Gemüse im Klimawandel Was wächst auf salzigen Böden?

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Mit dem Klimawandel drohen Böden weltweit zu versalzen: In Küstenregionen, weil der Meeresspiegel ansteigt. In Trockengebieten, weil zu wenig Regen fällt. Forscher suchen darum nach Lösungen für die Landwirtschaft. Dazu gehört auch salztolerantes Gemüse.

Welche Pflanzen etwa sind von Natur aus salztolerant? Lassen sie sich für künftige Züchtungen nutzen? Das untersuchen Wissenschaftler weltweit, unter anderem im EU-Projekt "Sal-Far". Zum Projektverbund gehört auch das Ökowerk Emden in Ostfriesland.

Detlef Stang ist der Chef des Umweltbildungszentrums: In fünf Reihen sind hier unterschiedliche Pflanzenkulturen angebaut. Einige erinnern an Salat, andere eher an Unkraut. Stangs "Liebling" steht in der Reihe ganz rechts: ein algenartiges, dunkelgrünes Strauchgewächs, das bis etwa 20 Zentimeter aus dem Boden ragt, die Beete werden mit Nordsee-Schlick angereichert.

Detlef Stang, Geschäftsführer des Ökowerks Emden, hält Blasentang (Fucus vesiculosus) in seiner Hand. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Mohssen Assanimoghaddam)
Detlef Stang ist als Geschäftsführer des Ökowerks Emden. Am EU-Projekt SalFar (Saline Farming), beteiligrn sich sechs weitere Nordsee-Anrainerstaaten. picture-alliance / dpa - Mohssen Assanimoghaddam

Schleichende Versalzung durch den Klimawandel

Der "Queller", auch Meeresspargel genannt, ist die einzige Pflanze, die mit Salz besser wächst als ohne. Und das macht das fleischige Gewächs zu einer möglichen Nutzpflanze der Zukunft. Denn die Versalzung der Böden schreitet stetig voran. Ein Grund ist der ansteigende Meeresspiegel.Durch den zusätzlichen Druck auf dem Meer wird das Salzwasser viel weiter in die Ufer- und Fluss-nahen Gegenden gedrückt. Mit der Zeit werden traditionelle Kulturen wie Weizen, Mais oder Raps nicht mehr gut wachsen, sagt Stang.

Quinoa, Kartoffeln, Weizen

Deshalb erforschen Wissenschaftler in sechs Nordsee-Anrainerstaaten die Salzresistenz bestimmter Pflanzensorten - wobei es eigentlich "Natrium-resistent" heißen müsste, denn vor allem Natrium macht den Pflanzen zu schaffen.

In den Niederlanden etwa wird mit Kartoffeln experimentiert, in Schweden mit verschiedenen Weizenarten, alles unter dem Dach des EU-Projekts "Sal-Far". Versalzene Böden, das ist ein globales Problem.

Umgang mit Salzstress

Denn auch dort, wo künstlich bewässert wird, bleibt Natrium im Boden zurück: in den heißen und trockenen Regionen Afrikas zum Beispiel, wo riesige Anbauflächen über Jahre brach liegen, bevor sie wieder genutzt werden können.

Der im Watt wachsende Queller wäre hier sicherlich keine Alternative, erklärt Sönke Scherzer. Der Biologe ist Teil einer Forschergruppe, die an der Uni Würzburg Strategien salzresistenter Pflanzen untersucht. Im Fokus der Würzburger Forscher steht anders als im Sal-Far-Projekt das getreideähnliche Quinoa aus Südamerika.

Erweiterung auf wichtige Kulturpflanzen

Denn die Quinoa-Pflanze nimmt das Natrium zwar auf, transportiert es aber dann ohne Umwege in spezielle Drüsen - eine Art hauseigene Müllhalde, von der aus das Salz schließlich entsorgt wird. Das Fernziel der Forschung von Sönke Scherzer ist, diese Art des Umgangs mit Salzstress in andere Kulturpflanzen zu übernehmen. Das gilt zum Beispiel für Reis, die wichtigste Kulturpflanze weltweit.

Im Ökowerk Emden setzt man stattdessen vor allem auf heimische Nutzpflanzen wie Queller, Löffelkraut oder Herzblattsalat. Außerdem hat Detlef Stang auch Eiskraut angebaut, das stammt aus Namibia und erinnert im Geschmack an Sauerampfer.

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