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Regenwald

Regenwaldschutz in Brasilien Weniger Abholzung durch schwarze Listen

In Brasilien werden Kommunen an den Pranger gestellt, die den Regenwald durch illegale Abholzung ausplündern. Diese Kommunen werden auf eine schwarze Liste gesetzt und sind fortan stigmatisiert. Eine neue Studie belegt, dass durch diese Maßnahme die Abholzung nachhaltig reduziert werden kann. SWR2 Impuls sprach darüber mit Elías Cisneros vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn.

Herr Cisneros, helfen diese schwarzen Listen?

Ja, sie helfen durchaus. Wir haben festgestellt, dass diese schwarzen Listen in den letzten Jahren zu 26 Prozent weniger Abholzung führten.

Was passiert mit diesen Listen? Werden sie in den Medien veröffentlicht?

Ja, diese Listen werden stark diskutiert in Brasilien. So greifen Nichtregierungsorganisationen diese Listen auf und konzentrieren ihre Aktionen auf diese Distrikte.

Und wie erklären Sie sich die positive Wirkung? Haben die Kommunen wirklich Angst davor, an den Pranger gestellt zu werden?

Sie müssen sich das so vorstellen: Es gibt 600 Distrikte im brasilianischen Amazonas, von denen 50 ausgewählt und auf die Liste gesetzt wurden. Diese 50 haben in den letzten Jahren die meiste Abholzung betrieben, also seit 2008 bis 2012 in etwa. Diese Listen bringen keine direkten negativen Konsequenzen für die Kommunen mit sich, auch wenn man von administrativer Seite keine Lizenzen zur legalen Abholzung mehr bekommt. Aber natürlich befürchten viele Akteure innerhalb dieser Distrikte wirtschaftliche Nachteile durch das schlechte Image.

Gefällter Baum im Regenwald

Bewirken schwarze Listen einen Rückgang der Regenwaldabholzung in Brasilien? - Damit haben sich Forscher der Universität Bonn beschäftigt.

Damit das noch einmal klar wird: Sind mit den schwarzen Listen keine Repressionen verbunden? Geht es nur um eine Rufschädigung und zeigt diese wirklich eine Wirkung?

Nein, mit den schwarzen Listen sind nicht direkt Repressionen verbunden, sondern es geht um die Rufschädigung. Natürlich gibt es neben den schwarzen Listen auch andere umweltpolitische Maßnahmen, die Brasilien einsetzt; so zum Beispiel die Umweltpolizei, die gezielt illegale Abholzung bekämpft, vor Ort fährt, Strafen verteilt. Was wir mit unseren Forschungen zeigen können, ist Folgendes: Der Rückgang der Abholzung liegt nicht nur daran, dass die Umweltpolizei nun fokussiert in diesen Distrikten agiert, sondern auch daran, dass diese Distrikte höchstwahrscheinlich Angst vor ökonomischen Konsequenzen haben. Die Distrikte 'schämen' sich sozusagen, reißen sich dann aber zusammen und starten Aktionen gegen die Abholzungen.

Gibt es diese Listen nur in Brasilien oder gibt es sie auch in anderen Ländern mit demselben Problem?

Nein, die Listen gibt es in dieser Form nur in Brasilien. Es gab auch schon andere Fälle von schwarzen Listen, aber mehr im Bereich der CO2-Emissionen - im Bereich von Abholzungen ist das das erste Mal.

Illegal geschlagenes Holz wird verbrannt

Schwarze Listen sind nicht das einzige Mittel gegen illegale Abholzung: Hier wird illegal geschlagenes Holz verbrannt.

Das ist doch eigentlich nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, Herr Cisneros? Eigentlich müsste man sagen: Gut, man kann die Abholzung ein wenig reduzieren - aber das Abholzen geht ja weiter.

So würde ich das nicht sagen. Ich denke, das ist nur im Rahmen einer Entwicklungspolitik zu verstehen, also am Ende vieler Politiken, die Brasilien in den letzten zehn, fünfzehn Jahren implementiert hat. Dazu gehören auch die Expansion von Waldschutz- oder Naturschutzgebieten und dazu gehört die Führung von satellitenüberwachten Systemen. Diese 26 Prozent weniger Abholzung sind in etwa 5.000 km² - das ist jetzt nicht wahnsinnig viel, aber es trägt dazu bei, dass die Abholzung in Brasilien stark zurückgegangen ist. Sie müssen sich vorstellen: Sie ist in den Jahren von 2004 bis 2012 um circa 27.000 Quadratkilometer jährliche Abholzung bis auf den Level von 'nur' 5.000 Quadratkilometern zurückgegangen.

Wenn wir über diese 'nur' 5.000 km² reden - wie dramatisch ist die Lage in Brasilien? Wie lange gibt es dort noch den Regenwald, wenn die Abholzung wie auf dem Stand von 2015 weitergehen würde?

Angenommen, die Abholzung geht so weiter, wie sie jetzt ist, dauert es noch sehr lange, bis der Amazonas abgeholzt ist.

Wolkenverhangener Regenwald

Brasilien hat hinsichtlich der Regenwaldabholzung in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht. Viel schlechter sieht es jedoch zum Beispiel in Ländern wie Indonesien aus.

Das ist interessant, dass Sie das sagen, denn ich sehe ständig Dokumentationen im Fernsehen oder höre sie auch im Radio, in denen die Lage sehr stark dramatisiert wird. Habe ich Sie richtig verstanden: Die Lage ist gar nicht so dramatisch?

In Brasilien ist sie vielleicht nicht so dramatisch. Es gibt zwar immer noch viel Abholzung: 5.000 km² Abholzung jährlich - das sind in etwa 2.000 Fußballfelder, die täglich abgeholzt werden. Brasilien hat jedoch sehr viel dagegen getan und in den letzten Jahren ist die Abholzung gesunken. Viel dramatischer, wenn wir es vom Trend her betrachten, sind im Vergleich eher Länder wie Indonesien, wo die Abholzung jährlich stetig steigt.