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Tag des Schlaganfalls Neue Therapieansätze bei Schlag

Am 10. Mai ist der Tag gegen den Schlaganfall. In westlichen Industrieländern ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache. In Deutschland gibt es jährlich rund 270.000 Fälle. Wer schnell ins Krankenhaus kommt, hat bessere Chancen, den Hirnschlag unbeschadet zu überstehen – doch viele Patienten alarmieren viel zu spät den Notarzt. Auch deshalb hat ein Schlaganfall so häufig fatale Folgen.

Rund 40 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb des ersten Jahres; wer überlebt, ist oft dauerhaft geschädigt. In Deutschland und den USA laufen derzeit Studien mit einem besonders vielversprechenden Ansatz – der Kältetherapie. Auch Professor Sven Poli, Oberarzt am Uniklinikum Tübingen, setzt große Hoffnungen in die gezielte Unterkühlung, die Hypothermie:

Winterschlaf für das Gehirn

Hand einer Schlaganfall-Patientin

Zahlreiche Symptome können auf einen Schlaganfall hinweisen.

Man könne es ein bisschen vergleichen mit dem Winterschlaf bei Tieren. Der Stoffwechsel der Hirnzellen werde reduziert und das Hirngewebe so resistenter für Mangelzustände von Sauerstoff oder Nährstoffen. Einen Gefäßverschluss kann man so zum Beispiel länger überleben. In zahlreichen experimentellen Untersuchungen stellte man fest, dass es nicht nur die alleinige Stoffwechselreduktion sei, die zu einem besseren Überleben und zu einem geringeren Infarktvolumen führt. Auch auf sämtliche sekundären Schädigungskaskaden, die bei einem Schlaganfall auftreten, wirke sich das positiv aus.

Weniger Schädigung durch Kühlung

Notarzttransport

Schnelle Hilfe ist alles

Geringere Sprachstörungen und bessere Beweglichkeit könnten sich so erreichen lassen. Bisher allerdings kühlen die Ärzte über Gelpads oder Venenkatheter mit kalter Flüssigkeit den gesamten Körper der Probanden auf 32 bis 34 Grad herunter. Die Patienten zittern stark und müssen betäubt werden. Deshalb setzt Sven Poli für die Zukunft auf eine ganz neue Methode: Was wir jetzt im Experiment ausprobieren: wir nutzen die Hirndurchblutung und infundieren in die hirnversorgende Arterie kalte physiologische Lösung, und kühlen somit eigentlich nur das Areal, das von dem Schlaganfall betroffen ist. Möglicherweise wird dies einmal klinischer Alltag.

Mikrokatheter und Telemedizin

Schlaganfall Grafik

Oft führen Gerinnsel zu Schlaganfällen.

Die meisten Schlaganfälle entstehen durch Gerinnsel im Gehirn – wenn der Pfropf im Blutgefäß länger als sechs Millimeter ist, lässt er sich mit Medikamenten nicht mehr auflösen. Erfahrene Neuroradiologen können nun seit kurzem solche großen Gerinnsel mit einem Mikrokatheter herausziehen. Diese Praxis ist mittlerweile erprobt, könne aber nicht überall angeboten werden kann. Mit einem Netzwerk zwischen kleineren Krankenhäusern und neurovaskulären Zentren wäre das möglich. Patienten, die für so eine Therapie in Frage kommen könnten gemeinsam mit der Hilfe von telemedizinischen Verfahren (Bildübermittlung) herausgefiltert und in solche spezialisierten Zentren verlegt werden.

Stromtherapie

zwei Ärzte halten einem patienten mit hirnschrittmacher eine fernbedienung an die brust

Hirnstimulation.

Nicht nur in der Akutbehandlung, auch bei der Nachsorge könnten schon bald neue Methoden zum Einsatz kommen. Physiotherapie und Sprachtraining alleine reichen oft nicht aus. In manchen Zentren erprobt man deshalb die gezielte Stimulation der geschädigten Hirnregion über Magnetspulen oder mit Gleichstrom. In einer Studie an der Charité in Berlin konnten sich die Probanden besser artikulieren, wenn ihr Sprachzentrum während des Trainings über eine stromführende Elektrode auf dem Kopf aktiviert wurde. Professor Agnes Flöel hat die Untersuchung geleitet und beschreibt was dabei passiert: Der Proband spürt zunächst einmal ein kleines Kribbeln an der Haut. Der Strom läuft dann. [..] In der Hirnbildgebung sieht man, dass man weniger Aktivierung braucht, um die Aufgabe gut durchführen zu können. Also scheint eine effizientere Verarbeitung stattzufinden.

Vision für die Zukunft

Schlaganfallpatient mit Arzt

Therapien bei Schlaganfall

Auch bei Bewegungsstörungen war diese Hirnstimulation in Studien schon erfolgreich. der Weg in den klinischen Alltag ist aber immer noch weit. Für schwer gelähmte Patienten hat der Tübinger Hirnforscher Professor Niels Birbaumer eine Vision, die wie Science Fiction anmutet. Das Gehirn solle direkt von innen stimuliert werden, so sollen die Patienten eine Greifprothese nur mit Gedanken steuern: Wenn Sie eine komplizierte Bewegung machen wollen, funktioniert das mit diesen hirnelektrischen Vorgängen da an der Außenseite des Schädels nicht. Da müssen Sie in die Zellen des Gehirns selbst reingehen. Und deswegen werden wir in Zukunft bei manchen Patienten, die das wünschen und bei denen sonst gar nichts hilft, die Elektroden ins Gehirn selbst hineinpflanzen – dann kann ich jeden einzelnen Finger aktivieren. Auf der anderen Seite, den Kopf aufmachen und Elektroden in das Gehirn reinstecken, ist riskant. Die Patienten wissen das und wir auch. Das ist nicht etwas, was man leichtfertig tun kann.

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