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Schlafmedizin Deshalb kann Schnarchen gefährlich sein

Für die Partnerin oder den Partner ist es ein Schlaf-Killer, für die Betroffenen selbst teilweise lebensgefährlich: Schnarchen. Der Wissenschaftsjournalist Peter Spork erklärt die Ursachen der nächtlichen Atemgeräusche.

Schnarchen nervt. Nicht nur diejenigen, die es hören müssen, sondern auch jene, die es nicht abstellen können.
Nach Aussage des Wissenschaftsjournalisten und Buchautoren Peter Spork („Das Schnarchbuch“) müsse man zunächst zwei Arten des Schnarchens unterscheiden:

  1. Das gewöhnliches Schnarchen, das einfach nur lästig sei und vielleicht die Partnerin oder den Partner vergraule.
  2. Das gefährliche Schlaf-Apnoe-Syndrom, das eine wirklich bedrohliche Krankheit sei: ein Extrem-Schnarchen mit Atempausen, so Spork.

Ursachen fürs Schnarchen so vielfältig wie das Schnarchen selbst

Lautes Röhren, leises Säuseln oder Grunz-Intervalle: Schnarchen hat viele Facetten. Genauso vielfältig sind die Ursachen. Im Schlaf erschlafft die Muskulatur, die Atemwege verengen sich und die Weichteile im Mund, wie das Zäpfen und das Gaumensegel, fangen im Luftzug an zu flattern. „Das ist in etwa so wie in einem Yachthafen. Wenn im Wind die Segel locker sind, dann fangen die auch an zu flattern“, veranschaulicht der Wissenschaftsjournalist.

Die Gründe für die verengten Atemwege sind divers:

  • eine zu große Zunge
  • vergrößerte Mandeln oder Zäpfchen
  • gereizte Schleimhäute durch Nikotin
  • stärker erschlaffte Muskeln durch Alkoholkonsum
  • Übergewicht
  • eine Erkältung
  • die falsche Raumtemperatur

All diese Faktoren können das Schnarchen begünstigen. Dieses abzustellen sei schwer, so Spork. Man könne meist nur den einzelnen Faktoren entgegenwirken, beispielsweise durch die Senkung der Raumtemperatur, eine andere Liegeposition oder den Verzicht auf Alkohol.

schnarchendem Mann wird Nase zugehalten

Frauen können mit schnarchenden Männern wohl besser umgehen als umgekehrt Männer mit schnarchenden Frauen.

Klischee: Übergewichtige Männer schnarchen häufiger

Peter Spork beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Personen am meisten schnarchen. Die Zahlen aus wissenschaftlichen Studien stützen ein bekanntes Klischee – zumindest in der Theorie. „Die Statistik sagt: Die Wahrscheinlichkeit ist am größten, wenn jemand schnarcht, dass es ein eher übergewichtiger, älterer Mann ist.“

Doch das lasse sich nicht verallgemeinern, so Spork: „Es gibt junge Menschen, es gibt Kinder und es gibt ganz viele Frauen, die schnarchen. Deshalb darf man nie, nur weil etwas besonders wahrscheinlich ist, darauf schließen, dass andere Menschen das nicht auch tun.“

Die lautesten Schnarcher und diejenigen, deren Schnarchen gesundheitsgefährdend ist, seien meist jung, sportlich und schlank, sagt Spork weiter. Bei diesen Personen könne das Schnarchen andere Ursachen haben, welche in einigen Fällen zu Schlaf-Apnoe-Syndromen führen. Dies wirke sich dann „massiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus“, so der 54-Jährige. Deshalb müsse man „mit den Klischees sehr vorsichtig sein.“

Frauen fürsorglich, Männer wenig empathisch

Auffällig sei der unterschiedliche Umgang mit dem Thema Schnarchen in einer Partnerschaft. „Die Frauen schicken ihre Männer, wenn sie schnarchen, zu Ärzten und sagen: Tu was dagegen, das könnte gefährlich für dich sein.“ Männer hingegen gehen „mit dem Schnarchen ihrer Frauen weniger empathisch um“, sagt Spork und beruft sich dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen.

Mandeluntersuchung

Frauen schicken ihre schnarchenden Männer gerne zum Arzt

Was hilft gegen das nächtliche Schnarchkonzert?

Gegen das nächtliche Schnarchen sind eine große Anzahl von Hilfsmitteln auf dem Markt. Einige davon sind zu besichtigen im weltweit einzigen Schnarch-Museum im Alfelder Ortsteil Langenholzen (Niedersachsen). Einen gewissen Nutzen bringen Kinnbinden und Halskrawatten, die dafür sorgen sollen, das lautstarke Vibrieren bestimmter Weichteile in den Atemwegen zu verringern. Am Rücken angebrachte Lagerungskissen oder ein in die Kleidung eingenähter Tennisball können potentielle Schnarcher dazu zwingen, in die Seitenlage zu wechseln.

Es gibt auch Weckhilfen, die den Schnarcher oder die Schnarcherin mit den Lichtblitzen einer Anti-Schnarchbrille oder durch Vibrationen am Armgelenk wecken. Wenig hilfreich sind dagegen in der Regel Antischnarch-Pillen oder auch Nasenpflaster- oder -Klammern und auch ätherische Öle verschaffen nur selten Linderung. Ohrenstöpsel helfen zumindest dem Partner oder der Partnerin einigermaßen ungestört die Nacht zu überstehen.

Schnarchmuseum

Museumschef Josef Alexander Wirth steht in seinem Schnarch-Museum im Alfelder Ortsteil Langenholzen (Niedersachsen) neben Figuren mit ambulanten Schlafapnoe-Messsystemen (Archivfoto)

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