Medizin

Schweden: Spezialstation für Kinder mit Covid-Langzeitfolgen

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Grundschüler mit Long Covid

Julia und ihre Mutter Malin gehen im Wald spazieren. Nur eine kleine Runde und nicht besonders schnell. Die Neunjährige leidet seit einem Jahr an den Folgen ihrer Corona-Infektion. Körperliche Anstrengung ist für die Grundschülerin immer noch eine Herausforderung.

„Ich muss oft viel husten, habe Kopf- und Halsschmerzen und auch Bauchschmerzen.“

Die ganze Familie infizierte sich im März 2020 mit dem Coronavirus. Während die Eltern ein paar Tage im Bett bleiben mussten, hatten beide Kinder nur leichte Verläufe.

Doch Julia wurde seitdem nicht mehr richtig gesund. Und auch ihrem elfjährigen Bruder ging es nach einigen Wochen immer schlechter. Im Spätherbst konnten beide Kinder nicht zur Schule gehen. Doch die Symptome kommen immer wieder in Schüben, erzählt Mutter Malin, die nicht möchte, dass ihr Nachname genannt wird. Am Anfang stand ihre Ärztin vor einem Rätsel.

„Die Ärztin wusste nicht, dass es so etwas wie Langzeit-Covid bei Kindern gibt. Und das hat sich eigentlich bis Dezember so durchgezogen. Bis wir endlich Hilfe im Astrid-Lindgren-Krankenhaus bekommen haben.“

Multidisziplinäre Spezialstation in Stockholmer Krankenhaus

Seit Dezember gibt es hier eine Spezialstation für Kinder und Jugendliche, die wie Julia und ihr Bruder nach einer Infektion nicht mehr richtig gesund werden. Die Abteilung ist multidisziplinär aufgestellt, erzählt die leitende Ärztin Malin Ryd Rinder.

„Wir haben Kinderärzte, Physiotherapeuten, Kinderpsychologen. Wir beurteilen die Situation aus unterschiedlichen Perspektiven. Das ist sehr erfolgsversprechend.“

Im Moment werde symptomatisch behandelt, beispielsweise bekommen Kinder mit Bauchschmerzen Medikamente gegen Übelkeit, berichtet die Ärztin. Noch gebe es zu speziellen Behandlungsmöglichkeiten keine größeren Studien. Man stehe wie so oft bei Corona völlig am Anfang. Und wie viele Kinder insgesamt betroffen sind, ist auch unklar.

Im Astrid Lindgren-Kinderkrankenhaus werden derzeit 80 Kinder und Jugendliche behandelt, in ganz Stockholm sollen es laut Medienberichten über 200 sein. Von offizieller Seite gibt es keine Bestätigung für diese Zahlen. Und auch die Frage, welche Kinder ein erhöhtes Risiko für Langzeit-Covid haben könnten, kann Ärztin Malin Ryd Rinder nicht beantworten:

„Wir haben mehr Jugendliche, ältere Kinder. Aber wir haben auch einige Grundschüler. Insgesamt gibt es mehr betroffene Mädchen als Jungs. Ansonsten sind das einerseits Kinder, die vorher schon gesundheitlich angeschlagen waren. Und auch Kinder, die vorher kerngesund und aktiv waren. Es ist eine sehr gemischte Gruppe.“

Kaum Schulschließungen in Schweden während der Corona-Pandemie

Schweden hat seit Beginn der Pandemie die Schulen bis einschließlich Klasse neun fast nie geschlossen. Es gibt weder eine Maskenpflicht, noch werden Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet. Man könne daraus aber nicht schließen, dass es hier mehr Kinder mit Langzeit-Covid gebe als woanders, glaubt die Ärztin. Berichte kenne sie aus vielen Ländern. Und die Schulen in Schweden zu schließen sei keine Alternative. Die Ärztin Malin Ryd Rinder:

„Ich finde, es war eine absolut richtige Entscheidung, die Schulen offen zu halten. Denn es sind nur wenige Kinder von ernsthaften Komplikationen betroffen. Und ich glaube, wir hätten deutlich größere Probleme anderer Art bekommen, wären die Schulen geschlossen geblieben.“

Genesung erfordert viel Geduld

Die neunjährige Julia geht inzwischen wieder zur Schule, zumindest halbtags. Viel mehr schafft sie nicht, an Hobbys oder Verabredungen ist nicht zu denken. Und das fehlt ihr sehr, sagt sie. Ihre Mutter Malin ist optimistisch, dass es ihren Kindern bald deutlich besser geht. Wie lang das aber noch dauern kann, weiß sie nicht. Mutter Malin:

„Wir haben absolut keine Informationen dazu erhalten und sehen ein, dass keiner darüber wirklich Bescheid weiß. Wir merken aber, dass es langsam besser wird. Und wir glauben bzw. hoffen, dass wir uns zum Sommer oder zumindest im Laufe dieses Jahres erholen werden.“

Man brauche viel Geduld, so sagt auch die Ärztin des Kinderkrankenhauses. Alles langsam angehen, kleine Schritte machen und den Körper nicht überfordern.  

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