochleistungstechnologie. Solare Fensterläden zum Beispiel. Astrid Schneider hat sie erfunden. Sie findet es spannend, Bauteile zu entwickeln, die Solarenergie gewinnen, vor allem bei historischen Bauten.

Anders als bei herkömmlichen Fensterläden aus Holz birgt der solare Fensterladen auch noch eine komplizierte Mechanik, die über die Jahre hinweg immer wieder optimiert werden musste

Anders als bei herkömmlichen Fensterläden aus Holz birgt der solare Fensterladen auch noch eine komplizierte Mechanik, die über die Jahre hinweg immer wieder optimiert werden musste

Seit über 2 Jahrzehnten beschäftigt sich die Berliner Architektin mit der Solarenergie. Etliche Dächer und Fassaden hat sie bereits mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Auch das Solare Regierungsviertel in Berlin hat sie mit initiiert. Immer stand bei ihrer Forschung und Entwicklung die Gewinnung von sauberem Sonnenstrom im Vordergrund.

Bei den Solaren Fensterläden zählt aber vor allem das Aussehen. Quell der Inspiration war eine Reise nach Bella Italia, denn in Italien gibt es wunderschöne Fensterläden, und gerade Küstenstädte bieten zum Meer und zum Licht hin eine riesige Front aus Fensterläden.

Front der Stromerzeuger

Bis aus der ersten Idee aber ein funktionsfähiges Produkt wurde, sollte noch ein Jahrzehnt vergehen. Anders als bei herkömmlichen Fensterläden aus Holz birgt der solare Fensterladen auch noch eine komplizierte Mechanik, die über die Jahre hinweg immer wieder optimiert werden musste. Erst jetzt sagt die Architektin, sei er – ausgestattet mit 3 schwenkbaren Hebeln - wirklich ausgereift und vor allem: stabil.

Seit über 2 Jahrzehnten beschäftigt sich die Berliner Architektin Astrid Schneider mit der Solarenergie

Seit über 2 Jahrzehnten beschäftigt sich die Berliner Architektin Astrid Schneider mit der Solarenergie

Durch einen besonderen Klappmechanismus bleibt die Solarzellenseite immer zur Sonne gewandt, egal ob der Fensterladen geschlossen oder offen ist. So schützt man sich vor übermäßiger Solareinstrahlung und Überwärmung des Raumes. Außerdem gibt es eine zweite Einstellung die dazu führt, dass der Fensterladen circa 15 Zentimeter vor der Fassade ist, dadurch entsteht der sogenannte Kamineffekt entsteht, bei welchem die Wärme nach oben weg zieht.

Für den Fall eines Sturmes gibt es extra Verriegelungen, außerdem sind die Glasmodule mit einer schützenden Folie laminiert. Dies schützt wie Sicherheitsglas gegen herum fliegende Äste genauso wie gegen Einbrüche. Verschattung, natürliche Lüftung, Einbruchschutz. Ganz preiswert ist so ein solarer Fensterladen allerdings nicht.

Eigene Maße

Da Fassadenelemente immer maßspezifisch gefertigt werden, kann man mit den solaren Fensterläden in keine besonders große Produktion gehen. Das ist ein individueller Markt und deswegen ist der solare Fensterladen auch im Endeffekt so etwas wie ein Maßwerk. Es ist eine Maßanfertigung und natürlich dadurch auch teurer als klassische Standardmodule.

Dach mit Solarfenstern

Die Solar-Branche spekuliert darauf, dass künftig noch effizientere Zellen auch bald "gedruckt" werden könnten

Doch gerade in südeuropäischen Ländern würde sich der Verbau von solaren Fensterläden lohnen. Das Frauenhofer-Institut rechnet in einer aktuellen Studie vor, dass Solarstrom in den kommenden Jahrzehnten die preiswerteste Stromerzeugungs-Methode auch in Deutschland werden wird.

Auch spekuliert die Branche beispielsweise darauf, dass künftig noch effizientere Zellen auch bald "gedruckt" werden könnten. Und dann – so die berechtigte Hoffnung - könnten auch maßangefertigte Bau-Elemente für den Eigenbedarf erschwinglicher werden.

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