Corona-Pandemie

Schwedische Schulen: Normalbetrieb ohne Masken und Tests

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

In Schweden geht der Unterricht wieder los. Jetzt dürfen auch die Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangstufe 10 wieder in den Unterricht zurückkehren. Keine Maske, kein ständiges Lüften, keine Tests: Schule während der Pandemie sieht in Schweden anders aus.

Audio herunterladen (3 MB | MP3)

Auch ältere Schüler*innen kehren in die schwedischen Schulen zurück

Zehn Wochen Sommerferien sind vorbei, jetzt ist wieder Frühaufstehen angesagt. Für die Jahrgangsstufen eins bis neun ist das nichts Besonderes. Sie sind fast durchgehend während der Pandemie in den Schulen unterrichtet worden.

Nun dürfen aber auch die Jugendlichen ab Jahrgangsstufe zehn wieder in die Klassenräume zurückkehren, nach mehreren Monaten im Distanz- oder Wechselunterricht.

Madeleine Heiman ist Rektorin des Stockholmer St: Eriks Gymnasium, einer Schule mit gut 1.500 Schülerinnen und Schülern: "Ja, wir sind viele hier an der Schule, aber wir können die empfohlenen Maßnahmen umsetzen. Zum Beispiel werden wir die Essenszeiten ausweiten, damit sich nicht zu viele Schüler gleichzeitig in der Kantine aufhalten. Und wir versuchen, in den Räumen mit Abstand zu möblieren, soweit es möglich ist."

Das Tragen eines Mundschutzes war und ist in schwedischen Schulen kein Thema. Nach Einschätzung der Gesundheitsbehörde sei das keine wirkungsvolle Maßnahme. Auch werden Schülerinnen und Schüler nicht getestet. Derzeit steigen in Schweden die Infektionszahlen wieder an. Betroffen sind vor allem die Jungen zwischen zehn und 29 Jahren. Trotzdem hält Sara Byfors von der Gesundheitsbehörde die Entscheidung weiterhin für richtig, die Schulen komplett zu öffnen: "Es gibt mehr Vorteile als Risiken. Und man darf nicht vergessen, dass Kinder und Jugendliche selten ernsthaft an Covid-19 erkrankt. Außerdem hatten die meisten Eltern und Lehrer ausreichend Zeit, sich impfen zu lassen. Natürlich kann es Gründe geben, warum man das nicht konnte oder wollte. Aber die Möglichkeit gab es."

Sara Byfors von der schwedischen Gesundheitsbehörde hält es für richtig, die Schulen komplett zu öffnen, da Kinder und Jugendliche seltener ernsthaft an Covid-19 erkrankten (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / TT NYHETSBYR?N | Christine Olsson)
Sara Byfors von der schwedischen Gesundheitsbehörde hält es für richtig, die Schulen komplett zu öffnen, da Kinder und Jugendliche seltener ernsthaft an Covid-19 erkrankten picture alliance / TT NYHETSBYR?N | Christine Olsson

In einigen Regionen in Schweden sollen direkt zum Schulstart mobile Impfteams in die Schulen kommen, um alle, die eine Impfung wünschen, dort zu versorgen. Impfungen werden in Schweden ab 16 Jahren empfohlen, darunter nur für Kinder, die zu einer Risikogruppe gehören.

Nicht alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind von der schwedischen Strategie mit den offenen Schulen überzeugt. Hugo Lagercrantz zum Beispiel, lange Jahre leitender Kinderarzt eines Stockholmer Krankenhauses: "Warum sollen Kinder nicht genauso behandelt werden wie Erwachsene? Es wird gesagt, Kinder würden nicht besonders krank. Aber das stimmt nicht. Wir haben einige Fälle von Hyperinflammation. Das ist eine schwere Erkrankung. Außerdem noch zahlreiche Fälle von Long Covid und erkrankte Kinder leiden. Covid ist keine einfache Erkältung."

In der Region Stockholm haben nach Schätzungen etwa 300 Kinder die Diagnose Long Covid erhalten. Davon geht Joachim Luthander aus, einer der Ärzte der Long-Covid-Ambulanz im Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus. Er blicke besorgt auf den Herbst mit einer sich ausbreitenden Delta-Variante, die Kinder stärker betreffe. Gleichzeitig findet er trotzdem: Schulen offen halten sei die bessere Alternative: "Bisher zeigt die Erfahrung, dass Covid bei Kindern und Jugendlichen mild verläuft, auch wenn wir viele Patienten sehen, die hart von Long Covid oder Hyperinflammation betroffen sind. Auf der einen Seite will man sie also vor ernsthaften Komplikationen schützen. Auf der anderen Seite trifft es sie aber auch hart, nicht in die Schule zu gehen und ein Sozialleben zu haben. Deshalb bin ich trotz allem der Meinung, dass man zum Schulgang ermuntern sollte."

Corona in Schweden

Corona weltweit Corona in Schweden: "Teils gab es wöchentlich neue Regeln"

Corona weltweit | Schweden gilt den Kritikern der Corona-Maßnahmen in Deutschland als positives Beispiel. Hier gab es erheblich weniger Einschränkungen in Schule und Alltag, nur Empfehlungen. Doch auch in Schweden gab es Diskussionen über den Sonderweg des Landes durch die Pandemie.
Ralf Caspary im Gespräch mit ARD-Korrespondentin Sofie Donges
http://swr.li/corona-weltweit-schweden  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Schweden: Spezialstation für Kinder mit Covid-Langzeitfolgen

Kopfschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit: Allein in Stockholm zeigen über 200 Kinder Spätfolgen von Covid-19. In einem Krankenhaus gibt es inzwischen eine Spezialstation für diese Kinder. In Schweden waren Grundschulen während der Corona-Pandemie geöffnet.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Jugendliche gegen Covid-19 impfen oder nicht? – So sieht man es im Ausland

Sollten wir auch Kinder gegen das Coronavirus impfen? Die Debatte hat in Deutschland gerade erst begonnen. In vielen Ländern impft man Jugendliche bereits oder plant die Impfungen zumindest. Eine Übersicht über die Argumente in Schweden, Polen, Frankreich und Israel.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Pandemie Corona in Schweden: Der Sonderweg ist gescheitert

Schweden hat deutlich weniger einschneidende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen als andere Länder. Dieser Weg ist gerade angesichts steigender Infektionszahlen und Sterbefälle hoch umstritten.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Corona in Island

Coronavirus Island: Hohe Impfquote, aber die Pandemie ist nicht vorbei

Manche Virologen sprechen von einer Warnung für Deutschland. Obwohl in Island europaweit am meisten Menschen gegen Covid-19 geimpft sind, etwa 80 Prozent der Erwachsenen, erlebt die Insel die bisher schlimmste Infektionswelle während der Pandemie.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Schule: aktuelle Beiträge

Mannheim

Computer Lust auf Coding: So will die EU Jugendliche zum Programmieren bringen

Lesen, schreiben, rechnen – und programmieren. Das sollte heutzutage Grundwissen sein. Aber gerade gegenüber dem Coding gibt es noch gewisse Berührungsängste. Deshalb wirbt die EU jetzt mit einer Code Week für das Programmieren, zum Beispiel am Mannheimer Technoseum.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Bildung Mädchenschulen – Ohne Jungs zum Lernerfolg

Knapp 130 Mädchenschulen gibt es in Deutschland. Die meisten davon im Süden. Ursprünglich dienten sie Töchtern aus reichen Familien und verschafften Frauen Zugang zu höherer Bildung. Heute sind sie offen für alle Mädchen und gelten als ein pädagogisches Auslaufmodell. Allerdings haben sie auch Vorteile. Von Dorothea Brummerloh. | Manuskript und Quellen zur Sendung: http://swr.li/maedchenschulen | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Naturwissenschaften Science on Stage Festival: MINT-Fächer interessanter machen

Mathematik und andere Naturwissenschaften gehören oft nicht zu den Lieblingsfächern der Schüler*innen in Deutschland. Das Science on Stage Festival an der PH Karlsruhe will das ändern und bietet Raum für kreative Projektideen, Experimente und Unterrichtskonzepte.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Coronavirus: aktuelle Beiträge

Medizin So ergeht es dem Pflegepersonal in deutschen Kliniken

Die Corona-Pandemie zeigt es erneut: Die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals in deutschen Krankenhäusern ist meist enorm. Was sind mögliche Lösungen? Antworten dazu und zu anderen Themen rund um Corona liefert der SWR1 Podcast „Die Corona-Helfer*innen“ mit Dr. Nabil Atassi.
Christoph König im Gespräch mit dem Arzt und Journalisten Dr. Nabil Atassi  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gesundheit Vitamin-D-Präparate – Wem nützen sie wirklich?

Jeder zweite Deutsche hat einen Vitamin-D-Mangel. Aber sind wir deshalb anfälliger für bestimmte Krankheiten? Neueste Studien zeigen, dass bei schweren Verläufen von Covid-19 häufig ein Vitamin-D-Mangel diagnostiziert wird – was bedeutet das? Die Corona-Pandemie hat der Vitamin-D-Forschung auf jeden Fall einen Schub verpasst. Von Julia Smilga. | Manuskript und Quellen zur Sendung: http://swr.li/vitamin-d | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Corona-Pandemie Wie hoch ist die Impfquote in Deutschland wirklich?

Immer wieder gibt es Unklarheiten über die Corona-Impfquote: Das Robert Koch-Institut geht nach Umfragen davon aus, dass unter Erwachsenen bis zu 84 Prozent mindestens einmal geimpft sind. Das wären vier bis fünf Prozentpunkte mehr als nach offizieller Statistik bekannt.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

ReiseWissen Nordeuropa

In diesem Jahr geht es nach Nordeuropa? Mit unseren Sendungen können Sie sich einstimmen und informieren: über die Digitalisierung in Estland, die rätselhafte Isdal-Frau oder Expeditionen nach Grönland.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG