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Meine kleine Farm Schweinefleisch mit Gesicht

"Meat on a mission" – Fleisch, das die Welt zu einem besseren Ort machen und gleichzeitig gut schmecken soll – Mit seinem Unternehmen "Meine kleine Farm" will der Biologe und Online-Fleischhändler Dennis Buchmann Verbraucher auf den ökologisch korrekten Geschmack bringen. Von seinem "Wurstbüro" in Berlin-Neukölln aus verschickt er "Schweinefleisch mit Gesicht".

Dennis Buchmann ist Gründer der Internetseite "Meine kleine Farm"

Dennis Buchmann ist Gründer der Internetseite "Meine kleine Farm"

Besonders lustig sieht zum Beispiel die Nummer 47 aus und hier etwas mozartartig, das war die 43 – mit den gelockten Ohren und dem weißen Fell…
Dennis Buchmann zeigt schmunzelnd auf ein Plakat mit 100 Schweinegesichtern – Gesichter von bereits Verwursteten… die aber – das ist deutlich an schlammverkrusteten Schnauzen und fröhlich blitzenden Augen zu sehen – glückliche Schweine waren.
Wir fahren jetzt zu Bauer Schulz, das ist der Bauer mit dem alles angefangen hat, der als erster mitgemacht hat
Das "Chefschwein" - wie sich Dennis Buchmann selbst nennt - verlässt sein Berliner "Wurstbüro" heute in Richtung Gömnigk, einem kleinen Ort in Brandenburg – eine Autostunde südwestlich von Berlin. Seit Gründung 2011 ist seine Firma "Meine kleine Farm" auf vier Mitarbeiter angewachsen und schreibt schwarze Zahlen.

"Meine kleine Farm" ist Fleischkonsum mit Verantwortung

Angefangen hat alles an der Humboldt Viadrina School of Governance, jeder Student musste ein Projekt haben mit einem gesellschaftlichen Anliegen. Mein gesellschaftliches Anliegen war, Leute dazu zubringen, weniger Fleisch zu essen, aber Besseres, denn der hohe Fleischkonsum ist ein großes Umweltproblem und ein ethisches Problem, wenn man sich die Massentierhaltung anguckt.

Aufkleber

Etikett einer Schlackwurst von Schwein Nummer 2

Der große Blonde aus dem Norden plädiert deshalb für die Wiedereinführung des Sonntagsbratens - weg vom ungesunden Billigfleisch-Konsum.

Neues Bewurstsein durch "Meine kleine Farm"

Wir haben einen Aufkleber gedruckt, da steht drauf: Karl Marx sagte: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Wir sagen: Das Schwein bestimmt das Bewurstsein.
Weniger ist mehr: Das ist die Botschaft des 36-Jährigen studierten Biologen. Mit Aufklebern wie "Nice to meet you", wenn sich Schwein und Rind in einer Salami treffen, liefert Buchmann noch ein Portion Humor dazu. Was ihn noch von anderen Biofleisch-Vermarktern unterscheidet, ist ein Höchstmaß an Transparenz. Die Fotos der jeweiligen Tiere werden vor der Schlachtung ins Netz gestellt:

Schwein

Schwein Nummer 5

Das funktioniert so, dass man auf der Website sich Produkte aussucht und dann sagt: Ok von Schwein 135 hätte ich gerne Leberwurst und von Schwein 137 nehme ich noch die Bockwurst dazu…dann gibt es noch Frischfleisch, das läuft dann über einen Newsletter, wo Leute vorab eine Mail bekommen, wo das Datum mitgeteilt wird, wann das Schwein geschlachtet wird und dann bestellen sie Schnitzel, Bratwürste, Rippchen oder was sie haben wollen.

Schweineversteher Bernd Schulz

Bio-Bauer Bernd Schulz im Freilandgehege

Bernd Schulz im brandenburgischen Gömnigk ist einer von vier Biobauern, die Fleisch für Dennis Buchmann produzieren. Auf 35 Hektar Land haben seine 380 Schweine Auslauf bis zum Horizont. Susi das Sattelschwein ist bald dran, aber trotzdem gut drauf. Bauer Schulz: das heißt übrigens, wenn der Schwanz so hin und her schlägt: Ihr könnt mich mal! Bernd Schulz ist nicht nur Schweineversteher sondern auch bekennender Biobauer. Seine Säue werden acht bis neun Monate alt, fressen Biofutter ohne Antibiotika, dürfen auf der Wiese grasen und im Schlamm wühlen, bevor sie geschlachtet werden.

Qualität hat ihren Preis

Anfangs war Bernd Schulz skeptisch gegenüber Buchmanns Idee: Weil ich das ein bisschen verrückt fand – muss ich ehrlich sagen, aber nun unterstütze ich das. Als ehemaliger Tierzuchtleiter einer großen Schweineanlage, wo ich selber zu DDR-Zeiten diese Größenordnungen gewöhnt war, möchte ich zeigen, dass es auch andere Wege gibt, Schweine zu produzieren, was für Mensch und Tier eine Bereicherung ist und eine positive Entwicklung darstellt.

Massenware Wurst

Massenware Wurst

Das hat seinen Preis. Die Fleischprodukte von "Meine kleine Farm" sind doppelt so teuer, wie Billigfleisch beim Discounter. Dennis Buchmanns Kunden nehmen das in Kauf und haben - wie der Berliner Markus Jo - Wege gefunden, das auszugleichen: Die Strategie dabei ist: Weniger zu konsumieren. Ich habe früher nur im Supermarkt Fleisch eingekauft und kaufe dort so gut wie gar nicht mehr ein und dieses Geld hebe ich mir auf und spare es an für ab und an einer Leberwurst im Glas oder Frischfleisch fürs Grillen bei meine kleine Farm.

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