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Ob Zwangsprostituierte oder Arbeitskräfte, die befristet in der Landwirtschaft schuften – auch in Deutschland gibt es Beschäftigungsverhältnisse, die an Sklaverei erinnern. Neu ist, dass die Menschen die Arbeitsstelle meist freiwillig antreten. Dann aber sind sie völlig rechtlos. Sie arbeiten lang, verdienen wenig, sind nicht sozial abgesichert, manchen droht Gewalt.

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Vereinte Nationen: Zwangsarbeit, Menschenhandel, Vertragssklaverei weltweit

Laut den Vereinten Nationen gibt es alte und moderne Sklavereien bis heute überall auf der Welt. Von Zwangsarbeit über Menschenhandel, Schuldknechtschaft bis zu Vertragssklaverei.

Erntehelfer bricht im Schwarzwald in der Sommerhitze zusammen und stirbt

Am 7. Juni 2014 bricht der rumänische Erntehelfer Pietru B. auf einer Wiese im Breisgau-Hochschwarzwald bewusstlos zusammen und wacht nie wieder auf. Er stirbt nach tagelangem Koma an einem Multiorganversagen als Folge übermäßiger Hitzeeinwirkung im Uniklinikum Freiburg.

Der Prozessbeginn gegen den Arbeitgeber, einen Winzer und Landwirt, schleppt sich bis 2018. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen eine Zahlung von 6.000 Euro an die Witwe und 2.000 Euro an die Staatskasse aus Mangel an Beweisen eingestellt. Der Landwirt entgeht so einer Vorstrafe. Doch Fragen bleiben: Wie ist es möglich, dass mitten in Deutschland Ausbeutung Züge annimmt, die in den Tod führen?

Im Akkord und ohne technische Hilfsmittel hatte Pietru B. zusammen mit seinem Schwager für sechs Euro die Stunde Heuballen bis auf eine Höhe von sieben Lagen auf Anhänger gestapelt. Insgesamt 800 bis 900 Stück mit einem Einzelgewicht von etwa 20 kg. Morgens hatten die beiden Erntehelfer aus Rumänien bereits im Weinberg gearbeitet.

An diesem Nachmittag im Juni klettern die Temperaturen laut Deutschem Wetterdienst auf konstant 31° C, bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 30 Prozent ist es nahezu windstill. Die Staatsanwaltschaft wirf dem Landwirt vor, witterungsbedingte Gesundheitsgefahren nicht berücksichtigt, nicht ausreichend Flüssigkeit bereitgestellt und trotz Bitten keine Pausen gewährt zu haben.

Sklaverei: rechtlich, aber nicht faktisch abgeschafft

Sklaverei ist weltweit verboten. Menschenrechtler und Historiker sind sich weitgehend einig: Die Abschaffung der alten Sklaverei markiert eine Zäsur. Im 20. Jahrhundert hieß es sogar, sie sei gänzlich abgeschafft. Wir denken dabei an Sklaven in der römischen Antike, an die Versklavten in den europäischen Kolonien und im Süden der USA.

Doch die Gegenwart lehrt: Die rechtliche bedeutet nicht unmittelbar die faktische Abschaffung von Sklaverei und sklavereiähnlicher Verhältnisse. Die Vereinten Nationen sagen, dass es alte und moderne Sklavereien bis heute überall auf der Welt gibt.

Die Ursachen sind vielfältig: wirtschaftliche Ausbeutung bei einvernehmlicher Unterbezahlung, Kontrolle durch Gewalt, Hilflosigkeit, Mangel an Alternativen, Schulden, soziale Marginalisierung der Betroffenen und die Macht der Profiteure, zu täuschen und Arbeitsbedingungen jenseits legaler Verträge durchzusetzen.

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