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Ein Bauer in Bali erntet Seegras

Wiesen unter Wasser Seegras ist bedroht

Schuld ist vor allem die Verschmutzung

Seegras verschwindet weltweit fast so schnell wie der Regenwald. Dabei sind die Unterwasser-Wiesen wichtig für das ökologische Gleichgewicht. SWR2 Impuls sprach mit Tobias Dolch vom Alfred-Wegener-Institut.

Seegras steht nicht gerade im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit. Ich habe das Seegras auch immer übersehen, war das ein Fehler?

Da sind Sie gar nicht alleine; wer weiß schon etwas über Seegras?! Man hat in der Tat das Seegras viel zu oft übersehen, besonders seine ökologische Funktion, aber ich denke, das wird sich hoffentlich bald ändern.

Wo kommen Seegraswiesen vor?

Sie kommen in Meeren vor, das heißt: Seegras braucht Salzwasser; es sind Pflanzen, sie brauchen also viel Licht, kommen eher im Flachwasser vor und sie haben Wurzeln, deshalb benötigen sie sandige Küsten, wo diese Wurzeln Halt finden. Seegras kommt also eigentlich an allen sandigen flachen Küsten vor, da ist es die dominierende Pflanze, und prinzipiell kann man sagen: Seegras kommt in den Tropen und in den gemäßigten Zonen vor.

Dünen mit Seegras

Dünen mit Seegras

Wie werden diese Wiesen gemäht?

Es gibt ganz unterschiedlichen Arten von Seegras, solches, das einfach immer kurz bleibt und solches, das fast einen halben Meter Höhe erreichen kann. Die einzigen Tiere, die so etwas „mähen“, sind Zugvögel auf ihrer Reise in den Süden, die machen Halt im Wattenmeer und fressen sich gut mit Seegras voll. In den Tropen sorgen Schildkröten und Seekühe dafür, dass das Gras kurz bleibt. Diese Graswiesen sind sehr wichtig, sie dienen darüber hinaus vielen Fischarten als Laichplatz und Versteck;sie sind ein Lebensraum für Krebse und Muscheln. Tropische Seegraswiesen schützen Korallenriffe, indem sie das Wasser sauber und nährstoffarm halten.

Es gibt eine besorgniserregende Zahl: Sieben Prozent der Fläche der Seegraswiesen verschwinden pro Jahr weltweit, stimmt die Zahl?

Leider Gottes, ja! Das ist eine Verlustrate, die vergleichbar ist mit der von Mangrovenwäldern oder Korallenriffen, mit dem Unterschied, dass die Öffentlichkeit sich selten um das Seegras kümmert. Diese Wiesen sind also weltweit stark gefährdet. Es gibt viele Gründe dafür. Es ist einmal die Zerstörung des Lebensraums, weil in Küstennähe gebaut wird, weil Gebiete eingedeicht werden, Seegras wächst eben am Ufer, und da ist auch der Mensch aktiv.

Seegras ist sehr sensibel, die Pflanze reagiert sofort auf Verschmutzungen des Wassers, sie reagiert zum Beispiel auf zu viele Nährstoffe, das verträgt sie überhaupt nicht. Da geht es eben um ein Überangebot der Nährstoffe Stickstoff und Phosphor, die gelangen zum Beispiel als Einträge aus der Landwirtschaft, aus kommunalen Kläranlagen, aus der Industrie und aus dem Verkehr über die Flüsse in die Meere und das führt dort zu einem erhöhten Wachstum der einzelligen Algen, dem Phytoplankton. Das Wasser wird oft grün gefärbt, deshalb kommt auch nicht mehr so viel Licht bei der Pflanze an, auch darauf reagiert sie empfindlich. Ein weiteres Problem in anderen Regionen ist auch die Ernte von Seegras.


Wie sieht das im Wattenmeer aus?

Im nördlichen Wattenmeer, das ist nördlich von Schleswig Holstein, da haben sich die Bestände erholt und regeneriert, vorher waren sie auch dort durch zu viele Nährstoffe im Wasser bedroht, man hat das früh erkannt und dafür gesorgt, dass die Nährstoffeinträge zurückgefahren wurden. Darauf hat das Seegras mit einer Verzögerung von 10 Jahren positiv reagiert, und es gab einen stetigen Anstieg der Seegrasfläche, die hat sich verfünffacht, jetzt ist das stabil. Da kann man also Entwarnung geben, aber eben leider nicht überall auf der Welt.