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Sackgasse oder Fortschritt? – So tickt die sensible Gesellschaft

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Gespräch mit Svenja Flaßpöhler

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Emotionsgeschichtlich steht die zunehmende Sensibilisierung für Humanität: Menschen werden immer empathischer, sie können sich in andere hineinversetzen, werden empfänglicher für eigene und fremde Gefühle, können sich mit anderen solidarisieren. Doch diese Entwicklung hat auch eine Kehrseite: Die sensible Gesellschaft hat sich aufgesplittert in Milieus und Gruppen, die Kritik nur noch als Angriff verstehen, die hypersensibel sind und die andere Meinung, den anderen Standpunkt nicht mehr tolerieren können. Führt die Sensibilität der Gesellschaft in eine Sackgasse? Antworten gibt die Philosophin Svenja Flaßpöhler.

Dr. Svenja Flaßpöhler ist Philosophin und Chefredakteurin des "Philosophie Magazin".

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Gespräch Svenja Flaßpöhler über ihr Buch „Sensibel“ - Sensibilität und Resilienz gehören zusammen

Dass Menschen sensibler werden für eigene und fremde Grenzen, dass wir vorsichtiger miteinander umgehen, das sei auf jeden Fall erstmal ein Zeichen von zivilisatorischem Fortschritt, sagt die Philosophin und Autorin Svenja Flaßpöhler in SWR2. Aber derzeit würde man eben erleben, dass das Progressive der Sensibilität umkippe in eine Regression, also eine zerstörerische Kraft, weil – so scheint es – die Sensibilität uns nicht mehr verbinde, sondern die Gesellschaft zersplittere.
Sensibel zu sein für subtile Arten von Sexismus und Rassismus sei erstmal gut. Aber es gebe einen Punkt, wo man fragen könnte, ob nicht einfach nur noch jede Sensibilität eine neue Sensibilität hervorbringe. „Und deshalb plädiere ich dafür, dass wir nicht nur gucken müssen, dass wir sensibel miteinander umgehen, sondern dass wir tatsächlich auch die Widerstandskraft, die ja immer so als Gegensatz zur Sensibilität begriffen wird, dass wir diese Widerstandskraft ins Bündnis bringen mit der Sensibilität.“
In einer freiheitlichen Gesellschaft seien persönliche Krisen und Verletzungen unvermeidbar. „Die Resilienz rechnet damit, dass das passieren wird und ermächtigt uns eben dann, damit umzugehen," sagt Flaßpöhler.
Von Svenja Flaßpöhler erscheint heute das Buch „Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenze des Zumutbaren“, ein Buch zur aktuellen Debatte, wie wir miteinander umgehen.  mehr...

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Reiten und Streiten mit Juli Zeh und Denis Scheck Reitgespräch über "Sensibel" von Svenja Flaßpöhler

Svenja Flaßpöhler, promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“ befasst sich in ihrem neuen Buch "Sensibel - Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren" mit der Rolle der Sensibilität, die vom Progressiven ins Regressive zu kippen droht.  mehr...

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