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Roland Weißmann, Wunschkandidat der Kurz-Partei ÖVP, wird neuer ORF Generaldirektor

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INTERVIEW

„Weißmann schon wer ORF Generaldirektor wird?“: Dieser Witz kursierte online schon vor der Wahl von Roland Weißmann zum neuen Chef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich. Seine Wahl sei ganz und gar nicht überraschend, erklärt Srdjan Govedarica, ARD-Korrespondent in Wien im Gespräch mit SWR2 Kultur Aktuell. Denn Weißmann war Wunschkandidat der Kanzlerpartei ÖVP, die eine Mehrheit im Wahlgremium stellt.

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Politisch beeinflusstes Entscheidungsgremium

Insgesamt sei die Bestellung des ORF-Intendanten vermehrter Kritik ausgesetzt, so Govedarica — die meiste beträfe die Bestellpraxis des entscheidenden Gremiums. Im Vergleich zu ähnlichen Gremien bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland, werde der Stiftungsrat beim ORF deutlich stärker politisch besetzt.

Auch wenn die Mitglieder laut Satzung gesetzlich weisungsfrei und unabhängig seien, ließen sich 32 von 35 Mitgliedern politischen Parteien zuordnen und seien in entsprechenden „Freundeskreisen“ organisiert: „Die Politik mischt da mit“, ist Srdjan Govedaricas Fazit.

Keine neue Tendenz

Dass somit die Regierungspartei darüber entscheide, wer das wichtigste Medienhaus des Landes leite, werde viel kritisiert — allerdings, so schränkt der Wien-Korrespondent ein, handele es sich hierbei um keine Erfindung von Sebastian Kurz. Das sei schon immer so gewesen.

Diskussion über unabhängige Berichterstattung in der Alpenrepublik

In Österreich habe man zwar keinen Staatsfunk — das System ist ähnlich wie in Deutschland über Rundfunkgebühren organisiert — aber die Unabhängigkeit der Medien sei eine generelle Frage, sagt der Journalist. Boulevardblätter bekämen beispielsweise viele Regierungsinserate und so müsse man sich fragen, ob Verlage, die besonders viel Werbegeld von Ministerien erhielten, nicht auch vorsichtiger bei der Berichterstattung seien.

Roland Weißmann müsse sich nun als Nächstes damit auseinandersetzen, dass er mit dem „Nimbus der Mauschelei“ ins Amt gekommen ist. Er müsse nun in seiner Arbeit beweisen, dass dieser Verdacht unbegründet sei, so Srdjan Govedarica.

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