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Hustenkrämpfe, Achterbahnfahrten, Operationen Spontane Auslöser für Schlaganfall

Nicht nur Operationen können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, sogar eine simple Grippe oder eine Fahrt mit der Achterbahn kann gefährlich werden.


Warnzeichen für einen Schlaganfall

  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Schwindel
  • Einseitige Lähmungen

Manchmal genügen scheinbar kleine Anlässe, um einen Schlaganfall auszulösen. Hier ein paar Beispiele:

Schlaganfall nach verschluckter Nuss

Peter ist auf einer Party, trinkt Wasser und knabbert ein paar Nüsse. Plötzlich verschluckt er sich – und muss husten. Er kann gar nicht mehr aufhören, schließlich sieht ihn ein Freund an und sagt: bei Dir stimmt etwas nicht. Seine rechte Hand verkrampft am Glas, die rechte Gesichtshälfte erschlafft, der Mundwinkel hängt herunter.

Die Freunde rufen den Notarzt. Der Hustenkrampf bringt den 60-Jährigen in das nächstliegende Krankenhaus zur Stroke Unit: Schlaganfall-Spezialeinheit. Dort wird festgestellt, dass seine Halsschlagader innen eingerissen ist, Gerinnsel sich gelöst haben und ins Gehirn gewandert sind.

Schlaganfall ausgelöst durch das Verschlucken einer Nuss.

Selbst für den Neurologen Andreas Kastrup von der Stroke Unit des Klinikums Bremen ist dieser Auslöser für den Einriss der Halsschlagader ungewöhnlich. Etwa 20 Patienten im Jahr kommen mit solchen Einrissen der Halsschlagader auf Kastrups Station. Er erklärt, dass unsere Blutgefäße sich durch die Halsweichteile und dann weiter in den Knochen ins Gehirn ziehen. Unglückliche ruckartige Bewegungen können deshalb in seltenen Fällen zu einem Einriss in der Gefäßinnenwand führen.

Schlaganfallrisiko durch Verkehrsunfälle oder Achterbahn

Der Auslöser kann auch ein ungünstiges chiropraktisches Manöver sein oder Schleuderverletzungen bei Verkehrsunfälle. Sogar Kirmesbesuche, bei denen in Fahrgeschäften der Kopf hin und hergeschleudert wird, sind ein mögliches Risiko, sagt der Neurologe. In vielen Fällen finden die Ärzte aber keine Ursache für den Schlaganfall.

Achterbahn

Kirmesbesuche, bei denen in Fahrgeschäften der Kopf hin und hergeschleudert wird, sind ein mögliches Risiko.

Wichtig zu wissen: ein Einriss der Halsschlagader ist meist ein einmaliges Ereignis, die Wahrscheinlichkeit, dass es sich wiederholt, gering. Johannes geht es heute wieder gut – auch, weil seine Freunde schnell gehandelt haben.

Verkanntes Schlaganfallrisiko Operation

Hans Joachim erlitt kurz nach einer Knie-OP einen Schlaganfall. Für ihn völlig überraschend. Weniger überrascht ist Joachim Röther. Der Neurologe und Chefarzt der Asklepios Klinik Altona hat immer wieder frisch Operierte auf seiner Station, die einen Schlaganfall während oder nach ihrer Operation bekommen haben.

Operationen erhöhen das Schlaganfall-Risiko: unter Tausend Patienten trifft es einen bis sieben. Eine Operation bedeutet immer Stress für den Körper, sagt Röther: Gewebe wird aufgeschnitten, Entzündungsboten freigesetzt. Nicht jeder muss deswegen eine Operation scheuen. Aber bestimmte Menschen sind gefährdet.

OP-Schwester greift in einem Operationssaal nach OP-Besteck

Eine Operation ist immer Stress für den Körper. Das kann zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko führen.

Menschen mit erhöhtem Schlaganfall-Risiko

Zum Beispiel jene, die sowieso ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Das sind vor allem ältere Patienten, die schon mal andere Gefäßerkrankungen hatten. Zum Beispiel an der Schaufensterkrankheit leiden oder Bypassoperationen hatten oder Stents in die Herzgefäße eingesetzt bekommen haben. 

Hans Joachim hatte noch ein weiteres Schlaganfallrisiko – das aber leider erst nach dem Schlaganfall aufgefallen ist: Eine hochgradige Verengung der Halsschlagader. Im Ultraschall konnten die Ärzte auch sehen, dass sich da bereits Blutgerinnsel oben drauf gesetzt hatten. Möglicherweise haben sich diese Gerinnsel gelöst, als bei der Operation der Kopf nach hinten gedehnt wurde.

Risikokandidaten kann ein Check per Ultraschall helfen

Bei ihnen sollte vor der OP am besten eine Ultraschalluntersuchung am Hals durchgeführt werden. Bei Hans Joachim hätte man die Halsschlagader vor der Operation weiten und so den Schlaganfall möglicherweise verhindern können.

Schlaganfall Grafik

Oft führen Gerinnsel zu Schlaganfällen.

Bei einem Schlaganfall entstehen im Körper winzige Blutklümpchen, Gerinnsel, die dann mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern. Dort verstopfen sie Blutgefäße – und schneiden die Gehirnzellen von der Versorgung ab. Die Zellen sterben, unwiederbringlich.

Infektionen erhöhen das Schlaganfallrisiko - allen voran die Grippe

Schlaganfallexperte Joachim Röther betont, dass bei Patienten mit einer Grippe das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht ist. Da die Grippe eine schwere Entzündung ist, verdickt das Blut der Kranken und neigt so eher zur Gerinnung. Deswegen lautet seine Empfehlung, dass die Patienten mit ihren Hausärzten über eine regelmäßig Grippeimpfung im Herbst reden sollen.

Eine Frau putzt sich die Nase

Bei Patienten mit einer Grippe ist das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht.

Dieser Rat gilt ebenfalls eher für ältere und gefäßkranke Menschen. Durch eine Grippeimpfung lässt sich das Schlaganfallrisiko um 20 Prozent reduzieren.

Als weiterer Faktor, der Schlaganfälle begünstigen könnte, wird zur Zeit die starke Luftbelastung durch Feinstaub diskutiert.

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