Düngen per Satellit gesteuert - Monitore in einem über GPS navigierten Traktor (Foto: dpa, picture-alliance -)

SWR2 Wissen Spezial: Unser künftig Brot (9/10) Roboter bei der Feldarbeit

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Von Elisabeth Brückner

Nach der Erfindung des Traktors vor 125 Jahren steht der Landwirtschaft eine neue Revolution bevor: Die Einführung von Robotern und eine zunehmende Digitalisierung. Diese Roboter arbeiten so präzise, dass in Zukunft weniger Pestizide und weniger Düngemittel in die Umwelt gelangen. Eine neue Generation von Landwirten wird die Stall- und Feld-Arbeiten per App überwachen und vom Bildschirm im Büro aus steuern.

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Landwirtschaft 4.0: Das ist, wenn Satelliten-Erkennung, intelligente Sensor- und Robotertechnik zusammen kommen und über Apps auf dem Handy oder vom PC aus gesteuert werden.

Klaus Erdle von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft stellt Maschinen und Software vor, mit denen Landwirte - von der Aussaat bis zur Ernte - ihre Felder bestellen können. Bei einem Rundgang auf der Agritechnica steuert der Agrarwissenschaftler als erstes einen Stand an, wo es darum geht, Satellitenbilder für den eigenen Betrieb zu nutzen.

Jedes Saatkorn hat eine GPS-Position

Steht das Wasser an der einen Stelle vom Feld, ist woanders vielleicht der Boden zu trocken? Mithilfe einer Drohne, die übers Feld fliegt und Bilder aufs Handy schickt, sammelt der Landwirt Informationen für jeden einzelnen Quadratmeter eines riesigen Ackers.

Bildmontage Traktor mit GPS-Steuerung, die herausvergrößert in einer Lupe dargestellt wird (Foto: SWR, SWR - Dunja von Morzé)
Die Satellitenantenne auf dem Dach lenkt den Traktor automatisch SWR - Dunja von Morzé

Jedes Saatkorn hat über die gespeicherten GPS-Koordinaten bei der Aussaat so etwas wie eine Adresse auf dem Acker. Diese Adresse – bzw. millionen-viele Adressen - kennt später auch der Düngerstreuer. Und es geht noch genauer. Klaus Erdle führt zu einem Schlepper, zeigt auf zwei kleine, unscheinbare Boxen auf der Fahrerkabine.

Mit den neuen Technologien können auch Unkrautvernichtungsmittel eingespart werden. Klaus Erdle führt zu einer zweieinhalb Meter breiten, ein Meter hohen und tiefen, hellgrauen Blechhaube.

Unkraut mit Lasern abschießen

Diese Blechhaube und das was drunter steckt: das ist der Prototyp einer Unkrauthacke. Frisch aus der Werkstatt der Ingenieure. Absolute Avantgarde der Feldroboter. Unter der Haube hat der Roboter ein Fahrsystem, einen Computer und eine Kamera, die Unkraut erkennen. Und: Einen Laser, der Unkraut abschießt.

Der Deutsche Bauernverband wollte von seinen Mitgliedern wissen: "Welche digitalen Technologien setzen Sie in Ihrem Betrieb ein?" Die Umfrage hat ergeben: 8 Prozent der Betriebe hat Roboter im Einsatz. Hightech-Landmaschinen dagegen: 39 Prozent.

Mann in einem Traktor tippt auf das Display der Satellitensteuerung seines Traktors (Foto: SWR, SWR - Dunja von Morzé)
Bei Präzisions-Landwirtschaft wird millimetergenau gedüngt und gespritzt - dabei helfen Satellitenbildern und selbst erstellte Geländekarten. SWR - Dunja von Morzé

Konventionelle Landwirtschaft bedeutet: Auf einem Acker wird alles einheitlich verteilt: Dünger und Pflanzenschutzmittel. Von Präzisions-Landwirtschaft ist die Rede, wenn mit Hilfe von Satellitenbildern und selbst erstellen Geländekarten Teilflächen genau gedüngt und gespritzt wird.

Kleine gegen große Maschinen

"Smart" ist die Landwirtschaft, wenn zusätzlich mit Hilfe von Sensoren Pflanzen einzeln behandelt werden. Und schließlich gibt es "Digital Farming". Da sind dann Roboter unterwegs, die alles an Technologie und Vernetzung drauf haben, was es gerade so gibt.

Werden kleine XXS-Roboter die riesigen XXL-Maschinen verdrängen? Professor Arno Ruckelshausen aus Osnabrück hat vor Jahren selber einen Roboter mit-entwickelt. Seine Vision ist: Eines Tages werden so viele Roboter säen, düngen, spritzen, ernten, dass die Landmaschinenhersteller in die Massenproduktion gehen und diese Roboter dann gar nicht mehr so teuer sind.

Noch sind die neuen Technologien teuer. Auch wenn über 40% der Landwirte in Deutschland angeben, dass sie im nächsten Jahr neue Maschinen kaufen wollen: Agrarsoziologen sagen voraus, dass das "Wachsen oder Weichen" - kleinere Bauernhöfe werden aufgegeben, größere werden größer – zunächst mal weiter geht.

Neue Technologie gegen selbst verursachte Probleme

Einig sind sich die Experten, dass das Ackern insgesamt ökologischer wird. Es gibt Schätzungen, dass bei konventioneller Landwirtschaft die Hälfte des Düngers und bis zu 90 Prozent der Pestizide ihr Ziel verfehlen. Diese Umweltbelastung wird mit Präzisionslandwirtschaft geringer und sie wird mit "Smart-" und "Digital Farming" ein Ende haben.

Allerdings: Mit neuer Technologie werden Probleme gelöst, die durch die Landwirtschaft überhaupt erst entstanden sind. Man könnte denken, es ist ein Rückschritt im besten Sinne: In eine Zeit, als Ackerbau und Viehhaltung nachhaltig waren und weniger Natur zerstört und die Umwelt belastet haben.

Milchkühe werden auf der Grünen Woche von einem Roboter mit Futter versorgt (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Rainer Jensen)
Milchkühe werden auf der Grünen Woche von einem Roboter mit Futter versorgt picture-alliance / dpa - Rainer Jensen

Neue Technik und alte Ideale

Doch unsere Gesellschaft, die mit viel Geld die Landwirtschaft unterstützt, hat als Ideal das Bild einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft – auch wenn die Größe eines Betriebes nichts darüber aussagt, wie mit der Natur, dem Boden oder mit den Tieren umgegangen wird.

Zu der Bauernhof-Romantik, der weite Teile der Gesellschaft nachhängen, passen Roboter auf dem Acker und im Stall aber schlecht. So könnte es sein, dass sich an der Kluft zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft erst mal wenig ändert.

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