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INTERVIEW

Shutdown und Lockdown sind Wörter, die während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Gemeint ist mit beiden Begriffen das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens. Sprachforscherin Annette Klosa-Kückelhaus erklärt, was es damit auf sich hat.

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Der „Shutdown“

Das englische Wort „shutdown“ sei eigentlich ein Verb, so Klosa-Kückelhaus, und bedeute „abschalten“ oder „herunterfahren“ des Computers. Ursprünglich aus der IT-Fachsprache, wo es das Zusammenbrechen digitaler Prozesse bezeichnet, wird es jetzt auf den gesellschaftlichen Zustand übertragen – und bezeichnet dann die Quasi-Stilllegung des gesellschaftlichen Lebens.

Dr. Annette Klosa-Kückelhaus (Foto: A. Trabold, IDS)
Dr. Annette Klosa-Kückelhaus A. Trabold, IDS

Andere Beispiele für Wörter aus der Fachsprache, die durch die Corona-Krise in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind, findet man in der Epidemiologie: Infektionsketten, Aerosole, Risikogruppen oder Mund-Nasen-Schutz. Die Krise habe besonders anschaulich gezeigt, wie konkrete Ereignisse in der Welt unsere Sprache und unseren Sprachgebrauch beeinflussen, so Klosa-Kückelhaus.

Der „Lockdown“

Vom „Shutdown“ klar abzugrenzen ist der „Lockdown“. Dabei handelt es sich im englischen Original um das Inkrafttreten bestimmter Sicherheitsmaßnahmen im Falle eines Attentats oder eines Amoklaufes. Mithilfe dieser Sicherheitsmaßnahmen werden bestimmte Zonen abgeriegelt, sodass die Bevölkerung sich dort nicht mehr frei bewegen kann. Solch eine Bewegungseinschränkung durch Zwangsmaßnahmen gibt es beim „Shutdown“ nicht.

Kann man das nicht auf Deutsch sagen ...?

Generell gebe es einen Trend, englische Begriffe im Deutschen zu verwenden, erklärt die Sprachforscherin, oftmals gebe es vielleicht kein gutes deutsches Wort dafür – andererseits könne durch ein englisches Wort natürlich auch manches verschleiert werden, weil es viel schicker als das deutsche Pendant wirke. Inzwischen sind sowohl „Shutdown“ als auch „Lockdown“ aber in der deutschen Sprache angekommen: Sie sind in der Orthographie an deutsche Namenwörter angepasst mit Großbuchstaben, haben ein grammatikalisches Geschlecht erhalten und können je nach Anwendung im Satz angepasst werden.

Verschwinden diese Wörter auch wieder?

Insgesamt hänge dies natürlich von der Weiterentwicklung der Corona-Krise ab, meint Annette Klosa-Kückelhaus. Als historische Referenz in Erinnerungen („weißt du noch, damals im Shutdown 2020?“) werden sie uns aber auf jeden Fall noch eine Weile begleiten.

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Den besonderen Einfluss der Corona-Pandemie auf den Sprachgebrauch untersucht das IDS mit einer thematisch sortierten Wörter-Liste rund um Corona: Von Abstandsjubeltanz bis Zoomfatigue spiegelt sich darin die Pandemie-Erfahrung der deutschsprachigen Bevölkerung.

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