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Spr.: Die Vorwürfe, die die Hilfsorganisation Misereor gegen den Agrarchermiekonzern Bayer erhebt, sind nicht neu. Bayer so Miseror Geschäftsführer Pirmin Spiegel, verkaufe Pestizide, u.a. nach Brasilien, deren Haupt-Wirkstoffe in der EU nicht genehmigt sind und zum Teil als hochgefährlich eingestuft werden.

O-Ton: Deutschland ist einer größten Exporteure von Pestiziden. Und darunter sind eine Vielzahl von Bayer-Produkten. In Brasilien hat das Gesundheitsministerium im Jahr 2017 über 7000 Pestizidvergiftungen registriert. Die Dunkelziffer wird vermutlich höher liegen. Auch in anderen Ländern, überall dort wo Soja, Mais, Baumwolle hergestellt werden, werden diese Gifte, diese Pestizide verwendet.

 Spr.: Bayer, kritisiert Misereor, wie auch andere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, nehme damit die Gefährdung der Gesundheit der Menschen vor Ort wie auch die Schädigung der Artenvielfalt, der Böden, und des Trinkwassers wissentlich in Kauf. Statt den Export zu steigern, müsse Bayer verpflichtet werden, die Pestizidproduktion herunterzufahren. Bayer-Vertreter wie Matthias Berninger und dort zuständig für den Bereich Nachhaltigkeit, wehren sich gegen die Vorwürfe. Berninger verweist auf die Anstrengungen des Konzerns, den Einsatz von Pflanzengiften weiter zu begrenzen, bestimmte Mittel nicht weiter zu vertreiben und die Verantwortung für eine sachgerechte Verwendung vor Ort zu stärken:

O-Ton : Für uns ist wichtig, dass wir in allen Teilen der Welt einen gleichermaßen hohen Standard anwenden. Bayers Schwerpunkt ist ganz klar, dafür Sorge zu tragen, dass die Produkte nur gemäß den Labels auch angewandt werden und wir investieren eine Menge in das Training von Farmern, Pflanzenschutzmittel besser anzuwenden. Wir sind dort wo wir nicht die Verantwortung für die Anwendung haben, auch nicht bereit, für den Schaden einzutreten.

Spr.: Für den Entwicklungs- und Menschenrechtsexperten Armin Paasch ist das zu kurz gedacht. Unternehmen wie Bayer müssten per Gesetz endlich dazu verpflichtet werden, Gesundheitsschäden von Beginn an vorzubeugen und Pestizide vom Markt zu nehmen, die inakzeptable Risiken für Mensch und Umwelt vor allem in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern bergen.

O-Ton: Wenn Bayer aber diese Pestizide in Länder und in Regionen exportiert, wo eine sachgemäße Anwendung nicht vorausgesetzt werden kann und nicht realistisch ist, dann muss man die Schlüsse daraus ziehen. Menschenrechtliche Sorgfalt bedeutet, dass man die Risiken der eigenen Geschäfte untersucht auch die Risiken von Exporten und wenn hier ein erhöhtes Risiko besteht, dass das Recht auf Gesundheit der Bevölkerung verletzt wird, dann muss Bayer entweder Maßnahmen ergreifen, die den Schutz der Gesundheit ermöglichen und wenn sie zu dem Schluß kommen, das können sie nicht, dann müssen sie von den Exporten Abstand nehmen.

Spr.:Bislang hatten Bayer-Vertreter wie  Mathias Berninger solche Forderungen strikt zurückgewiesen. Auch das Argument, bestimmte Stoffe in Bayer-Pflanzengiften seien in der EU aufgrund ihrer Gefahr für Mensch und Umwelt nicht zugelassen, hält Berninger nur bedingt für stichhaltig.

O-Ton: „ Es gibt Behörden in Kanada, in Japan, den USA, die ebenfalls Risikobewertung betreiben. Und es gibt auch eine ganze Reihe von Chemikalien, die in Europa erlaubt sind und in anderen Teilen der Welt verboten. Ich glaube, dass die generelle Idee EU-Regelungen zur weltweiten Regulierung zu nehmen, keine besonders gute ist. Dort wo Produkte anderswo zugelassen sind, den Prinzipien der OECD auch genügen, sollten wir sie auch weiter einsetzen.

Spr.: Es sei hingegen einer weltweiten, sozialpolitischen Verantwortung geschuldet, Stoffe, die hierzulande oder in Europa verboten seien, nicht zu verkaufen, hält Menschenrechtler Armin Paasch dagegen. Er ist einer der Mitstreiter in der Initiative Lieferkettengesetz, in der sich knapp 100 Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteure zusammengeschlossen haben. Ein Lieferkettengesetz würde Unternehmen dazu verpflichten, Gesundheitsschäden vorzubeugen und Pestizide oder andere Stoffe und Produkte vom Markt zu nehmen, die eine Gefahr für Mensch und Umwelt  seien. Armin Paasch:

O-Ton: Dass ein Lieferkettengesetz die Unternehmen nicht wirklich belasten würde. Natürlich würden auch Kosten anfallen, aber gleichzeitig würden auch Risiken besser erfasst. Risiken, die hinterher auch zu großen Kosten führen können.

Spr.Bayer unterstütze ein Lieferkettengesetz, aber eines auf europäischer Ebene, nicht nur in Deutschland", erklärte Berninger letzte Woche.  EU-Justizkommissar Didier Reynders hatte nämlich eine entsprechende EU-Initiative angekündigt, die Unternehmen auf soziale und ökologische Mindeststandards bei ihren Lieferketten verpflichtet. Berninger:

O-Ton: Dass wir ein großes Interesse daran haben, die Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln zu verbessern. Es gibt in der Welt eine große Ernährungskrise, diese Ernährungskrise wird noch zunehmen, wenn Pflanzeschutzmittel nicht mehr eingesetzt werden können, aber sie müssen richtig eingesetzt werden. Die Sicherheit steht dabei im Vordergrund.“

Gerade Deutschland als einer der Hauptexporteure von Pestiziden müsse daher politisch Druck auf EU-Ebene machen, damit endlich ein solches Lieferkettengesetz verabschiedet werde. Fordert Misereor Geschäftsführer Pirmin Spiegel.  Dann hätte auch alternative Landbaumethoden ohne Pflanzengifte mehr Chancen auf Förderung:

O-Ton: Daß Bayer als einer der größten Pestizidhersteller weltweit ihrer menschenrechtlichen Verpflichtung nachkommen, dass hochgefährliche Wirkstoffe aus dem Portofolio genommen werden. Wir begleiten Partnerorganisationen vor Ort, die dokumentieren, was die Folgen von Pestizideinsätzen sind. Sie arbeiten dort mit Ärzten zusammen und sie schulen gleichzeitig Kleinbauern und Bauernfamilien im agrarökologischen Anbau. 

Spr.: Allerdings: was in welcher Dosis als schädlich und giftig gilt, ist oft auch eine Definitionsfrage und dürfte gerade bei der Diskussion um ein solches europaweites Lieferkettengesetz die wichtigste Rolle spielen. Wie wichtig ein solches Gesetz gleichwohl ist, zeigt ein in diesen Tagen veröffentlichtes Gutachten über Menschenrechtsverstöße beim Kakaoanbau. Die jahrelangen Versprechen europäischer und US-amerikanischer Schokoladenhersteller auf freiwillige Verbesserung der Arbeitsbedingungen  seien nur eines: Geschmacklos, so das Resümee. Denn die Situation habe sich für die Plantagenarbeiter, darunter viele Kinder, im Gegenteil weiter verschlimmert.

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