Die Welt in Zahlen

Rekord: Die Zahl Pi hat nun 62,8 Billionen Nachkommastellen

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AUTOR/IN
Farina Kremer

Schweizer Forscher haben nach eigenen Angaben die mathematische Kreiszahl Pi so genau wie noch nie berechnet. Wie die Fachhochschule Graubünden mitteilte, legten sie mit 62,8 Billionen Stellen hinter dem Koma die bislang exakteste Berechnung vor. Sie übertrafen damit den bestehenden Rekord um 12,8 Billionen Stellen.

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3,14 – Mathematiker lieben die Zahl Pi

62,8 Billionen! So viele Stellen hat jetzt die Zahl Pi nach dem Komma. Und es werden bestimmt noch viele dazu kommen, irgendwann in der Zukunft.

Damit ist Pi eine transzendente, also unendliche und irrationale Zahl: Sie kann nicht als Quotient zweier ganzer Zahlen dargestellt werden und sie findet praktisch kein Ende, hat also keinen endgültigen Wert. 

Mathematiker lieben diese Zahl und das seit Jahrtausenden. So sehr, dass es nicht nur einen Jahrestag für Pi gibt, sondern auch eine berühmte Redewendung: Pi mal Daumen.

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Von der Archimedes-Zahl über die Ludolphsche Zahl zu Pi

Pi hat schon viele Namen getragen, zum Beispiel Archimedes-Konstante. Der gute Archimedes berechnete vor über 2000 Jahren die ersten zwei Nachkommastellen der Zahl. Das war der Beginn einer unendlichen Besessenheit von dieser unendlichen Zahl, bei der immer der Weg das Ziel war, also das mühevolle Ausrechnen der Nachkommastellen.

Eine Zeitlang nannte man Pi auch die Ludolphsche Zahl, nach Ludolph van Ceulen. Der hatte es im 17. Jahrhundert geschafft, die ersten 35 Stellen zu errechnen. Damit man weiß, wie bedeutend das war: Auf Ludolphs Grabstein ist Pi mit diesen 35 Nachkommastellen eingraviert.

Der Mathematiker William Shanks brachte es immerhin auf 707 Stellen, konnte Pi aber nie seinen Namen verleihen, was auch gut so ist – er hatte sich an der 528. Stelle verrechnet. Schade!

Als die Computer die Mathematik revolutionierten, wurde der Pi-Sport in eine neue Liga gehoben. Schlag auf Schlag ergaben sich neue Rekorde, immer mehr Stellen nach dem Komma wurden errechnet.

Wer hat's gerechnet? Die Schweizer!

Aktuell kennen wir Pi bis auf die 62,8 billionste Stelle, die letzten Ziffern lauten: 7817924264. In diesem Fall gab es neben dem sportlichen Ehrgeiz einen fachlichen Grund: Ein Schweizer Forschungsteam um den Informatiker Heiko Rölke hat sein Computersystem auf die Berechnung angesetzt. 108 Tage und 9 Stunden hat es dazu gebraucht. Das Unternehmen diente als Testfahrt für das System. Das soll nämlich bald riesige Genomfolgen berechnen, um herauszufinden, welche genetischen Faktoren zu Allergien führen.

Damit die Daten möglichst effizient auf dem Festplattensystem abgelegt werden können, ohne die Leistung zu beeinträchtigen, musste Pi quasi als „Versuchskaninchen“ herhalten. Bei der 62.8 billionsten Stelle wird es aber nicht bleiben. Der Informatiker Rölke ist davon überzeugt, dass die 100 billionste Stelle kein Problem sei und mit jeder technischen Neuerung könne mehr von Pi entschlüsselt werden.

Inder Suresh Kumar Sharma: Rekordhalter im Pi-Sport

Pi-Sport ohne Computer ist übrigens ebenso faszinierend. Inoffizieller Rekordhalter ist der Japaner Akira Haraguchi, der sich 100. 000 Stellen einprägte und sie in über 16 Stunden aufsagte.

Der offizielle Rekordhalter ist der Inder Suresh Kumar Sharma. Er memorierte 70.030 Stellen in gut 17 Stunden. 

Wer jetzt auch Pi-Athlet werden möchte, kann mit simplen Versen als Gedächtnisstütze anfangen. Hier steht die Anzahl der Buchstaben pro Wort für die jeweilige Zahl.  Folgende Verse stehen für die Ziffernfolge: 3-1-4-5- und so weiter:   „Wie, o dies macht ernstlich so vielen viele Müh,  Lernt immerhin, Jünglinge, leichte Verselein, wie so zum Beispiel dies dürfte zu merken sein!“   

Aber warum fasziniert uns Pi so? Pi ist das ultimative Rätsel. Pi ist eine magische Zahl. Und wir alle sind neugierig und fasziniert. Das Kind in uns fragt ungeduldig: 3,1415 …  und dann? 

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