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Zwei Spaziergänger blicken beim Gehen auf ihr Handy

Gehen, tippen, klicken und wischen Extra Fußweg für Smartphone-Nutzer

Fußgänger leben gefährlich - das ist im Straßenverkehr ja hinlänglich bekannt. Neben Kampf-Radlern, Fahr-Anfängern und SUV-Besitzern hat sich in den letzten Jahren aber noch ein neuer Fußgänger-Feind im Straßenverkehr etabliert: das Smartphone…

Der neue Hans-guck-in-die-Luft

Menschen starren in ihr Smartphone und rennen gegen Straßenschilder.

Junger Mann in der Fußgängerzone blickt auf sein Handy

Auch Handys haben einen toten Winkel.

Sie fallen in Blumenbeete und Springbrunnen, sie rempeln alte Omis um oder stehen plötzlich einem Grizzly-Bären gegenüber, den sie gar nicht haben kommen sehen. Auf Youtube kann man sich von den Gefahren des mobilen Klickens und Wischens ein eindrückliches Bild machen: Es ist wie klassischer Slapstick ergänzt durch neue Kommunikations-Technologie - eine moderne Variante des Hans-guck-in-die-Luft.

Handy-Opfer in der Notaufnahme

Aber das Lachen kann einem auch vergehen, denn Smartphones sind auf Bürgersteigen und in Fußgängerzonen tatsächlich ein Verletzungs-Risiko geworden. Die Universität Ohio hat in den amerikanischen Notaufnahmen nachgefragt: Im Jahr 2010 wurden 1.500 Smartphone-Opfer eingeliefert. Das waren sechs Mal mehr als noch 2005. In Deutschland werden keine solchen Zahlen erhoben, Experten vermuten aber auch hier eine beachtliche Dunkelziffer in der Unfall-Statistik.

Heißt das jetzt – "Handy weg" beim Rumlaufen?

Nein, keine Sorge… Zu den mobilen Kommunikations-Technologien werden nämlich auch passende Verkehrs-Technologien entwickelt:

Gehweg-Spur für Smartphone-Junkies

Die chinesische Millionenstadt Chongqing hat jetzt den ersten exklusiven Handy-Fußweg eingerichtet. Also so was wie ein Fahrradweg, nur für Smartphone-Autisten.

Zwei Geh-Spuren auf dem Bürgersteig: einmal mit, einmal ohne Handy!

Links ohne, rechts mit: Handy-Spur auf dem Gehweg von Chongqing.

Leicht zu erkennen an einem großen, aufgemalten Handy. Und damit man auch mit gesenktem Haupt mitkriegt, wo‘s lang geht, weisen Pfeile die Laufrichtung. Smartphone-Junkies können so in aller Ruhe Nachrichten lesen, whats-appen und twittern, ohne sich die Köpfe einzurennen. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt auch regelmäßig nachsieht, ob nach Bauarbeiten auch alle Kanaldeckel geschlossen sind…

Passanten auf dem exklusiven Handy-Fußweg in Chongqing

Wer Zusammenstöße vermeiden will, muss sich an die Laufrichtung halten.

Apps für Transparenz und Seelenfrieden

Für den Fall, dass nicht, können sich Kommunikations-Nerds aber noch eine zusätzliche App installieren. Die heißt "Transparenter Bildschirm" und macht es möglich, dass man auf dem Display sieht, was das Handy eigentlich verdeckt. Die Kamera filmt Laternenpfähle, Bordsteinkanten, Grizzly-Bären und legt die Aufnahme wie einen Hintergrund unter die anderen Programme. Wenn hinter der eben geschriebenen Facebook-Nachricht also plötzlich ein Schlagloch erscheint, kann der Nutzer – hoffentlich – noch rechtzeitig stehen bleiben. Wem selbst das nicht weit genug geht, dem sei die japanische App "Anshin" empfohlen: "Anshin" bedeutet Seelenfrieden und blockiert das Smartphone, sobald es wackelt.

Texting while Walking

Screenshot aus dem Youtube-Video von Casey Neistat

"Texting while Walking" - Handy-Lehrgang mit Casey Neistat

Lang kann es nicht mehr dauern, bis Handy-Wege auch Europa erobern. Bis es soweit ist, zeigt Video-Künstler Casey Neistat auf Youtube, wie man auf dem Gehweg sicher seine Emails checkt: Einen beherzten Schritt zur Seite machen, sich mit dem Rücken an die Hauswand stellen und dann fröhlich klicken und wischen.

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